Des Papstes scheinheilige Aktion, ganz auf die Kürze 7 neue Todsünden zu kreieren und dem Gläubigen zu kredenzen, löst Wutstürme in der rationalistisch-atheistischen Blogosphäre aus ~ The new seven deadly sins ~ Pope Watch: New Seven Deadly Sins
“You offend God not only by stealing, blaspheming or coveting your neighbour’s wife, but also by ruining the environment, carrying out morally debatable scientific experiments, or allowing genetic manipulations which alter DNA or compromise embryos,” he said.
Bishop Girotti said that mortal sins also included taking or dealing in drugs, and social injustice which caused poverty or “the excessive accumulation of wealth by a few”.1
Leidvoll krümmt sich die katholische Kirche auf dem Sterbebett, doch ihr Geist blüht noch, ist gefüllt mit fanatisch kreativen Einfällen.
Gnadenlos konservativ und absolut weltfremd waren ja schon die alten sieben Todsünden. Wer kommt schon gegen die brutale Macht der Faulheit oder gar der Wollust an?
Doch jetzt bandelt der Papst mit den Sozis und den Grünen an, nebst einer Verbeugung vor den Technophoben und den militanten Abtreibungsgegnern. An sich spreche ja auch ich mich dafür aus, die Umwelt nicht zu zerstören oder keine Drogen zu verkaufen, doch diese Worte aus dem Munde der katholischen Kirche? Eine Institution, die durchwuchert ist von Pädophilie und deren blutiges Erbe immer noch auf ihr lastet. Leere Worte sind es, so lange die Kirche nicht vor der eigenen Tür kehrt. Leere Worte bleiben es auch danach noch, da die neuen sieben Todsünden gottlos vage definiert sind. Sündigt man also nun, wenn man Messwein trinkt? Schliesslich ist Alkohol eine verflucht beliebte Droge. Dazu die schlichte und PR-wirksame Verdammung des Reichtums, der Globalisierung und diverser irdischer Vergnügen.
That damn filthy pope, hm?
evil under the sun - Todsünden im Zuge der Globalisierung.
pharyngula - We’re all going to hell now
In was für Zeiten leben wir, wenn Kirchenvertreter nach Exorzisten brüllen und sich niemand auch nur darüber enerviert?1
Der Herr Papst Benedikt XVI. kündigte letzte Woche an, sein Exorzistenkontigent um 3′000 wackere Mannen aufzustocken. Laut Schweizer Teufelsaustreibern sind Exorzisten in der Schweiz stark gesucht. Ausbildungszentren sind an diversen Orten geplant.
Wenigstens gibt es Ärzte, die vor Teufelsaustreibungen warnen. “Gefährlich wird es, wenn Patienten auf Therapie und Medikamente verzichten”, so der Chefarzt einer psychiatrischen Klinik in Basel.
Selbst hier in Westeuropa kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass Leute bei Teufelsaustreibungen sterben. Aber für treue Katholiken ist daran natürlich Satan schuld, der diese armen Opfer ganz hinterhältig getötet hat.
Es ist jedoch nicht einzig diese ganz leibliche Gefahr, die uns aufschrecken sollte. Was hinter diesen Exorzismen steckt, sollte uns auch zu Denken geben: Düsteres, schrecklich finsteres Mittelalter mit Hexenverbrennungen und wohlsatten Bischöfen. Ein verblüffend einfaches, dualistisches Weltbild. Gut und Böse sind klar definiert. Dämonen schwirren umher und könnten von Leuten Besitz ergreifen. Danach zwingen sie diese armen Menschen zu gar grässlichen Dingen wie zum Beispiel Gotteslästerung oder vorehelichem Sex. Doch welch Glück gibt es aufrechte Pfaffen, die den Teufel austreiben können.
Was nach einem Fantasy-Roman klingt, das bestimmt so manches säkulares, westliches Leben: Dämonen und die Versuchungen des Teufels.
Yep, das ist ein satter Sprung ins Mittelalter zurück. Und wer einst dort ist, sich an der Einfachheit seines Glaubens labt und überzeugt davon ist, dass es das Böse wahrhaftig gibt, der schreckt auch nicht davor zurück, Leute auf den Scheiterhaufen zu schicken. Der Heilige Krieg beginnt wieder, und das bei weitem nicht nur im arabischen Raum.
Traue nie einem Erzkatholiken, wenn er anlässlich von Mohammed-Karikaturen für Meinungsfreiheit plädiert. ~ Ein Ferkel entlarvt die Heuchler der Meinungsfreiheit
I love. That is a fact, not mere façade;
Yes, love exists, which can’t be said of God.1
Historische Tatsachen sind eben schon etwas ganz anderes als Wunschträume von Erzmuslimen und -christen ~ Mohammed - fromme Erfindungen und Tatsachen ~ Stand Moses unter Drogeneinfluss?
Moscheen generell zu verbieten wäre eine Attacke auf den Liberalismus. Minarette, die keine Machtsymbole darstellen, sondern blosse Gebetstürme sind, sollen auch bleiben dürfen. Vielleicht fühlen sich die Heimatschützer belästigt dadurch, doch die stört es auch, wenn man abbruchreife Holzklumpen abreissen will.
Ganz lustig wird es jedoch, wenn der Generalsekretär der Islamischen Konferenz, Ekmeleddin Ihsanoglu, sich für den Minarettbau in der Schweiz einsetzt. Er strotzt zwar vor förmlicher Unkenntnis unseres direktdemokratischen politischen Systems, aber er verteidigt die Minarette mit eiserner Faust. Zwar würde man meinen, dass Muslime, die in ihrem Glauben gefestigt sind, Allah auch so ihre Ehre erbieten können, doch vermutlich ist auch dies bloss ein Vorurteil.
Die Schweizer Regierung solle jetzt gar den Kampf für Minarette übernehmen. Ihsanoglu verkennt den säkularen Kern unserer Nation glatt und sauber. Für einen, der zwischen Staat und Kirche nicht trennen will, ist dies natürlich schwer zu verstehen, dass sich der Bundesrat nicht in den Minarettstreit einmischt. Herr I., der Staat hat sich zu keinem Zeitpunkt für die Religionen einzusetzen. Die freie Ausübung der Religion soll er sichern (Minarette sind aber bloss Türme, und nicht Gebetshäuser oder dergleichen) und den Bürger vor religiösen Auswüchsen schützen.
Herr I. sieht sich zu extravaganten Gedankenspielen veranlasst. Den Vatikan mit Saudiarabien zu vergleichen, zum Beispiel. Der Vatikan sei eine heilige Stätte, gleich wie die zwei Millionen Quadratkilometer Wüste in Saudiarabien.
Frivol sieht er sich als Kämpfer für Menschenrechte. In Westeuropa. Als Türke. Als Generalsekretär einer Organisation, der 57 vornehmlich islamische Staaten angehören, mit Sitz in Saudiarabien notabene.
Jetzt kommt die Köstlichkeit des Interviews. Man lasse sich seine Aussage auf der Zunge vergehen, Meinungsfreiheit bedeute nicht, jemanden beleidigen zu dürfen. Sorry, aber man kann sagen, was man will, mit der lächelndsten politischen Korrektheit, irgendjemand wird sich persönlich angegriffen fühlen. Verleumdet. Beleidigt. Whatever.
Wir wär’s also mit Gelassenheit. Und etwas weniger Scheinheiligkeit? Hm, Herr I. du darfst uns kritisieren, also dürfen wir auch dich kritisieren. Du hast sogar Glück, dass wir bloss Teile deiner Religion kritisieren, und nicht etwa deinen Bart oder so.
Dann nennt Herr I. die Mohammedkarikaturisten unzivilisiert und schilt den Westen dafür, dass er ihnen nicht unverzüglich den Mund verboten hat. Radikal wären sie gar, unsere Kämpfer für die Meinungsfreiheit.
Vermutlich sind sie das auch, doch das ist eine Schande. Für freie Meinungsäusserung zu kämpfen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, keine Seltenheit.
Uns wurde versprochen, dass Anstrengungen unternommen würden, eine Weiterverbreitung der Karikaturen zu verhindern. Aber das ist nicht geschehen, und die Situation ist eskaliert. Diese Art, Pressefreiheit zu verteidigen, wurde als kulturelles Erbe dargestellt. Das wirft für uns indes grosse Fragen auf.1
So zeigt der Herr I. sein wahres Gesicht. Zensur will er. Kräftige, peitschenstriemige Zensur. Doch gewiss, für einen, der sich eine islamische Theokratie wünscht und einen Gesetzesartikel gegen Gotteslästerung, ist der Westen mit seinem vergleichsweise säkularen Wesen schon schwierig zu verstehen.
Am Donnerstag wird über den Indizierungsantrag des Ferkelbuchs “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” entschieden. Dann werden wir endlich wissen, ob sich in Deutschland manche Leute noch an die Aufklärung erinnern oder sie lieber mit Stahlbeton zuschütten möchten. Die Verteidigungsschrift von Schmidt-Salomon ist im Netz ~ Neues zum Ferkelbuch
Für einmal hat die säkulare Gesellschaft den Kampf um die freie Meinungsäusserung gewonnen, Wikipedia zeigt die nach einer zweijährigen “internen” Diskussion die Mohammed-Karikaturen wieder ~ Wikipedia refuses to remove “Muhammad” cartoons
Evangelikale sind nicht nur peinlich gläubig, sondern auch zutiefst paranoid ~ Der Verfolgungswahn protestantischer Fundamentalisten: Evangelikale zwischen Mythologie und Pathologie