Laut diskutiert und immer wieder überschätzt: Terrorismus

Unter Terrorismus (von lateinisch terror: „Furcht, Schrecken“) sind Gewalt bzw. Gewaltaktionen (wie z. B.: Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) gegen eine politische Ordnung zu verstehen, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Der Terror dient als Druckmittel und soll vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen.[1] Terrorismus ist keine militärische Strategie, sondern primär eine Kommunikationsstrategie. Terroristen streben zwar nach Veränderungen der bestehenden Ordnung, doch greifen nicht militärisch nach Raum (wie z. B. der Guerillero), sondern wollen das Denken besetzen.

Wenn man bedenkt, dass unsere Kultur seit ihrem Beginn mit Terrorismus in den vielfältigsten Forme leben muss - man denke nur schon mal an die Zeloten und Sikarier - könnte man annehmen, wir hätten im Laufe der Zeit so etwas wie Gegenstrategien entwickelt, oder wenigstens damit umzugehen gelernt und begriffen, dass man Terrorismus zwar bekämpfen kann, er aber in der einen oder anderen Form immer wieder auftaucht.

Doch weit gefehlt, wir benehmen uns so, als hätten wir den Terrorismus erfunden. Als wären wir die erste Generation, die so etwas erlebt. Es wurde geflucht, als hätte ein verhutzeltes Göttchen mindestens drei der zehn biblichen Plagen auf die Erde hernieder gesandt.

Terrorismus ist schlimm, und es betrübt mich, wenn solcher Fundamentalismus Europa mitten ins Herz trifft. Todesopfer sind natürlich immer inakzeptabel.
Jedoch darf man nicht vergessen, dass die tatsächlichen Auswirkungen des Terrorismus zumeist sehr gering sind. Die psychologischen dafür umso grösser. Und auf die zielt der Terrorismus ab.
Die Hysterie, die durch 9/11 ausgelöst wurde, war genau das, wonach die Attentäter, resp. deren Hintermänner gelechzt haben. Und wir, leichtgläubig und ins innerste Mark getroffen, haben ihenn die Aufmerksamkeit und den Tumult praktisch Minuten bis Stunden später nach Hause getragen und noch eine Schachtel aufgewühlter, verängstigter Pralinen mitgegeben.

Es erstaunt mich einfach, wie stark diese Anschläge unsere Nationen spalten und entzweien konnten. Auf der einen Seite sah man unbegründete Selbstanklagen und naive Schönrederei, auf der anderen Seite erblickte man lächerliche Forderungen nach einem Dritten Weltkrieg und rassistische Wortspielereien. Dass sich beide Fronten gegenseitig aufgewiegelt haben, hat mich nicht weiter überrascht.

Dass man sich heute, sechs Jahre nach 9/11 noch immer hinter Dogmas verkriecht - man denke nur einmal an den Wahlspruch “wipe Iran off the map” oder an das Feindbild Amerika - und über das Problem Terrorismus immer noch nicht sachlich und lösungsorientiert sprechen kann, dafür umso mehr.

Doch vermutlich bin ich bloss zu wenig fundamentalistisch, um ein halbwegs angenehmes Leben führen zu können. Wie schön wäre es denn auch, wenn ich mich gediegen zurück lehnen könnte, eine klar umrissene Personengruppe zu meinem Feind erklären könnte, mich zu Bratwurst und Bier fürchterlich über eben diese aufregen dürfte und auf keinen Fall nachdenken müsste. Doch so bin ich nicht. Und sich selbst verarschen können andere. Ich mag nicht.

Nun, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass über die kleinsten Probleme stets am meisten gesprochen wird, geh’ ich jetzt im Medizinschränkchen nach meinen Medikamenten suchen. Die nachtgrauen Pillen, wo Zynismus drauf steht.







Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)
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