Der Mensch ist frei geboren - konfessionsfrei

Die Freidenker-Vereinigung Schweiz wollte Plakate mit der Aufschrift “Der Mensch ist frei geboren - konfessionsfrei” in verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln platzieren. In Bern, Thun und St. Gallen hatten sie jedoch keine Chance. Die dortigen Verkehrsbetriebe konnten scheinbar gut auf das Geld verzichten und meinten bloss, religiöse Gefühle könnten verletzt werden.

Ein wunderbares Beispiel dafür, dass religiöse Gefühle über allem anderen stehen. Scheinbar haben Gläubige aller Nationen ein spezielles Organ, das sie extrem sensibel auf Kritik (Wobei obiger Spruch sanfter ist als ein junges Lämmchen.) reagieren. So sensibel, das die Äusserung von Kritik Tierquälerei darstellt.

Doch was ist mit den Gefühlen von Atheisten, Vegetariern, Bauern, Autofahrern, Graffiti-Sprayern, Nicht-iPhone-Besitzern und Agoristen?

Wer keine religiösen Gefühle verletzen will, der ist nicht ein Philanthrop, sondern zeigt, wes Geistes Kind er ist.

Und nun: Geht fröhlich Geister austreiben!

Oder wie es Andres Kyriacou ausdrückt:

Oder denken die Werbeverantwortlichen der diversen Verkehrsbetriebe, dass Atheisten etwas weniger mimosenhaft reagieren als ihre besonders gläubigen Zeitgenossen? Mit dieser These könnten sie Recht haben. Frei geboren zu sein befreit. Lebenslänglich.1

  1. andreas kyriacou - Die Gedanken sind frei - ausser bei gewissen Verkehrsbetrieben []



und dann stille.

ein letzter schrei verhallt in düstrem nebel. eine junge maid weint in die bleierne brandung.

Über Dinge zu sprechen, die man nicht versteht. Eine sehr lästige Angewohnheit von etlichen Leuten. Ich persönlich versuche, mich einzig an Diskussionen über Themen zu beteiligen, von denen ich wenigstens ein grundsätzliches, wenn auch nicht nötigerweise ein detailliertes Verständnis habe. Äussere ich mich zu anderen Themen, dann stelle ich vielleicht Fragen, gebe höchstens Aussagen weiter.

Bitte, nun da jeder Kleingeist irgendeine Meinung über das häufig Finanzkrise genannte Phänomen hat, shut up! Wenn ihr natürlich ein tieferes Verständnis der Krise habt, dann höre ich euch gern zu, bloss scheint dies bei kaum jemandem der Fall zu sein. Auch nicht bei jenen, die über Milliarden fremden Geldes entscheiden und über zu vielfältige Kompetenzen verfügen.




DRS 1 hören oder Der Konsum von Staatsfunk

Meine Kritik am staatlichen Rundfunk beinhaltet zwar auch die Komponente des schlanken Staates und des überflüssig gewordenen Konzeptes, doch der Kern meiner Kritik lässt sich darauf reduzieren, dass ich nicht für etwas bezahlen will, das mir äusserst zuwider ist.

Zum Beispiel der Hauptsender des schweizerischen staatlichen Radiofunks. DRS 1 genannt: Zu hören bekommt man zwar viele Nachrichten, laue Musik, daneben aber Etatismus und religiöse Botschaften. Wenn wenigstens mal ein Libertärer oder ein Vertreter der Österreichischen Wirtschaftslehre zur Finanzkrise hätte Stellung nehmen können oder einmal den Humanisten, den Naturalisten, den Atheisten oder den Brights Sendeplatz eingeräumt geworden wäre, dann hätte man wenigstens von einer gewissen Diversität ihres Programms sprechen können, was eine Art halbgare Legitimisierung hätte darstellen können, doch dies war, ist und wird wohl auch künftig nicht der Fall sein.

Und ich habe nun wirklich keine Lust, Etatismus und Gottesglaube zu finanzieren.




Das Buchkartell sucht uns heim

Die Buchpreisbindung ist nichts anderes als ein Kartell, das den Anschein von Kulturförderung und Teetrinken in einer kleinen Bücherhandlung hat. Und sie soll zurückkehren.1

Doch wieso sollten Bücher und die sie umgebenden Geschäftszweige nicht ebenso dem Markt ausgesetzt werden wie Fischstäbchen, Gartenscheren, Zement und Singer & Songwriter? Wer Bücher überteuert verkauft oder nur solche im Angebot hat, die praktisch niemand kaufen will, wieso soll man dessen Wände mit Banknoten tapezieren? Er bietet etwas an, für das die Nachfrage inexistent oder zu klein ist. Dem Konsument ist damit auch nicht gedient.

  1. nzz - Für Bücher sollen wieder feste Preise gelten []



Schule. Jungsozialismus. Zwang zur Unfreiheit.

Bewertungssysteme mit Noten sollen in der gesamten Volksschule abgeschafft werden, fordern die Juso. Die Noten sollen durch qualitative Beurteilungen abgelöst werden.

Ich dachte bisher, Noten seien qualitative Beurteilungen. Vermutlich geht es hier eher darum, den Schüler unabhängig von Prüfungen zu beurteilen und anhand von eher vagen Kriterien zu beurteilen, was er so kann, wie er sich so durch die Schule schlägt, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Aspekte, die man auch mittels Prüfungen und Noten, beurteilen kann. Ein härteres System. Die Juso fordert nach meinem Verstehen, dass diese Härte aufgelöst wird und über Schüler eher Verhaltensstudien angelegt werden - vergleichbar mit denen von Schimpansen. Der Lehrer also nicht als Richter, sondern als Beobachter.

Für Lehrlinge soll ein einheitlicher Mindestlohn von mindestens 1500 Franken netto im ersten Jahr eingeführt werden. Die Stipendien für Lehrlinge und Studierende sollen national vereinheitlicht werden und mindestens das Existenzminimum garantieren.

Nein, ich bin nach wie vor dafür, dass ein Arbeitgeber den Lohn, den er zahlen will, frei bestimmen kann. Somit fällt die ganze Diskussion über Mindestlöhne nicht ins Wasser, aber meine Position zu dieser Forderung der Juso ist zumindest eindeutig. Stipendien sollten auch in beliebiger Höhe ausgeschüttet werden können. Was auch nötig ist, wenn jeder Fall einzeln beurteilt und bewerten werden soll.

Das Lehrerpersonal soll massiv aufgestockt und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Der Anteil männlicher Lehrpersonen in der Primarschule soll erhöht werden, ebenso der Anteil weiblicher Lehrpersonen an der Oberstufe, an Gymnasien und in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern.

Keine Quoten bitte. Ich halte es für groben Unfug, Arbeitnehmer nach Aspekten ihrer Person auszuwählen, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Anforderungsprofil der Stelle steht. Ob jemand männlich oder weiblich ist, tut nichts zur Sache. Die Frage ist, ob er als Lehrer was taugt. Was die Arbeitsbedingungen anbelangt: Diese werden grösstenteils durch die Schüler bestimmt. An denen kann man kaum etwas verändern.

Weiter soll eine nationale Gesetzgebung zur Verankerung der demokratischen Mitsprache der Schüler und Lehrlinge erarbeitet werden. Jegliche Beteiligung privatwirtschaftlicher Akteure am Leben und Wirken der Volksschule und der Gymnasien soll verboten werden.

Privatschulen im Rahmen der obligatorischen Volksschule und die freie Schulwahl sollen verboten werden. Vom Verbot ausgenommen bleiben sollen laut Wermuth reformpädagogische Schulen.

Freiheit wird aufgelöst und durch ein Korsett ersetzt. Meines Erachtens ist das heutige Schulmodell schon starr und einengend genug. Ich hätte lieber etwas mehr Luft und flexiblere Modelle, gern auch eine grössere Diversität an Schulmodellen. Heute gibt es eines, doch wie wäre es mit dutzenden verschiedenen? Von klassischem Unterricht bis hin zu den Strassenschulen der alten Griechen.

Religiöse Symbole an Volksschule, Gymnasien und Berufsschulen sollen für Lehrpersonen verboten werden. Für Schüler und Schülerinnen solle man diesbezüglich «ein Auge zudrücken», sagte der Juso-Präsident.1

Ich hätte zwar lieber, dass die Lehrer ehrlich antworten, wenn sie auf ihre Religionszugehörigkeit antworten - die Burkaträgerin also sagt, dass sie gerne unterdrückt wird und vieler Rechte beraubt wird -, aber aber mit obiger Lösung kann ich auch leben. Natürlich soll davon abgesehen werden, kleine Schmuckkreuze zu verbieten. Denn das Problem ist ja nicht die Zurschaustellung des Glaubens, sondern die Beeinflussung der Schüler durch den Lehrer. Und diese kann man nicht durch ein Verbot von Symbolen aus der Welt schaffen. Indoktrination kann viel subtiler, nicht regulierbar sein und ist trotzdem vorhanden. Eine Scheinlösung also?

  1. nzz - Keine Noten mehr an der Volksschule []



Die Vernichtung des Verbandsbeschwerderecht

In der heutigen Gerichtspraxis wird zudem oft übersehen, dass es aus liberaler Sicht auch ein eminentes öffentliches Interesse am Schutz des Privateigentums und der Privatautonomie gibt. Dass sich engagierte Anhänger des Umweltschutzes gegen die teilweise Abschaffung des Verbandsbeschwerderechts wehren ist verständlich und legitim, nur sollten sie dabei weder den Rechtsstaat noch den Liberalismus als Argument bemühen. Die Teilabschaffung dieses Fremdkörpers in unserem Rechtssystem ist mindestens so rechtsstaatlich wie es dessen Einführung es war und sie ist bestimmt liberaler.1

  1. liberales institut - Das Verbandsbeschwerderecht ist nicht liberal []



Was ist schweizerisch?

Anderseits passierte es mir in den letzten Jahren meiner Schweizer Zeit öfters, dass ich auf meiner wöchentlichen Zugfahrt zur Universität Freiburg i. Ü. auf der Strecke Zürich–Bern in denselben Wagen wie Bundesrat Moritz Leuenberger zu sitzen kam. Er reiste nur gerade in Begleitung eines Assistenten; keine Bodyguards, kein Drum und Dran, bloss ein Aktenkoffer und eine Zeitung. In einer Welt der kollektiven Panikmache und der gepanzerten Limousinen war das etwas Besonderes. Etwas Schweizerisches.1

  1. Peter Hughes - Die Fiktion vom Sonderfall []



Militärschwärmereien

An der Delegiertenversammlung der SVP in Lenzburg steht einmal mehr der Zustand der Armee im Zentrum. Parteipräsident Brunner kritisierte, der Wehrdienst werde zum Frondienst pervertiert. In einem Positionspapier, über das die Delegierten abstimmen, verlangt die SVP eine Verlängerung der Dienstpflicht.

(ap) Wehrmänner würden zu Botschafts-Securitas degradiert, mündige Bürger in Uniform zu Parkplatzanweisern an Grossanlässen gemacht, sagte SVP-Präsident Toni Brunner vor den Delegierten in der Mehrzweckhalle Lenzburg. So werde der Wehrdienst zum Frondienst pervertiert.

Durch den Schlamm zu kriechen, mit dem Zweck, sich auf einen imaginären Krieg vorzubereiten, sei natürlich kein Frondienst. Sondern Dienst am Vaterland und als solcher heiliger als Jesus Mutter.

Zwangsdienst ist Zwangsdienst und in jedem Fall abzulehnen. Schlussendlich läuft der obligatorische Militärdienst darauf hinaus, dass dir jemand eine Pistole an den Kopf hält und sagt: Im Gleichschritt - Marsch! Und danach bringen wir dir bei, wie du jemanden mit Sturmgewehr und Bajonett tötest.

Staat bedeutet natürlich immer Zwang. Im Falle von ein paar Prozent Steuern für Strassen, Schulen und Spitäler kann man es akzeptieren. (Natürlich nicht komplett und nicht, ohne intensiv darüber nachgedacht zu haben, aber sich darüber aufzuregen, wäre fehl am Platz.) Militärpflicht kann ich jedoch nur als unmoralisch bezeichnen. Genau wie jede andere Art von Dienstpflicht.

«Jedes Kind soll seinen Vater in der Militäruniform sehen.»

Was bitteschön ist das für ein krudes Gesellschaftsbild? Allein die Tatsache, dass hier ein Normierung der Väter gefordert wird und scheinbar ein extrem klassisches Bild von der Familie gezeichnet wird (Vater, Mutter, Kind.), ist äusserst bedenklich. Welchen Nutzen das Kind daraus ziehen kann, seinen Vater uniformiert zu sehen, ist ebenfalls fraglich. Vielleicht soll damit Autoritätsgläubigkeit gefordert werden? Oder eine gewisse Uniformierung der Gesellschaft?

Zudem wird die Landesverteidigung als Hauptauftrag der Armee unterstrichen. Die Katastrophenhilfe sei primär dem Zivilschutz zu übertragen.1

Dem zweiten Satz kann ich zustimmen, wenngleich mit einigen Einwänden, die ich hier nicht weiter ausführen möchte. Aber wo ist unser Feind? Jene gegnerische Armee, die uns bedroht und vor der uns die Armee beschützt? Liechtenstein? Bangladesh?

  1. nzz - Wehrdienst laut SVP-Präsident zu Frondienst pervertiert []



Bundesräte wie Blütenblätter

Wie wäre es, wenn wir die Bundesräte mit so wenig Macht austatteten, dass man sie beliebig austauschen könnte? Wie Blütenblätter, die einander gleichen, ab und an Unterschiede aufzeigen, aber grundsätzlich beliebig austauschbar sind. So dass man den schlechtestmöglichen Kandidaten ins Amt setzen könnte und er die Nation nicht in einen Abgrund und auch nicht in eine winzige Mulde steuern könnte. Wäre es nicht beruhigend zu wissen, dass man selbst mich1 zum Bundesrat wählen könnte, ohne dass irgendetwas Schlimmes geschehen könnte?

  1. meinungsfreiheit.li - Neue Bundesräte gesucht []



Rauch, Rauch, Rauch überall

Mir ist es eigentlich egal, ob in den Beizen geraucht werden darf oder nicht. Grundsätzlich ist es mir egal, wie Privateigentum genutzt wird. Ich bin auch zu faul, um mir zu überlegen, welches Angebot mir fehlt und was ich in Restaurants gerne auf den Speisekarten stehen und in den Geschäften an den Kleiberbügeln hängen sehen möchte. Vermutlich, weil das Angebot bereits heute enorm ist und man den Rest problemlos aus den Staaten oder von China bestellen kann.

Aber bitte, lasst den Eigentümern die Wahl, wie sie ihren Besitz nutzen. Wenn alle Beizer das Rauchen verbieten wollen: Schön. Aber der Staat hat sich in diese Frage nicht einzumischen. Genauso wenig wie er dem Restaurantbesitzer vorschreiben soll, was auf der Speisekarte stehen darf und was nicht.

Basel und Zürich haben nun also das Rauchen in den Restaurants verboten. Ganz anders Nidwalden:

Demnach ist das Rauchen in öffentlich zugänglichen Gebäuden des Kantons, der politischen Gemeinden, der Schulgemeinden und von Anstalten des öffentlichen Rechts künftig generell verboten.

Die Gastwirte sind in der Anordnung eines Rauchverbots jedoch frei. Sie müssen lediglich am Eingang deutlich deklarieren, ob das Rauchen erlaubt oder verboten ist.1

Zu erwarten ist jedoch ein nationales Rauchverbot in den nächsten paar Jahren. Eigentumsrechte zählen hierzulande nicht mehr viel, ausser in Nidwalden.

  1. nzz - Rauchverbote auch in Zürich und Basel []