(sda) Muslimische Schüler haben keinen Anspruch mehr auf einen Dispens vom gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht. Das Bundesgericht hat seine Praxis geändert und stellt die Integration nunmehr über die Glaubens- und Gewissensfreiheit.
Eine tunesische Familie aus Schaffhausen hatte 2006 für ihre damals elf- und neunjährigen Söhne um eine Befreiung für den gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht in der Schule ersucht. Sie berief sich dabei auf ihren muslimischen Glauben, der den Knaben den Anblick leichtbekleideter Mädchen verbiete.1
Seine Kinder ideologisch zu erziehen, ist zutiefst unmoralisch. Egal, ob diese Ideologie Buddha, Odin, Marx, Bush oder Couchepin beinhaltet. Ein Verbot für tendenziöse Erziehung lässt sich jedoch weder durchsetzen, noch wären alle Auswirkungen dieses Gesetzes positiv. Von daher muss man zulassen, dass Tunesier ihren Kindern ein eher traditionelles Geschlechterbild vorbeten. So schlecht das für die Kinder auch ist. Die Worte zu schleifen und mit allen medialen Möglichkeiten gegen diese Indoktrination anzukämpfen, könnte man jedoch als humanistische Pflicht ansehen.
Doch sollte die öffentliche Schule Ausnahmen, die mit religiösen Motiven begründet werden, zulassen? Wie steht es mit privaten Schulen?
Öffentliche Schulen, als Teil des säkularen Staates, müssen jeglichen religiösen Einflussnahmen widerstehen. Dazu gehört auch, dass strenggläubige Eltern den Unterricht ihres Kindes an dieser Schule nicht mitbestimmen können. Ob es nun um Schwimm- oder Biologieunterricht geht. Wie jedes Kind in Mathematik unterrichtet wird, wird jedes Kind Sport und Biologie nach Stundenplan besuchen. Denn würde man den Muslimen erlauben, ihre Kinder vom Turnunterricht zu entfernen, so müsste man dem Evangelikalen dasselbe bezüglich Bio, Astronomie und Geologie zugestehen. Oder aufgrund welcher Basis will man die einen unbegründeten Irrationalitäten (Das Kind ist ja nicht physisch unfähig, am Schwimmunterricht teilzuhaben, sondern das Familienoberhaupt möchte dem Kind seine Moralvorstellungen, die vor etlichen Jahrhunderten ein Warlord herbei halluziniert hat, während Tag und Nacht aufzwingen.) zulassen, die andern aber ablehnen? Akzeptiert man muslimische Einflussnahme in den Stundenplan, so darf man den Pastafari und Neopaganisten nicht nein sagen.
Nicht zuletzt hat jede Schule das Recht, zu verlangen, dass der von ihr aufgestellte Stundenplan strikt eingehalten wird. Bei einem reichen, freien und konkurrierenden Angebot von Bildungsdienstleistern hätte zudem jedes Elternpaar die Freiheit, für den Sohn oder die Tochter die passende Schule auszuwählen. Papa und Mama müssten nicht fürchten, dass der Sohn wegen ein paar nackten Mädchenschenkeln verdorben wird. Gewiss, Schulen mit religiöser Färbung zuzulassen, gereicht zwar manchen Kindern zum Nachteil, aber dafür wird das staatliche Bildungsmonopol gebrochen und durch den entstehenden Wettbewerb dürften Koranschulen so marginal bleiben wie heute. Auf dem Anforderungsprofil für heutige Arbeitnehmer stehen einfach keine Punkte wie “Erstklassige Korankenntnisse” oder “Misogynie”.
Religion als Schulpflichtfach.
Wieso eigentlich nicht, mag man denken. In der Schule etwas über die verschiedenen Religionen zu lernen, fördert selbstverständlich die Toleranz und senkt die Ignoranz etwas. Zudem gehört es einfach zur Allgemeinbildung, zu wissen, dass Gott bei den Muslimen Allah heisst und nicht gleichzeitig sein eigener Sohn ist, der als Jesus auf die Erde kam.
Richtig?
Beinahe. Es ist eher ein Beweis für die Vorzugsbehandlung, die die Religionen heute noch geniessen.
Oder wie kann man vernünftig begründen, dass es besser ist, wenn Gymnasiumabgänger die Riten einer Bar Mitzwa aufzählen können, aber vor Unkenntnis nur den Kopf schütteln, wenn der Begriff Etatismus fällt?
Sehr wahrscheinlich - ausser man ist ein gläubiger und praktizierender Jude - wird man sein ganzes Leben nicht mit einer Bar Mitzwa konfrontiert werden. Als Träger des Wahl- und Stimmrechts hingegen, das doch etliche wahrnehmen, ist es von Vorteil, wenn man weiss, was Etatismus, Liberalismus, Neokonservatismus oder Protektionismus ist.
Ich fordere - zu Lasten der religiösen Bildung - mehr politische Bildung in unseren Staatsschulen!
Will man das Versagen der Schule demonstrieren, dann muss man nicht irgendwelche gewalttätige Migrantenkinder und schlechte Pisa-Ergebnisse hervor kramen, es reicht, wenn man auf die Strasse geht und die Jugendlichen/jungen Erwachsenen zur Evolution befragt.
Das beste, das rauskommen könnte - ausser man erwischt gerade einen Biologiestudenten oder jemanden, der übermässig an der Naturwissenschaft interessiert ist - wären wohl irgendwelche Phrasen von blindem Zufall und dem Menschen, der da ganz oben steht und ach so komplex und einzigartig und dergleichen.
Das tut weh. Ganz phyisch. Als würde man seine Finger in eine heisse Bratpfanne drücken.
Der Schule trägt nicht einmal die Schuld daran, dass Evolution - wenn überhaupt akzeptiert - derart missverstanden wird. Denn Evolution wird - zumindest meinem Erleben zufolge - bloss rudimentär, vielleicht mit einer halben Schulstunde behandelt. Ebenso beim Urknall. Mir ist bewusst, dass nicht einmal in einem Gymnasium die nötige Zeit aufgewendet werden kann, um die Evolution adäquat zu erklären. Geschweige denn den Schülern etwas mehr naturwissenschatlichen Background auf den Weg zu geben. Doch wenigstens einmal zu erwähnen, dass bei den Neutronen und Protonen nicht einfach Schluss ist oder zu erklären, was eine wissenschaftliche Theorie ist und was wissenschaftliches Vorgehene denn überhaupt ist… Ist das zu viel verlangt?
Scheinbar schon.
Deshalb hier der Verweis auf etwas Evolutionstheorie, genauer gesagt, zwei Missverständnisse, die erklärt werden:
Missverständnis Nr. 1: Korallen, Fadenwürmer oder Fruchtfliegen ständen “ziemlich weit unten” im evolutionären Stammbaum und wären (daher) näher miteinander verwandt als mit dem Menschen. Korallen sollten deswegen in ihrer Genausstattung Fruchtfliegen oder Fadenwürmern ähnlicher sein als Menschen.
Missverständnis Nr. 2: Evolution würde von einfach zu komplex verlaufen und dies erfolge durch die Addition neuer Gene.1