Über die Drogensucht und die Ehe

Die Fremdenpolizei der Stadt Bern hat in den letzten Monaten 33 Scheinehen zwischen afrikanischen Dealern und drogenabhängigen Schweizer Frauen aufgedeckt und die Betroffenen angezeigt. Das bestätigen die zuständigen Behörden. Die Methode der «Ehepartner» ist immer die gleiche: Der Dealer, ein Asylbewerber, gibt der Frau Geld, oft Zehntausende Franken, oder er besorgt ihr gratis «Stoff»; als Gegenleistung heiratet sie ihn, worauf er eine Aufenthaltsbewilligung erhält und der drohenden Ausweisung entgeht.1

Die Empörung wird wieder Wellen schlagen. Die SVP darf wieder punkten und die SP wird was über Integrationsförderung murmeln. In keinem Kommentar wird man die Forderung nach weniger Staat hören. Doch würde sich der Staat nicht in Privatangelegenheiten einmischen und kein Kirchenrecht zu Staatsrecht machen, dann hätte man die Wurzeln des Problems zu Asche verbrannt.

Die Freiheit, mit seinem Körper zu verfahren, wie es einem beliebt, wird beim Drogenkonsum stark eingeschränkt, obwohl dies einzig den Konsumenten etwas angeht. Gewiss, Drogen sind eine schlechte Entscheidung, aber in einem freien Staat darf man auch solche treffen. Und dutzende schlechter Entscheidungen sind nicht verboten. Whisky etwa. Tabak. Skifahren. Lotto spielen. Die richtige Lösung ist nicht etwa, auch diese Dinge zu verbieten, weil jede Entscheidung gut oder schlecht sein kann und einzig der Akteur dies bewerten kann. Die einzige Möglichkeit, die uns übrig bleibt, ist, den Drogenkonsum zu legalisieren und uns somit auch geistig von einem weiteren Dogma zu befreien. Denn das Drogenverbot hat seine Wurzeln im Christentum und dessen ausgeprägtem Vergnügungsverbot. Denn rational kann keiner begreifen, wieso manche Drogen verboten und böse sind, während andere erlaubt und gut sind. Man denke nur an den Messwein.

Eine weitere Folge des Christentums und dessen Dogmen, die stärker in unserem Blut pochen, als man zu denken meint, sind Eheschliessungen. Während ich dafür bin, dass Personen untereinander Verträge abschliessen können, die auch einen gewissen Treueartikel und güterrechtliche Bestimmungen beinhalten, lehne ich strikt ab, dass ebenjene Verträge zu einer Staatsangelegenheit werden und Privilegien daran geknüpft werden. Ehe ist nichts anderes als ein Vertragsabschluss. Einer, der vom Staat geregelt wird, obwohl Verträge zwischen Privatpersonen nur diese etwas angehen. Einer, der noch immer derart stark von der Religion geprägt ist, dass Homosexuelle und Polygame ihn nicht abschliessen dürfen.
Würde man die Ehe abschaffen, so dürfte jedermann heiraten und frei nach seinem Gusto Verträge bezüglich Güterteilung und Erbrecht aufsetzen. Die private Freiheit nähme stark zu und der Staat hätte eine weitere Hürde Richtung Säkulairmus und Laizismus überwunden. Gleichzeitig würden alle Scheinehen nichtig, da jeder Asylbewerber selber ein Gesuch einreichen müsste, das bewilligt werden muss.

Auf eine Legalisierung von Drogen und die Abschaffung der Ehen darf man noch lange warten. Die Dogmen und Ängste, die damit verbunden sind, umhüllen selbst liberale Atheisten wie eine zweite Haut. Ehen sind derart gewöhnlich und selbstverständlich, dass kaum einer erkennt, dass sie Überbleibsel aus theokratischen Zeiten sind, die jegliche Legitimation verloren haben. Drogen werden verdammt, obwohl sie sich teils nicht einmal graduell von legalen, frei erhältlichen Stoffen unterscheiden.

Kaum einer scheint Drogenverbote und das Eherecht zu hinterfragen. Sie sind alltäglicher als ein Müesli am Morgen. Doch das macht sie keineswegs richtig. Es hindert das Gewohnheitstier bloss daran, sie wie die anderen Relikte aus Urzeiten in den Müll zu werfen. Die Todesstrafe befindet sich bereits darin. Der Rechtsunterschied zwischen Mann und Frau ebenfalls. Wann werden die restlichen Überbleibsel folgen?

  1. sonntagszeitung - Asylbewerber: Scheinehen mit Drogensüchtigen []






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1 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiÜber die Drogensucht und die EhePubliziert am 25. August 2008 im Blog «DER MISANTHROP»




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