Über Kussverbote

Das Aargauer Bad Schinznach setzt neuerdings absurde Anstandsregeln fest - darunter ein offizielles Kussverbot: „Das Austauschen von Zärtlichkeiten jeglicher Art ist in allen Bereichen untersagt!“, steht in dicker roter Schrift und mit Ausrufezeichen in der neuen Hausordnung vom Frühjahr 2008. Verstösse gegen das Kussverbot werden vom Personal geahndet.1

Nun, es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Verboten, die der Staat ausspricht und Verboten, die eine Privatperson ausspricht. Hier geht es um letztere. Doch gerade weil ich die Eigentumsrechte des Einzelnen hochhalte und mir jede staatliche Einmischung bezügl. Nutzung von Privateigentum zuwider ist, erlaube ich mir und allen anderen Bürger, sich auch kritisch zu äussern, wenn in Bädern Kussverbote ausgesprochen werden. Nein, ich will nicht, dass der Staat das Kussverbot des Bad Schinznach aufhebt; einen Rückfall ins Mittelalter mag ich aber trotzdem nicht tolerieren. Denn was spricht schon gegen einen Kuss in der Öffentlichkeit? Einzig ein paar Sittenwächter stören sich daran. Sittenwächter, die jeglichen körperlichen Kontakt zwischen verschiedengeschlechtlichen Personen in der Öffentlichkeit unter Strafe setzen möchten. Oder sollte sich eine Gesellschaft des einundzwanzigsten Jahrhunderts Moralvorstellungen, zu deren Begründung eingebildete Freunde und unsichtbare, pinke Einhörner herangezogen werden müssen, unterordnen?

Nun mag es etliche Leute geben, die finden, sobald man öffentliches Küssen erlaubt, würden die Leute sofort damit beginnen, in der Öffentlichkeit zu kopulieren. Diese Leute mögen nicht religiös sein, sind vielleicht sogar Atheisten, ihr Unwohlsein, wenn sie daran denken, dass Leute in einem Schwimmbad oder einem Park Sex haben könnten, hat aber einen religiös-traditionellen Ursprung. Bloss weil wir es nicht gewohnt sind, erröten wir bei der Vorstellung oder schütteln missfallend unseren Kopf. Nicht gewohnt sind wir es, weil wir über ein Jahrtausend unter der christlichen Doktrin leben mussten, die sich tödlich stark ins Privatleben der Menschen eingemischt hat, Sex zur Sünde erklärt hat und generell ein Problem mit Sexualität und nichtplatonischer Liebe hat. Da muss man sich nicht wundern, wenn Leute zusammenzucken, wenn zwei (oder auch drei (Kaum ein Atheist kann sich mit Leichtigkeit von den durch das Christentum geprägten kulturellen Normen lösen. Was der Grund ist, wieso Vielehe immer noch verboten ist und kaum einer das klassische Familienbild in Frage stellt.)) Personen auf einer Parkbank geschlechtliche Liebe betreiben. Objektive Gründe, wieso man sich solchem Verhalten entgegen stellen sollte, mögen mir keine einfallen.

Lassen wir die Leute also in Freiheit leben und sehnen uns nicht das viktorianische Zeitaler zurück.

  1. ig freiheit []






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1 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiÜber KussverbotePubliziert am 7. September 2008 im Blog «DER MISANTHROP»




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