Graffiti. Man sieht sie an Eisenbahnwaggons, öd grauen Lärmschutzwällen und an verlassenen Industriekomplexen.
Manche finden sie schön. Manche nur die aufwändigen, künstlerisch anspruchsvollen. Andere empfinden den simpelsten hingekritzelten Satz auf einem Stück graue Mauer als ästhetisch wertvoll. Es gibt auch Leute, denen sind jegliche Graffiti ein Dorn im Auge. Wie könne man derart abscheuliche Hässlichkeiten bloss schön finden, meinen die.
Geschmäcker sind verschieden. Und wandeln sich mitsamt der Kultur, in die sie eingebettet sind. Der eine oder der andere Schönheitssinn lässt sich nur aus der subjektiven Warte verurteilen. Objektiv ist weder das eine ästhetische Empfinden wertvoller, noch der andere moralisch verwerflich. / Meinungen sind Meinungen und als solche subjektiv. Egal, ob es um Goldketten, Graffiti, Politik oder Kannibalismus geht. / Ausleben darf man seine Vorlieben und Weltbilder trotzdem nur dann, wenn man dabei keine Gesetze bricht. Im Idealfall sind diese Gesetze vernünftig und humanistisch-liberal. Zelebriert man seine Neigungen und verursacht beim Gegenüber bloss Augenkrebs, dann ist das okay. Verletzt man die Rechte des andern, dann muss man eine strafrechtliche Verfolgung akzeptieren können.
Ist man nicht gerade Bolschewist oder Anarchist, dann freut man sich darüber, dass hierzulande das persönliche Eigentum geschützt ist.
Sprüht man Graffiti an fremde Wände, dann missachtet man dreist und frivol dieses Grundrecht. Mit fremdem Eigentum zu spielen und es nach eigenem Gutdünken umzugestalten, ist und gehört verboten. Alles andere wäre unsinnig.
Ein kleines Beispiel: “Ich persönlich finde Gartenzwerge absolut scheusslich. Dafür mag ich weite, mattschwarze Asphaltflächen. Bloss in unserem Dorf, da gibt es diese alte Dame. Etwas hochnäsig zwar, aber die Himbeeren in ihrem Garten sind ganz lecker. Ihr Garten, ja der ist voll von Gartenzwergen und Gartenelchen und Gartenelfchen. Ein Beleidigung für mein Auge. Letzthin war das Muttchen in den Ferien. Gran Canaria oder so. Da nutzte ich die Gelegenheit, schmiss die Plastikfiguren in den Müll und teerte den Vorgarten. Jetzt sieht’s wieder anständig aus in ihrem Garten. Und wer könnte schon etwas dagegen haben, dass ich das Antlitz unseres Dorfes etwas verschönert habe?”
Leute, die Gartenzwerge mögen zum Beispiel. Und ich vermute jetzt ganz stark, dass obige fiktive Tat praktisch all jene verurteilen würden, die eine Generalamnestie für alle Sprayer möchten. Obwohl die zwei zentralen Aspekte bei beiden Untaten dieselben sind:
- Missachtung des Eigentumsrecht.
- Die Dreistigkeit, den eigenen Geschmack über den anderer zu stellen.
Ha ha.
Beinahe überkommt mich ein hysterisches Lachen, wenn ich den Bloggern, Kommentierern, Journalisten und Zivilisten dabei zuschaue, wie sie sich über das Stimmrecht 16 aufregen mögen. Beachte: Es existiert bisher bloss im Glarus.
Doch die Unmut in der Bevölkerung ist gross. Ein paar Rechte fürchten gar Stimmverluste, weil die Jungen tendenziell linker stimmen würden. Wahrscheinlich fürchten sie gar zu Recht.
Doch was machen die paar Hundert Stimmen mehr oder weniger schon aus?
Ziemlich nicht. Und hier setzt die zweite grosse Entrüstung ein. Weil nur wenige Jugendliche stimmen gehen würden, sollte man allen das Stimmrecht entziehen. Klingt lächerlich. Ein weiterer Rückgang der Stimmbeteiligung wird befürchtet. Dabei sänke bloss die relative Beteiligung, die absoluten Zahlen würden ziemlich gleich bleiben. Es ist mir auch unklar, wie man sich darüber derart aufregen mag. Aber jedem das seine.
Wie sagt man so schön, jedem Volk die Regierung, die es verdient. In einer Demokratie ist das tatsächlich so. Und wer sein Wahlrecht nicht wahrnimmt, der bekommt halt irgendwas vor die Nase gesetzt. Einen Wählenden hat das nicht zu kümmern. Ausser die Wahlergebnisse würden die Volksmeinung tatsächlich nicht repräsentieren.
Vielleicht sollte man auch Babys wählen lassen, das wäre nur fair. Schliesslich formen die Politiker von heute die Zukunft von morgen. So Scheisse das klingen mag, es is’ so.
Lachen tu’ ich auch gerne und oft über den Begriff ‘objektive Meinung’.
Ein Widerspruch in sich, eine Kontradiktion. Wie schön.
Manche scheinen beim Denken zu vergessen, dass eine Meinung immer subjektiv ist, und Politik sowieso, da es kaum einen gibt, der ausserhalb seiner Glaubensprinzipen agiert. Ein jeder hat halt sein Weltbild, was nicht da hinein passt, wird bekämpft. In der Politik wie im Alltag genau gleich.
Wer ist auch schon fähig, nach objektiven Grundsätzen zu agieren. Ein jeder will zwar das Beste, doch selbst die Frage, was das Beste ist, kann man nicht beantworten, da das Beste das Beste für sich, für seine Nation, für die ganze Menschheit sein kann. Das eine ist nicht richtiger als das andere, es liegen nur jeweils andere Ansichten zugrunde.
Und für einen Ältestenrat, der die Geschicke der Welt lenkt, sind sowieso alle. Obwohl ich dafür wäre, dass man das Beste als “eine Politik zu führen, die für möglichst langfristige Stabilität und grösstmögliche Zufriedenheit sorgt, was wahrscheinlich dann der Fall ist, wenn keine Unterdrückung herrscht, die persönliche Freiheit respektiert wird, die freie Meinungsäusserung in keinem Fall beschnitten wird und kein Unmut durch Armut, Krankheit oder Disrespekt entstehen kann.” definiert und dies mit Hilfe der Polit- und Wirtschaftswissenschaften auszuführen sucht. Und dies objektiv, was auch bedeutet, dass Studien auch wissenschaftlich aussagekräftig sein sollten und nicht gefälscht werden oder bloss ein Weltbild wiedergeben.
So könnte man vielleicht tatsächlich die ‘beste aller möglichen Welten’ kreieren.
Bleibt nur zu sagen, es scheint eine Gewissheit zu sein, dass die darwinistischen Gesetze und die Torheit des Menschen nicht auszuhebeln sind.