Allgemeine Kritik an der Scharia

Viele Male habe ich den Satz schon hören müssen: Allgemeine Kritik an der Scharia sei nicht zulässig, da die Scharia gar keine Einheit darstelle. Vielmehr müsse man sich auf einzelne Fatwas konzentrieren.

Das mag stimmen, wenn man einzelne Inhalte kritisieren will. Oder auch nicht.

Ein Rationalist kann und wird die Scharia jedoch grundsätzlich nicht akzeptieren, egal wie rehäugig deren Inhalte nun daher kommen.

Denn das Wesen der Scharia ist religiös. Sie stellt die vollkommene Verschmelzung von Rechtssystem und Religion dar, das Gegenstück zum von Naturalisten heftigst umworbenen Laizismus also. Darüber hinaus werden die Gesetze religiös begründet, was jedem Atheisten ein Gräuel sein dürfte. Vernünftige Gesetze lassen sich mit der Religion im Rücken jedenfalls nicht formulieren. Dies ist einzig mit rationalistisch-demokratischem Vorgehen möglich. Dies braucht seine Zeit, das ist klar, und ganz viel Fachwissen; ist auch nicht frei von Fehlern, beansprucht es keine Absolutheit. Doch langfristig bringt uns einzig eine weltliche Gesetzgebung die grösstmögliche Annäherung an das Paradies auf Erden.

Deshalb ist die Scharia grundsätzlich abzulehnen. Und nicht nur in den Details.




Scharia statt humanistisches Recht in Grossbritannien

Der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams ist ein ganz heiteres Bürschchen. Er will es den Muslimen frei stellen, ob sie in Ehe- und Finanzstreitigkeiten das britische oder das islamische Recht anwenden wollen. Williams will damit denjenigen Muslimen entgegen kommen, die Schwierigkeiten haben, sich ans britische Recht anzupassen. Er möchte, dass die Muslime auch in Grossbritannien ihrer Kultur vollkommen treu bleiben können, dazu sei es halt nötig, die Scharia in Grossbritannien einzuführen.1

[So so, ein Islamist will sich also dem britischen Rechtssystem nicht fügen. Deshalb lässt man ihn ganz einfach die Scharia auch in England ausüben. Niemand käme auch auf die Idee, Leute in ihre Heimatländer zurückzuweisen, die weder Sitten, noch Kultur, noch Gesetze des momentanen Aufenthaltsstaates akzeptieren.]

Entweder hat sich dieser Rowan am Messwein vergriffen oder er ist bereits senil geworden. Leider will er vermutlich bloss im clash of cultures vermitteln helfen. Appeasement bester Güte. Doch die Kirche der Versöhnung hatte es ja noch nie so mit dem Humanismus, verständlich, dass sie sich jetzt mit der Religion des Friedens zusammentut, um die Ära der Aufklärung auch in Grossbritannien zu beenden.

Nein, mein Vertrauen in England besteht weiterhin, so dass ich nicht denke, dass derart hirnrissige Ideen Verbreitung finden. Die Vorstellung, dass man das Gesetz einzelnen Kulturgruppen anpassen soll, anstatt von jedem, der sich auf britischem Boden aufhält zu verlangen, sich an geltendes Recht zu halten, irritiert mich aber immer noch. Wahrscheinlich bin ich aber bloss zu wenig Multikulti-Groupie, als dass ich eine derart abstruse Haltung verstehen könnte.

Die Musliminnen in England würden sich natürlich auch alle freiwillig der Scharia unterwerfen und sich beim Ehebruch steinigen lassen. Öffentlich, wie es das islamische Gesetz vorschreibt. Das würde zwangsläufig geschehen, wenn wir den Muslimen erlauben würden, in gewissen Fragen die Scharia anzuwenden. Doch daran hat der Erzbischof vermutlich nicht gedacht, als er dieses Geschichtlein ersonnen hat. Nein, wie auch, so gebannt er von den schillernden Kulturbereicherer auch gewesen ist.

Lassen wir noch ein paar andere kritische, vernünftige Stimmen zu Wort kommen:

Das radikale Vorpreschen des Islam mit seinen rigiden Rechts- und anderen Vorstellungen kommt den Hirten der Christen gar nicht so ungelegen. Was Sie alle vereint: ihre letzte Bastion, das Jenseits.2

[Die Scharia] werde von uns ‘dummen Europäern’ so ziemlich in allen Fragen missverstanden, laut Williams könne sie soziale Spannungen lösen. [...] Dass es nur ein (sic!) Rechtssystem für alle gibt, findet er gefährlich.3

Wer diese von Aufklärung und Humanismus geprägte Kultur nicht akzeptieren kann und eine größtenteils inhumane, religiöse Gesetzgebung haben will, der soll doch bitte wieder in die Länder gehen, in denen diese Gesetze gelten.4

Nach der Ernennung eines muslimischen Bischofs und der Forderung nach der Umbenennung Gottes in Allah, stellt Williams Vorschlag einen weiteren ängstlichen Umarmungsversuch einer Kirche gegenüber dem Islam dar. Anbiederung statt Kritik - Appeasement ist eben eine interdisziplinäre Denkweise.5

  1. welt - Erzbischof von Canterbury will Scharia zulassen []
  2. arlesheim reloaded - Freie Wahl für die Scharia []
  3. bad blog - Die spinnen, die Engländer… []
  4. Ein ein kommentator auf dem brightsblog - Erzbischof von Canterbury will Scharia zulassen []
  5. fdog - Der größte Trottel auf der Insel… []