Wider den Raubtierstaat

Ich geniesse es richtig, dieses Interview mit Franz Konz, dem Autor mehrerer Bücher, die Steuertipps und Steuerschlupflöcher beinhalten:

Konz: [...] Der Staat ist zum Räuber geworden, der die Menschen arm macht und auspresst. Ich aber habe dazu beigetragen, dem kleinen Mann ein bisschen Steuerbefriedigung zu verschaffen. Der sollte auch mal Freude daran haben, dass er dem Finanzamt ein paar hundert Euro abquetschen konnte.
[...]
Konz: Jeder soll gleichmäßig besteuert werden: zehn Prozent. Wenn wir den Millionären und Milliardären mehr übrig lassen, werden die auch mehr investieren oder für soziale Zwecke ausgeben.

SZ: Dann haben Sie auch Verständnis für Deutsche wie den Ex-Rennfahrer Michael Schumacher, der in der Schweiz Steuern minimiert.

Konz: Das größte Verständnis.

SZ: Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.

Konz: Ich habe kein Verständnis für Heuchler. Sie heucheln, lassen Sie sich das gesagt sein. (Er klopft energisch auf den Tisch.) Sie würden auch in die Schweiz ziehen, wenn Sie anstelle von Michael Schumacher wären. 1

hat tip to paxx

  1. sueddeutsche - “Die Finanzbeamtenquälen uns” []



Steuerbefreiung der Kirche und andere Wirrnisse

Kirchen sind in der Schweiz steuerbefreit, jedenfalls bis zu einem gewissen Grade. Vermutlich sind kleine Glaubensgemeinschaften nicht steuerbefreit - Scientology wohl eher nicht, obwohl es genauso eine religiöse Gruppierung darstellt wie die katholische Kirche. Aber wer alt und etabliert ist, der geniesst halt gewisse Vorrechte, auch wenn sich diese weder begründen lassen, noch irgendeinen Sinn machen würden.

Gemeinnützige Organisationen von den Steuern zu befreien, ist vermutlich eine gute Sache. Doch eine Religionsgemeinschaft ist bloss eine Gruppe Leute, die an denselben Gott - oder an dieselben Aliens - glauben. Sicherlich macht man denen einen Gefallen, wenn sie keine Steuern zahlen müssen. Doch um Gefälligkeiten sollte es nicht gehen. Wenn diese oder jene Kirche einen gemeinnützigen Arm hat, dann kann man diesen von den Steuern befreien, nicht aber der ganze unheimliche Apparat dahinter. Insbesondere, da sich die katholische Kirche nicht über Geldmangel beklagen muss. Der Papst und seine weissesten Schäfchen jedenfalls nicht. So war es, und so ist es immer noch.

Dann könnte man noch die Frage anschneiden, wieso für die Kirche mancherorts (in diesem Fall Australien) nicht dieselben Bedingungen gelten wie für ein beliebiges anderes Unternehmen. Oder könnte die UBS (oder ein grösseres australisches Unternehmen) ihren Angestellten vorschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben? Nein. Das gäbe einen (inter)nationalen Aufschrei, und allerhand Leute würden wieder gegen diese bösen Neoliberalen fluchen - ohne zu merken, dass die so beliebte moralische Instanz namens Kirche mit ihren Angestellten verfahren darf, wie sie gerade will. Ohne Proteste. “Weil das ist halt deren Glaube und so.” Wie wäre es - bloss so als kleiner Wachrüttler - wenn eine bekannte Unternehmung sich irgendeinem Aberglauben (inklusive strenger Moral und scharfer Sittengesetze) unterordnen würde, und Angestellte freistellen würde, wenn diese einen Fehltritt wagten?

Mit anderen Worten:

Some may even be thinking at this time that having to pay taxes would be a form of discrimination against religious organisations. But how is it discrimination if they have to simply follow the same rules and laws as everyone else? Businesses have to pay tax; citizens have to pay tax and so on. Yet religious organisations have somehow achieved a privileged status, one which does not create any clear tangible benefit for society (such as charitable or educational groups create).1

  1. Matt’s Notepad - So what is the problem with religious beliefs? []



Unternehmenssteuerreform aus ordnungspolitischer Sicht

Die Unternehmenssteuerreform aus ordnungspolitischer Sicht beurteilt. Mit diversen weiterführenden Links. Und nun habe ich endgültig keine Ahnung mehr, ob ich bei der Abstimmung ein Ja oder ein Nein einlegen soll ~ Unternehmenssteuerreform II: Das Dilemma