Unsere Kultur des Todes ist nichts für Erzkatholiken

Even a priest can fall in love with evil1

Einst dachte ich, es wären bloss Ökofundis, radikale Sozialisten, grüne Technophobe und greise Hippies, die den wissenschaftlichen Fortschritt als Werk des Teufels im Nadelstreifenanzug bezeichnen würden.

Zur Schande aller ’säkularen’ Fortschrittsgegner gesellen sich nun unsere lieben Erzkatholiken zu den Forschungsverhinderern.2

Bischof Heinz Josef Algermissen könnte glatt Jean Zieglers Zwillingsbruder sein. Auch Algermissen sieht die Weststaaten eine “Todesstrategie des Aushungerns der Armen” vollziehen. Darüber hinaus seien wir süchtig nach Leben und versuchten, auf eigene Faust dem Tod zu entkommen. Statt Gott um Gnade zu flehen.

Bischof Wolfgang Huber sagt es noch deutlicher: “Manche denken, zur Überwindung des Todes seien wir nicht auf Gott angewiesen, der moderne Mensch könne das selber.” Des weiteren bezeichnet er die forschenden Mediziner als “Phantasten, die meinen, der medizinische Fortschritt werde eines Tages den Tod überwinden.” Ach bitte, als ob es je einen seriösen Wissenschaftler gegeben hätte, der die Unsterblichkeit angestrebt hätte. Dem Herrn Bischof scheint nicht bewusst zu sein, dass selbst unser Universum endlich ist. Nein, was mit der regenerativen Medizin angestrebt wird, ist ein möglichst langes, beschwerdefreies Leben. Lang deshalb, weil es nicht das geringste Anzeichen dafür gibt, dass nach dem Tod etwas folgen wird. Und wenn ich nur ein Leben habe, dann will ich nicht schon mit fünfzig zu Grabe getragen werden.

Erzbischof Reinhard Marx, von dem erst kürzlich hier die Rede war, fordert die Christen allesamt zum Missionieren auf und gibt sich so als vehementer Gegner des Liberalismus zu erkennen. Daneben scheint der bischöfliche Absolutheitsanspruch bei ihm ausserordentlich stark ausgeprägt zu sein. Lustig wird es, wenn er selig glaubend zum Zölibat aufruft: “Es geht da nicht um ein ‘mittelalterliches’ Gebot, das sich die katholische Kirche einfach ausgedacht hat, sondern darum, die Lebensweise Jesu als Berufung zu leben.” Natürlich, Jesus’ Enthaltsamkeit ist historisch hinreichend mit Fakten belegt.

Lächerlich wird es, wenn der treue Hirte zum Wirtschaftsgeschehen, besonders der Hypothekenkrise, Stellung nimmt: “Ein erster Schock war schon das Platzen der Internetblase im Jahr 2000, als selbst seriöse Banken die Leute unter dem Banner der Gier zum Aktienkauf getrieben haben” Der böse Kapitalismus, der uns einen hohen Lebensstandard gebracht hat, ist ganz und gar unmoralisch. Das wusste der Herr Ziegler allerdings schon vor zehn Jahren.

Besser wird’s auch nicht, wenn der Papst die Welt zum Frieden aufruft.3 Vergisst er dabei doch, dass er persönlich für hunderte AIDS-Toten verantwortlich ist. Aber wir wissen ja: Die Heiligen war immer schon die Scheinheiligsten.

  1. Non Phixion - Futurama []
  2. spiegel - Bischof ruft zum Kampf gegen die “Todesproduktion” auf []
  3. spiegel - Papst fordert Frieden für den Nahen Osten und Tibet []






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6 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiUnsere Kultur des Todes ist nichts für ErzkatholikenPubliziert am 25. March 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Jochen Hoff

    Die sogenannte “christliche” Religion braucht den gebeugten, versklavten und kranken Menschen um ihn mit einem Platz im Paradies von seinem irdischen Jammertal abzulenken. Alles was das Leben auf der Erde verbessert, Gerechtigkeit oder Gesundheit schafft ist Teufelswerk, weil es ja die Grundlage der Erlösung, nämlich die Not aufhebt.

    Wer braucht Erlösung wenn er keine Not leidet. Es geht um deren Geschäftsmodell.

  3. Tony

    glaube die gleichstellung von wachstum=teufelswerk wird sowieso in den meisten religionen viel zu überbewertet.

  4. Benjamin B.

    @Jochen: Reichlich perverses Geschäftsmodell.

    @Tony: Wie meinst du “überbewertet”?

  5. Der Servicedeskmanager

    Naja. Ganz so dramatisch sehe ich es nun auch wieder nicht. Ich find die Forderungen natürlich reichlich grenzwertig, aber es muss doch auch nicht jeder mit machen. Steht doch jedem frei, die Katholiken zu ignorieren. Praktischen Einfluss hat doch die Kirche eh nicht wirklich auf unsere Gesellschaft. Und hin und wieder mal so ein erhobener Zeigefinger (auch wenn es vielleicht ein scheinheiliger ist) schadet der Gesellschaft, in der wir leben, auch nicht.

  6. Benjamin B.

    Klar, in einem liberalen Staate kann man fordern, was man will und ignorieren, was man will.

    Ein erhobener Zeigefinger schadet nicht? In manchen Belangen tut uns eine kleine Rüge gut, da hast du Recht. In anderen Belangen kann diese moralische Gewalt Leben kosten.




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