Those crazy bastards

Man nennt es Geisteskrankheit, wenn’s bloss eine Person betrifft, verfallen mehrere Personen im Kollektiv dem Wahnsinn, so nennt sich das Ganze dann Religion (wahlweise auch Politik, UFO-Forschung, Esoterik oder Horoskope). Es ist beinahe schon erstaunlich, wie viele Leute sich solchen Schwachsinn wie The Next Uri Geller reinziehen. Traurig wird es dann, wenn man sieht, wie viele Leute nicht bloss nichts anderes zu tun haben, sondern effektiv an diesen Humbug glauben. Diese abscheuliche Verblödung schraubt sich jetzt noch eine Stufe höher: Uri Geller will mit seinen telepathischen Fähigkeiten Kontakt mit Ausserirdischen aufnehmen.1 Und vermutlich meint er damit nicht, dass er zur ISS telefonieren will. Es ist so komplett bescheuert. “Uri Geller live - Ufos & Aliens: Das unglaubliche TV-Experiment” nennt sich die Tragödie. Um noch mehr Leute in den puren Aberglauben zu locken, dürfen die Zuschauer ET sogar eine Nachricht schicken und ihm um Hilfe fragen. (UFOs = Engel 2.0?) Was sehr plumper Betrug ist. Denn es geschieht nichts mehr, als dass diese Botschaften in eine elektromagnetische Welle umgewandelt werden, die von einem Radioteleskop in den Weltraum gesendet wird. Punktförmig natürlich. Die Chance, dass dieses Signal überhaupt einmal auf einen Planeten auftreffen wird, ist schon verächtlich gering. Dass dieser Planet in relativer Nähe zu uns liegt, von intelligentem Leben bewohnt ist, das fähig und gewillt ist, unsere Nachrichten zu entschlüsseln und zurückzuschreiben, hat dieselbe Wahrscheinlichkeit, wie vom Empire State Building zu springen und sich nicht einmal den Knöchel zu stauchen.

Wenn derartiger Schwachsinn so beliebt ist und ohne jegliche Skepsis eingesogen wird, dann wundert’s mich auch nicht, dass die Nationen dieser Welt in einem so miserablen Zustand sind. Dann wundert mich ehrlich gesagt überhaupt nichts mehr.

  1. NUB - Geller sucht ET []



Uri Geller und höllische Löffelbieger

STANDARD: Warum hängen so viele Leute in einer technologisch-wissenschaftlich dominierten Gesellschaft noch immer am Übersinnlichen?

Randi: Viele Leute sind nicht gebildet genug. Das hat auch mit dem Familienhintergrund zu tun. Menschen, denen von Kindesalter an beigebracht wurde, an Engel und Teufel, an Himmel und Hölle zu glauben, werden die Welt kaum auf rationale Weise betrachten. Ich denke, das ist eine absolut schädliche Art, über die Welt nachzudenken. Beweise sprechen für sich. Glauben bedeutet nichts

STANDARD: Für Sie ist Religion vergleichbar mit telekinetischem Löffelverbiegen

Randi: Oh ja, da gibt es exakte Parallelen. Für beides gibt es keinen Beweis, und trotzdem ist der Glaube daran weit verbreitet. Es gelingt nie, einen echten Gläubigen davon zu überzeugen, dass er falsch liegt.

STANDARD: Tendieren Menschen deshalb zur Irrationalität, weil sie Wissenschaft als kalt und emotionsleer ablehnen?

Randi: Ja, das ist tatsächlich so. Viele Leute sagen zu mir: “Wissenschaft weiß nicht alles!” Das zeigt, dass sie eine sehr schlechte Vorstellung davon haben, worum es in der Wissenschaft überhaupt geht. Wissenschaft behauptet nicht, alles zu wissen. Wissenschaft behauptet nicht einmal, irgendetwas mit absoluter Sicherheit zu wissen. Wissenschaft trifft nur Aussagen über die Welt, die durch Beobachtung und Experimente untersucht werden, um die Wahrheit zu entdecken. Aber diese Aussagen sind immer Veränderungen unterworfen. Viele Leute da draußen mögen das nicht. Sie haben lieber ihre fantastischen Vorstellungen, weil sie sich damit wohler fühlen. Für viele Leute ist Nachdenken sehr schmerzhaft.1

hat tip to eso blog

  1. standard.at - Über die Gefahr, sich auf Übersinnliches zu verlassen: James Randi im Gespräch []



Berner Regierung gegen Kreationisten

Nächste Woche wird das Berner Parlament eine Motion von EDU-Grossrat Erwin Brun behandeln, dieser fordert, dass die Schulen die christliche Schöpfungslehre als Alternative zur Evolutionstheorie lehren. Aller Voraussicht nach wird die Motion jedoch abgeschmettert.

Die Kreationisten- und Intelligent Design-Bewegung fasst in der Schweiz glücklicherweise kaum Fuss. Obwohl auch bei Schweizern der Aberglaube noch zum Alltag gehört.

Der Kreationisten-Verbund Pro Genesis hat gerade mal 600 Mitglieder, deren Gründer Gian Luca Carigiet ist enttäuscht darob, dass er keine Massenbewegung initiieren konnte.

“Die Evolutionstheorie ist für Carigiet eine Weltanschauung  und zwar eine atheistische: «Ein Atheist, der Gott ablehnt, muss die Entstehung der Welt anders erklären können als durch einen Gott.» Und weil man die Evolutionstheorie nicht beweisen könne, sei sie kein Faktum, sondern bestenfalls eine Möglichkeit. Umgekehrt ist Gott für Carigiet keine Möglichkeit, sondern ein Faktum. Darum habe der Schöpfergott nichts mit Religion, sondern mit Tatsachen zu tun. Folglich gehöre die Schöpfungslehre in den Biologieunterricht und nicht in den Religionsunterricht, sagt Carigiet, der vor Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten ist und sich als nicht religiös, aber gläubig bezeichnet.”1

Ich frage mich immer, wenn ich solche Leute wie Carigiet höre, was da schief gelaufen ist. Wurde er als kleines Kind von seinen Eltern indoktriniert? Hat ihn eine Freikirche mit Tanz und Gesang angelockt und ihm ganz subtil Kreationismus untergejubelt? Oder hat die Schweizer Bildungspolitik versagt? Müssen wir die Schulen tadeln?

Manchmal, wenn ich so gemütlich in meine Gymnasium sitze und Mitschüler plaudern höre, über Sternendeuterei oder Krähenflüsterer, dann erschrickt mich deren lückenhafte Allgemeinbildung geradezu. Kaum einer scheint im Stande, sich astronomische Konstellationen und Dimensionen vorzustellen. Kaum einer kennt die Taschenspielertricks eines Uri Gellers.

Schule, was ist bloss mit dir los?

  1. tagesanzeiger - Evolutionskritiker auf verlorenem Posten []