Nebst Rauchverboten, Offroaderinitiativen, Fettsteuern, Killergameverboten und Abtreibungsverboten ist die Lichtverschmutzung ein beliebtes Thema, um sich aufregen zu können und nach Vater, Mutter und Onkel Staat zu rufen.
Wieso? Weil manche finden, in der Nacht müsse es stockdunkel sein und es sei einfach nicht richtig, wenn man in der Nacht legal einen Skybeamer auf den nackten Himmel richten kann. Zwar symbolisiert die hell strahlende Nacht gerade den technischen Fortschritt und mit Naturromantik Verbote abzusegnen geht immer schief, aber ein Verbot von Skybeamern klopft trotzdem schon an unsere Haustüre.
Welche Gründe sprechen für ein Lichtverschmutzungsverbot und welche dagegen?
- Es gibt Leute, die es mögen, wenn es in der Nacht zappenduster ist.
Diese Leute in Ehren, aber es gibt auch viele, die ihre Freude an einer lichterhellen Nacht haben.
- Sternwarten und Astronomen leiden darunter, weil sie die Sterne nicht mehr so gut sehen.
Soweit ich Ahnung von diesem Thema habe, glaube ich, dass 08/15-Sternwarten kaum etwas zum Menschheitswissen beitragen. Sie können gewiss viel Wissen weitergeben und dies auf sehr anschauliche Art und Weise, aber das sollte auch in einer hellen Nacht möglich sein. Dazu gibt es viele verstecktte Winkel in Mitteleuropa, so dass man zwar ein paar dutzend bis hundert Kilometer fahren muss, aber dann tiefschwarze Nacht vor sich hat. Die ganz Angefressenen haben auch immer noch amerikanische Salzwüsten, um ihrem Hobby zu frönen.
Aber grundsätzlich sind die Interessen von Astronomen nicht höher zu bewerten als die Interessen von Nachtmenschen.
- Lichtinstallationen sind überflüssig.
Alles, was nicht dem unmittelbaren Überleben dient, ist überflüssig. Kekse genauso wie Blogs und Dahlien im Garten.
- Zugvögel kommen vom Kurs ab, Insekten verbrennen und Fledermäuse finden keine Nahrung.
Mein tiefstes Mitgefühl mit diesen Tieren. Ehrlich. Dies ist das einzige Argument, das in der ganzen Lichtverschmutzungsdiskussion Gewicht hat.
Aber ich weiss es schlicht nicht. Ich weiss nicht, wie gravierend Skybeamer für nachtaktive Tiere sind. Ich weiss nicht einmal, ob es hierzu irgendwelche grösseren Studien gibt.
Allerdings sind sehr viele menschliche Taten schlussendlich indirekt tödlich für dutzende, hunderte Tiere. Jedes Haus, jede Strasse raubt einem anderen Lebewesen Lebensraum. Ein zwischenartlicher Kampf, der ganz natürlich ist und überall vorkommt, wo sich verschiedene Spezies oder Individuen treffen, dadurch aber nicht legitimiert wird.
Aber wenn es der Fall ist, dass ein Haus mehr Tieren das Leben kostet als ein Skybeamer, dann sollte man nachdenken. Auch darüber, wie verwerflich indirekte Auswirkungen einer Handlung sind und sein können.
- …welches Bedürfnis schwerer wiegt: Das des Unternehmers, für seinen wirtschaftlichen Erfolg einen möglichst großen Werbeerfolg zu erzielen – oder dass der Allgemeinheit auf eine ruhige und dunkle Nacht?1
Dieses Argument ist sehr gefährlich, denn es impliziert, dass überall wo eine Mehrheit sich durch die Taten einer Minderheit gestört fühlt, die Majorität ein Verbot erlassen darf, resp. soll. Dies ist aber das Gegenteil einer freiheitlichen, individualistischen Gesellschaft. Hier muss man sich entscheiden: Wählt man die Freiheit oder die Diktatur der Mehrheit. Entweder verzichtet man auf persönliche Freiheiten, dafür kann man die Freiheit der andern einschränken oder man liebt seine Freiheit und gesteht diese auch andern zu.
Dvizard hat dies sehr gut formuliert und ihn möchte ich hier in voller Länge zitieren:
Das Schlimme ist ja gerade, dass jeder zu vielen Mehrheiten gehört, aber immer auch zu einigen Minderheiten - und der vertragsphilosophische Sinn der Freiheit (unter anderem) gerade der ist, dass man jeweils anderen Minderheiten ihre Freiheit lässt, aber dafür im Gegenzug die Freiheit beanspruchen darf, wo man selber in der Minderheit ist. Was momentan passiert, ist, dass Punkt für Punkt in einem Thema nach dem anderen die jeweilige Mehrheit ihre Meinung zum Gesetz macht.
Der auf dem Land lebende Familienvater, der heute mit der Mehrheit gegen Botellons wettert, und mit der Mehrheit das Rauchen am liebsten abschaffen würde, wird sich noch freuen, wenn er seinen Offroader abgeben muss, weil er einer der Wenigen ist, die sich aus irgendeinem Grund ein solches Gefährt gekauft haben, und in der Abstimmung in der Minderheit sind. Und der junge Umweltschützer, der am Tag Unterschriften für die Offroaderinitiative sammelt und wohl - wie fast alle - nie einen Offroader gefahren ist und sich keine sinnvolle Verwendung dafür vorstellen kann, macht sich am Abend strafbar, weil er gerne nach der Arbeit einen Joint raucht, aber dort wiederum die Minderheit vertritt.
Was fällt auf? Es ist einfach, Sachen verbieten zu wollen, die einen nur marginal betreffen. Sind die eigentlich Betroffenen eine klare Minderheit, versagt die Demokratie beim Schutz der Freiheit.
Unsere Gesellschaft läuft geradeaus auf einen Zustand zu, den niemand sich wünscht, aber den Weg finden alle super.2
- Der Mensch braucht Dunkelheit, um sich erholen zu können.
Deswegen empfehle ich jedem, in seinem Schlafzimmer Storen, Fensterläden oder Vorhänge zu montieren. Das hilft auch gegen heimliche Blicke aus dem Nachbarsblock und störende Scheinwerferlichter von vorbeifahrenden Autos. Das heisst: Perfekte Dunkelheit und keine Voyeure.
Was mich persönlich anbelangt: Ja, ich finde es schade, wenn Sterngucker ihre Sterne und Planeten und Monde nicht mehr geniessen können, und ich lasse sie auch gerne auf privater Ebene für eine dunkle Nacht plädieren. Aber die Staatsgewalt einsetzen lasse ich sie nicht.