Niemand mag die kleine Chimäre. Alle hassen sie. Bloss weil sie eine Chimäre ist.
Als letzte Woche das britische Parlament die Schaffung von Tier-Mensch-Embryonen erlaubte, war die Empörung groß, nicht zuletzt in Deutschland. Von der Politik über die Kirchen bis hin zur Bundesärztekammer hieß es unisono, die Bildung solcher „Chimären“ sei „unethisch“, „pervers“, ja „monströs“. Man verurteilte die Forschung als „Frankenstein-Wissenschaft“, und die „FAZ“ bildete, um den Frankenstein-Faktor zu unterstreichen, die Illustration eines Kentauren, einer Mischung aus Pferd und Mensch, auf ihrer ersten Seite ab.
Sicher, die Reaktion war so heftig, weil hier in den Augen vieler die Lizenz erteilt wurde, an schutzlosen Embryonen zu experimentieren und „Gott im Labor“ zu spielen.
In diesem Fall jedoch kommt noch etwas Entscheidendes, Spezielles hinzu: Es ist die Idee einer Vermischung von Tier und Mensch, die uns intuitiv abstößt. Da soll im Reagenzglas zusammenwachsen, was nicht zusammengehört.
Was hat es mit dieser unserer intuitiven Ablehnung auf sich? Woher kommt sie – und ist sie gerechtfertigt?1
Bezüglich der Diskussion um die Stammzellenforschung und Menschenwürde:
Der argumentative Bezug zur Menschenwürde entspringt der theologischen Ethik, und die hat in der Forschungspolitik nichts verloren. Ethik wägt nach vernunftbestimmten Kriterien ab, und einer befruchteten Eizelle die volle Menschenwürde zu zu billigen ist nicht vernünftig.
Der Verweis auf bisher fehlende Therapien gleicht dem Klammern der Forschungsgegner an den letzten Strohhalm. Auch den Gegnern ist allerdings klar, dass nicht erwartet werden kann, ein komplettes Forschungsgebiet sei in fünf Jahren entwickelt und liefere Therapien, wenn schon die Entwicklung eines Alltagsmedikaments 10 Jahre und länger dauert.
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Niemand, der je in einem Labor mit Zelllinien gearbeitet hat, ob nun tierischen oder menschlichen Ursprungs (die sehen nämlich gleich aus, wenn sie vom gleichen Zelltyp sind) wird behaupten, dass diesen Zelllinien eine Würde innewohnt, die es verbiete, daran zu forschen.
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Auf dass die Debatte weniger emotional und von religiösen Werten geprägt geführt wird, sondern logisch, rational, überprüfbar - und basierend auf produzierten Daten und erreichten Meilensteinen. So funktioniert nämlich Wissenschaft. Und: Wissenschaft konnte noch nie durch Denk- und Forschungsverbote aufgehalten werden.1
Ins Extreme gezogen, könnte man gar sagen, ein Verbot der Stammzellenforschung sei menschenfeindlich, da man so das extreme Potential nie erforscht und somit womöglich etliche Leben drastisch verkürzt,
Je nachdem, wie man’s betrachtet, sind Leute, die keinen Sex haben, Massenmördern. Denn, von Gott erschaffener Mensch, wofür ich ja unglaublich viele Beweise habe, bedenke all die potentiellen Menschen, denen du die Chance nimmst, zu leben. Was ja eh nur ein Euphemismus für Mord ist. All die kleinen Spermien und Eizellen, die nie ihre Bestimmung, neues Leben zu erschaffen, erfüllen können. Wir grässlich.
Nun denn, wie gross ist der Unterschied zwischen Eizelle und Spermium in zwei verschiedenen Körpern, oder beide im selben, verschmolzen und schon ein paar Teilungen durchlaufen?
Kürzlich hat sich ja der Deutsche Bundestag für eine Ausweitung der Forschung an embryonalen Stammzellen ausgesprochen. Schockierend findet das der katholische Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner.
“Die katholische Kirche werde nicht resignieren, sondern umso stärker für den “Schutz des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen” eintreten, betonte Meisner. Er habe den Eindruck, außer der katholischen Kirche tue dies kaum noch eine Institution in Deutschland. Als Embryonen für die Forschung freigegeben worden seien, habe er schon gesagt, dass damit eine “ethische Wanderdüne” freigesetzt werde. Das habe sich nun bestätigt.”1
Wie gesagt, sexuelle Enthaltsamkeit ist Mord. Wann begreift dies endlich jemand?
“Als “Missachtung der elementaren Menschenrechte” hat der Augsburger Bischof Walter Mixa den Berliner Stammzellen-Beschluss bezeichnet. Deutschland hätte es gut angestanden, mit einem strengen Verbot für die Forschung mit embryonalen Stammzellen international ein Zeichen für den Schutz des menschlichen Lebens zu setzen. “Wenn menschliches Leben zu therapeutischen Zwecken getötet wird, wenn Menschen getötet werden, um andere Menschen zu heilen, sind wir einer totalen Unmenschlichkeit und damit der Barbarei näher als wir denken”, sagte Mixa: “Wir brauchen in Deutschland neue Mehrheiten für das Leben”.”2
Natürlich, einen Zellhaufen zu zerstören, damit man Menschenleben retten kann, das ist barbarisch. Vielleicht sollten wir auch Strassenverkehrsopfer einfach so am Strassenrand liegen lassen. Man will ja nicht den göttlichen Plan durchkreuzen, oder? Gott kann die Leute ja selber retten, wenn er will. Indem er zum Beispiel seine Freundin, das unsichtbare rosafarbende Einhorn vorbei schickt.