United Nations of Scheinheiligkeit

Brasilien fragte, welche Schritte die Schweiz zur Bekämpfung von Rassismus unternehme. Guatemala meinte, Rassismus sei ein Problem in der Schweiz, weil er auch durch Kampagnen gewisser politischer Parteien geschürt werde. Der russische Vertreter wollte wissen, wie es zu erklären sei, dass Parteien mit offen rassistischer Haltung zugelassen seien, obwohl die Schweiz Rassismus bekämpfe. Côte d’Ivoire beklagte, in einigen Kantonen würden DNA-Tests gemacht, wenn Afrikaner eine Familienzusammenführung beantragten. Marokko erklärte sich besorgt darüber, dass Muslime diskriminiert werden. Für die Philippinen muss die Schweiz die positiven Aspekte der Migration fördern, so etwa den Beitrag der Ausländer zur Wirtschaft. Grossbritannien kritisierte die Diskriminierung von Ausländern, die aus Ländern ausserhalb Europas stammen. Kritisiert wurden auch Gewaltanwendung von Polizisten sowie das Nichteintreten auf Asylanträge, wenn Asylsuchende über keine Papiere verfügen. Belgien, Finnland, Norwegen und Kanada schliesslich wollten wissen, wie die Schweiz die Einhaltung internationaler Abkommen gewährleisten wolle, sollte im Juni die Einbürgerungs-Initiative angenommen werden, die keine Rekursmöglichkeit vorsehe.
[...]
Kritisiert wurde weiter eine fehlende Definition von Folter. Grossbritannien forderte die Ratifikation eines Zusatzprotokolls der Antifolterkonvention, das unangemeldete Gefängnisbesuche erlaubt. Japan, Portugal, Rumänien und weitere Länder monierten, dass die Frauen in der Schweiz für gleichwertige Arbeit bis zu 20 Prozent weniger Lohn erhielten als die Männer. Kritisiert wurde auch das mangelnde Verbot von Sklaverei sowie mangelnder Schutz von Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden. Kuba forderte die Schweiz auf, ihre öffentlichen Entwicklungshilfebeiträge von heute 0,4 Prozent des BIP auf 0,7 Prozent aufzustocken und damit zur Einhaltung der Uno-Entwicklungsziele bis 2015 beizutragen. Und Haiti fragte, weshalb es in der Schweiz so viele Waffen gebe, wo doch die Suizidrate vor allem unter Jugendlichen hoch sei.
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Das ist lustig, da können also irgendwelche Staaten frischfröhlich geradezu vorbildliche liberale rechtsstaatliche Demokratien kritisieren?
Na ja, tut weniger weh, als vor der eigenen Tür zu kehren, nicht wahr?

Aber das Märchen der rassistischen SVP, der rassistischen Schäfchenplakate und der rassistischen Einbürgerungsinitiative hat schon weite Kreise gezogen. Erstaunlich weite Kreise… innerhalb der UNO zumindest.
Lustig ist die Elfenbeinküste. Beklagt sich über DNA-Tests. Es besteht ja auch kaum die Gefahr, dass jemand bei Familiennachzügen schummeln würde, nich’?
Dann werden die Muslime diskriminiert? Schön, dass es in Marokko keine Christen- und keine Judenhasser mehr gibt.
Die Schweiz soll ernsthaft auf jeden Asylantrag eintreten, wenn der Asylant keine Papiere hat? Natürlich würde dann kein Asylant auf die Idee kommen, sich seiner Papiere kurzerhand zu entledigen.
Dann natürlich die grassierende Sklaverei in der Schweiz. Wirklich schlimm. Fast schlimmer als unsere folternde Staatssicherheit.
Selbst Haiti kritisert uns. Genauer gesagt, die Unzahl an Waffen, die bei uns herumschwirren. Waffen, mit denen keineswegs andere Leute umgebracht werden, sondern die stets Suizidwerkzeug sind. Natürlich würden Suizidgefährdete sich nicht einfach erhängen, wenn man ihnen die Waffen wegnehmen würde.

Das ist wirklich derb lustig. Quasi ein Prügelspiel für Erwachsene ohne Prügel.
Und wer’s ernst nimmt, der bekommt mit dem Rohrstock eins auf die Finger.

Ach ja, die Kritik an der Schweiz. Na, vielleicht sind ein paar Punkte dabei, über die man nachdenken sollte. Doch den Rest kann man getrost in den Müll werfen. Denn diese verschiedenen Punkte… Manche der Behauptungen stimmen schlicht nicht. Andere wiederum stellen eigentlich keine Kritik dar. Andere Punkte sind einfach nur irrelevant.

Ekelerregend ist hingegen die Scheinheiligkeit, die aus diesem Bericht heraustrieft.

  1. nzz - Nationale Menschenrechtsinstitution gefordert []






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8 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiUnited Nations of ScheinheiligkeitPubliziert am 13. May 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Andreas Kyriacou

    Es ist ja nicht so, dass sich die Weltgemeinschaft gegen die kleine Schweiz verschworen hätte. Diesen periodischen Prüfungen durch den UNO-Menschenrechtsrat haben sich die anderen auch zu unterwerfen. Und dann dürfen auch helvetische Prüfer kritische Fragen stellen und darauf bestehen, dass Berichte über Mängel im Bericht Eingang finden.

    Gerade dadurch, dass auch der Schweiz keine Gefälligkeitsgutachten ausgestellt werden, erhalten Bericht über andere Länder, die sich mit gravierenderen Anklagen abfinden müssen, an Bedeutung und Glaubwürdigkeit.

  3. Benjamin B.

    An sich ist es nicht schlecht. Dass die Mitgliedstaaten periodisch überprüft werden, halte ich sogar für eine wirklich gute Idee.

    Es ist bloss ein wenig amüsant, wenn Länder wie Kuba oder Haiti die Schweiz kritisieren. A la Wein trinken und Wasser predigen.

  4. Boeser Vorhang

    Es stimmt sicher, dass eine gewisse Ironie besteht, nur darf die Schweiz diese Länder genauso gut kritisieren. Nur: Tut sie es? Nein! Dank der helvetiazentrischen Sichtweise der Bevölkerung und der Politiker kümmern wir uns nur um Nonsense-Probleme, zum Beispiel kindische Auseinandersetzungen zwischen Politikern (Couchepin-”Mörgele” oder “Schlumpf”-”SVP”, aber auch der Kokainchristenheini.) Wieso tun wir der Vernunft nicht mal den Gefallen,die fundamentalistischen Länder zu kritisieren, Frau Calmy-Rey? Aber nein, dank einer naiven Sichtweise ist selbst der Iran ganz ganz toll.
    Die Idioten rechts und links sorgen also dafür, dass niemand die Schweiz mehr ernst nehmen will.
    Wo ist die einstige Heimat von Freidenkern hin?

  5. Andreas Kyriacou

    @böser Vorhang
    Abwarten, bis ein anderes Land auf der Trakandenliste steht und die CH Inspektoren mit entsenden darf.

    Eigentlich ist’s ein perfektes Danaergeschenk: Je mehr sich Inspektoren aus Algerien und Co zum Fenster hinauslehnen, desto eher müssen sie sich nachher Kritik von anderen Staaten gefallen lassen.

    Ich find’s essentiell, dass auch sehr undemokratische Staaten ihre Leute abdelegieren können. Erstens kommt so nicht der Vorwurf des Kulturalismus auf und zweitens wird dann vielleicht auch dem einen oder anderen Vertreter aus gewissen Staaten klar, dass nicht alle auf demselben Niveau leiden.

  6. Benjamin B.

    @Andreas:

    Bringt das überhaupt irgend etwas? Unternehmen die kritisierten Staaten jeweils etwas, um diese kritisierten Punkte - falls nötig - zu verbessern?

  7. Andreas Kyriacou

    Bringt das überhaupt irgend etwas? Unternehmen die kritisierten Staaten jeweils etwas, um diese kritisierten Punkte - falls nötig - zu verbessern?

    Das muss sich wohl erst zeigen, schliesslich ist der Menschenrechtsrat ja eine sehr junge Einrichtung. Es gibt sehr wohl gute Gründe, ihn zu kritisieren. Aber die Inspektionen der Mitgliedstaaten würde ich noch nicht verdammen wollen.

  8. Benjamin B.

    Na ja, ich werde mich dann positiv über diesen Rat äussern, wenn er etwas tut, das ich gut finde. Bisher hat er eigentlich nur für Negativschlagzeilen gesorgt. Vielleicht ändert sich das mal. Wer weiss.




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