Russia… O fucking Russia…

Russland ist drauf und dran, South Park zu verbieten.1 Des weiteren wird darüber diskutiert, ob man nicht Emos und Gothics generell verbieten sollte.2

Scheinbar werden uns noch für eine lange Zeit die Ideen nicht ausgehen, welche Gruppe man für das eigene Unglück verantwortlich machen kann. Von den Juden über die Kapitalisten bis hin zu den Emos. Hauptsache man kann mit dem Finger auf jemanden zeigen und muss sein Leben nicht in die eigenen Hände nehmen.

  1. reason - Russia has no Respect for Cartman’s Authority []
  2. reason - Russia to Emo Kids: I’ll Give You Something to Pine About []



Südossetien und Sezession

Ich wollte mich zum georgisch-russisch-südossetischen Konflikt eigentlich nicht äussern, aber nun habe ich doch noch einen Kommentar gefunden, der mir zusagt:

Für mich steht ausser Frage, dass Südossetien unabhängig sein können sollte, wenn die Menschen dort das wollen. Aber das wird es mit diesem Nachbarn Russland mindestens genauso wenig sein, wie mit Georgischen Truppen im Land.
[...]
Insgesamt finde ich die Frage, wer der Böse und wer der Gute ist, wer angefangen hat und wer Schuld hat aber viel nebensächlicher, als man aufgrund verschiedener Stimmen pro oder contra der einen oder anderen Seite im ersten Moment meinen könnte.
.
Verloren haben die Menschen in Südossetien. Viele ihr Leben, noch mehr ihr Zuhause. Schuld daran haben, ganz wertneutral ausgedrückt, große politische Machtapparate. Der ganze Konflikt dreht sich um “staatliche Interessen”, wie sie nur Regierungen formulieren können - der normalen Russe oder der normalen Georgier hat keine Vorteile davon, wenn sein Land um 3900 Quadratkilometer und 75.000 Einwohner größer ist.1

  1. Filterblog - Ein Krieg gegen Menschen []



Der unbekannte Soldat schiesst zurück!

oder Wenn aus einem Cyberkrieg jederzeit eine Schlacht mit Panzerfäusten und Flächenbombardements werden kann.

Seit mehreren Wochen schon stehen sich Russland und Estland auf dem Schlachtfeld gegenüber, einem rein virtuellen zwar, aber für die Diplomatie zwischen den eh schon verfeindeten Staaten ist das genauso wenig förderlich wie ein Raketenangriff auf Tallinn. Ein estnischer Regierungssprecher findet die passenden Worte für seinen Unmut und nennt den Cyberkrieg einen Kriegsakt. Ich schliesse mich dem an, möchte jedoch anmerken, dass nicht unbedingt die russische Regierung hinter den Angriffen gegen estnische Websiten stehen muss. Wenngleich nicht ausgeschlossen werden darf, dass nicht trotzdem der Kreml dahinter steckt und über ein ausgeklügeltes, mafiöses Netz aus Verbindungsmännern und Computerexperten die Attacken zentral koordiniert. Doch mit solchen Überlegungen würde ich das Terrain der Fakten verlassen und mich in die stachelige Obhut der Vermutungen und die düsteren Gefilde der Verschwörungstheorien begeben. Und das liegt mir nicht.

Klar scheint jedoch zu sein, dass das russische Volk aufgebracht ist, dass Estland das Kriegsdenkmal des ‘unbekannten Soldaten’ vom Stadtzentrum Tallinns entfernt hat. Nun lagert jene Statue, die an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern soll, auf einem gewöhnlichen Soldaten-Friedhof. Ist uns Westlern allemal egal, verletzt den russichen Nationalstolz jedoch sehr und erfreut gleichzeitig die Esten, die in dem Denkmal schon lange ein Symbol für die sowjetische Unterdrückung und Kontrolle sahen.

Russland wäre jedoch nicht Russland, wenn es seine Muskeln nicht spielen liesse. So wurden Botnetze auf estnische Regierungssites und auch private estnische Homepages losgehetzt, derweil hunderte aufgebrachte Patrioten mithilfe von Anleitungen im Internet selber simple, aber wirkungsvolle Attacken gegen Estland durchführen.

Derzeit benötigt es also einiges an Glück und Zufall, wenn estnische Bürger ein bisschen surfen gehen wollen oder ihre Aktiengeschäfte übers Internet abwickeln wollen.

Ich würde belustigt lächeln und mich darüber freuen, dass wieder mal was Spannenderes geschieht also bloss die paar dutzend Tote im Irak pro Tag oder israelisch-palästinensisches Kräftemessen, wenn die Lage nicht so ernst und das Verhältnis zwischen Tallinn und Moskau nicht so angespannt wäre.

Irgendwas gutes wird jedoch auch dieser Cyberwar haben, nur will mir im Momentan nicht einfallen, was.