Wieso stehen wir Atheisten am Morgen auf?

No one atheist (Dawkins arguments included) can successfully explain to me why they bother to get out of bed of a morning?1

I’m throwing this question open to the floor. Well, atheists: what have you got to say?2

Eine solch lustig-naiv-gottesfürchtige Frage schreit förmlich danach, beantwortet zu werden:

Einerseits sind da natürlich ganz leibliche Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen. Diese zu ignorieren, würde in Schmerzen und Pein enden.

Dann liebe ich einfach das Leben. Gewiss, manche Aspekte sind scheisse. Und ich kann mich auch nicht mit imaginären Freunden und halluziniertem Himmel darüber hinweg trösten, dass mein Leben durch und durch endlich ist. Doch im Gegensatz zu Theisten kann ich mich auch über die schlichte Eleganz einer Evolutionstheorie freuen. Und ich kann Schönheit geniessen, ohne überall Seelen zu suchen, gut, ich muss mir anhören, oberflächlich zu sein und in der Hölle zu enden, aber das ist in etwa so furchterregend, wie wenn man mir damit droht, mich mit einer Gänsedaune verprügeln zu wollen. Wobei die Daune immerhin real wäre.

Ich stehe morgens auf, weil ich bloss ein Leben habe und aus diesem Leben so viel herausholen will, wie ich bloss kann. Weil ich durch mein Handeln etwas bewirken kann - und nicht etwa gegen die unsichtbare Wand anrenne, die manche auch Schicksal nennen. Weil sonst die religiösen, kreatürlich-kreationistischen Wirrköpfe gewinnen.

Und weil ich mich über solche Fragen amüsiere, die implizieren, dass ein Leben ohne Gott, höheren Sinn und höhere Bestimmung unweigerlich Siechtum und Depression bedeuten muss. Stattdessen muss ich meinem Leben einen Sinn geben, und genau deswegen geniesse ich es. Weil man das Leben einfach so geniessen kann.

Wie schön es ist, atheistische Blogs zu durchstöbern. Verdammt, ja, ich geniesse auch die paar Müsliflocken mit Sultaninen und Milch am Morgen. Ich mag es, nach ein paar wenigen Stunden Schlaf ausgiebig zu duschen. Ich mag den Geruch von Sommer am frühen, nachtschimmernden Morgen. Ich mag die Sanftheit von Seide unter meinen Fingerkuppen. Hm, ich mag es selbst, hier einen Schlusspunkt zu setzen. Bloss weil ich es kann. Ich mag einbrechende Dunkelheit und ein Stück hausgemachter Lasagne. Ich mag die Zartheit, die man in den Augen einer hübschen Kollegin findet. Ich mag das Rauschen von Blättern und Zweigen im Wind. Ich mag Nebel, der sich wie zartweisse Wolkenfetzen um knorrige Bäume legt. Ich mag weisses Papier…

  1. Kommentar beim Thinkers’ Podium []
  2. Five Public Opinions - Why do we atheists bother getting out of bed in the morning? []






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3 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiWieso stehen wir Atheisten am Morgen auf?Publiziert am 21. April 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Andreas Kyriacou

    Wenn die Frage wenigstens gewesen wäre, wieso wir an einem Sonntagmorgen aufstehen ;-) Da könnten sich die Antworten von Atheisten und pflichtbewussten Christen ja schon unterscheiden.

    Ich stehe am Sonntag übrigens nur deshalb in aller Herrgottsfrühe (sic!) auf, damit ich um 12.15 Ihr Peter Schneider auf DRS3 nicht verpasse :D

  3. HaloScan.com - Comments

    Kramer auto Pingback[...] Nicht, dass Du nun keinen Grund mehr siehst, morgens aufzustehen Andreas Kyriacou | Homepage | 21.04.08 - 08:05 | [...]




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