In Brasilien ist eine der letzten Indianergruppen gesichtet worden, die ohne jeden Kontakt zur westlichen Zivilisation lebt.1
Eben.
Das Echo auf diese Meldung ist enorm gross. Keiner ist sich zu fein, ein paar Zeilen dazu zu schreiben. Und zwar nicht etwa, weil es überraschend ist, einen Indiostamm zu entdecken, den man bisher noch nicht kannte. Man würde ja gemeinhin annehmen, was auf der Erde kriecht und grösser als eine Hausmaus ist würde man alles kennen.
Der Mythos des “edlen Wilden” taucht einmal mehr auf. Der “bessere” Mensch. Der Übermensch ist plötzlich wieder entdeckt. Das einzige Volk, das “richtig” lebt. Und es will geschützt werden. Man schottet es ab, nicht einmal Flugzeuge sollen mehr drüber fliegen dürfen. Purste Naturromantik. Dann kommt noch ziemlich viel Esoterik mit hinein. Nebst heidnischem Paganismus und einem Schuss Gaia-Hypothese.
Das ist eine ungesunde Mischung. Doch anhand dieses Beispiels erkennt man faszinierend gut, wie unbeliebt die Zivilisation ist. Oft nicht im alltäglichen Leben, aber im Kopf drin. (Auf die Zahnbürste, die Cornflakes und die Tampons zu verzichten, wäre dann doch etwas zu ungenehm. Was auch der Grund ist, wieso all diese Zivilisationskritiker nicht schon längst im Flieger nach Sibirien, Kongo oder Bangladesh sitzen. - Allerdings ist Zivilisationskritik durchaus tödlich, wenn man die aktuelle Masernepidemie bedenkt.)
Und jetzt - man will ja das Beste für die Übermenschen - mag man ihnen nicht einmal die Zivilisation gönnen. Keine Frage, dass man sie ihnen nicht aufzwingen darf - das ist eine zwingende Folge des Liberalismus - aber sie ihnen mit allen Mitteln vorzuenthalten, ist doch ein wenig heuchlerisch bis sadistisch. Besonders, weil sie niemand gefragt hat, was sie wollen. Vielleicht möchten sie ja eigentlich durchaus Zugang zu medizinischer Versorgung, Schulbildung und sauberem Wasser.
Aber gut, lassen wir die Leute dort an Malaria leiden. Karies soll ja auch ganz amüsant sein. Abgesehen davon, dass man sich mal das Bein aufschürft, notdürftig ein paar Kräuter in die Wunde schmeisst, am nächsten Morgen eine Fliege Eier drin legt, man in nächster Zukunft dann den weissen Maden beim Essen zuschauen kann, bis schliesslich die Blutvergiftung da ist oder das Bein ganz einfach amputiert wird.
Mehr Zivilisationslob gibt’s zu finden bei Yaab und Ali.
Zivilisationskritik - gewürzt mit Verschwörungstheorien - beim politblog.
Venezuela findet die Simpsons also unangebracht für Kinder.
“The governmental regulatory agency didn’t specify which elements of the program were deemed offensive, but said showing the animated cartoon series at that hour could violate national regulations prohibiting “messages that go against the whole education of boys, girls and adolescents.”
Guillen said it is up to Televen’s management whether “The Simpsons” may be shown at another time of day.”1
Daran, dass die Simpsons aus dem Vormittagsprogramm gestrichen wurden, um sie mit Baywatch zu ersetzen, sieht man, dass es nicht wirklich um die Kinder geht. Auch nicht um dekadente Einflüsse, Pamela Andersons grossbusiges Erscheinungsbild steht in Venezuelas Augen wohl genauso für den Teufel Amerika wie eine Zeichentrickserie. Obwohl die gelangweilten Kiddies wohl durchaus ihre Freude an Pamela haben dürften. Und auch der eine oder andere Grossvater, der die Kindchen beaufsichtigen muss.
Vielmehr dürfte es um Politik gehen. Die Simpsons sind zutiefst politisch. Meist sehr subtil, aber die urliberale Einstellung der Macher spürt man immer. Neben ihrer Art, alles mögliche auf die Schippe zu nehmen.
Ja, die Simpsons sind liberal und deshalb wurden sie aus dem Programm gekippt. Soweit ich es in Erinnerung habe, gibt es etliche Spitzen gegen die südamerikanische Sozialistische Internationale. Kommunisten und andere Diktatorenschweine wurden zur Genüge verulkt. Das gefällt einem Diktator natürlich nicht. Das tumbe Volk könnte ja noch auf die Idee kommen, dass der Kommunismus tatsächlich nichts Gutes ist.
Ja, die Simpsons machen Chavez, dessen Plan es ist, ein jedes Kind von Geburt an geistig im Kommunismus zu baden und es eine totale Indoktrination erfahren zu lassen, einen Strich durch die Rechnung. Das Kind könnte ja zu denken beginnen, wenn es die Simpsons sieht.
Deshalb mussten sie verschwinden. Weil sie an den kommunistischen Festen zu rütteln wagten.
Es ist ja gottsjämmerlich traurig. Ein Land, in dem keine Simpsons ausgestrahlt werden. Was soll da noch lebenswert sein?
(Natürlich entlarven sich die Kommunisten einmal mehr. Doch die europäische Sozialistische Internationale wird dem Chavez immer noch aus der Hand fressen. Traurig, doch die lassen sich durch nichts erschüttern. Wer nur genug laut gegen den Kapitalismus und die USA und am besten auch noch westliche Werte und andere faschistische Dinger hetzt, ist deren Freund. Traurig. Echt traurig.)