Eine sanfte Revolution in Sicht?

Ich freue mich auf weitere engagierte Reaktionen von Freunden der gepflegten Medienkritik, denn was wir hier aufbauen könnten, wäre idealerweise wirklich die fünfte Macht im Staat!

Nun denn, beginnen wir die Revolution, die aus der Blogosphäre die fünfte Macht im Staate macht:

1. Wie Pascal ganz richtig erkennt, ist eine Grundsatzdiskussion über Sinn und Zweck von Blogs zu führen.

2. Ich begrüsse seinen Vorschlag: “Ich denke, man müsste sich zu einem Verband zusammenschliessen, wenn man gewisse Normen festlegen will. Das wird zwar wieder einige auf den Plan rufen Mitglieder dieses Verbandes als Elitär zu beschimpfen, aber das muss man dann wohl im Kauf nehmen.”

3. Die Blogosphäre ist längst ein Stück Mainstream geworden. Einzelne Blogs bilden vielleicht noch eine Art Subkultur, doch alle Blogs zusammengenommen sind es längst nicht mehr.

4. Wenn man die Blogosphäre als Ganzes ansieht, so kommt man einzig zu dem Schluss, es gehe ihr hauptsächlich um die Populärkultur à la iPhone, Paris Hilton und den Schnaps in den Kirschpralinen.

5. Dies führt dazu, dass Blogs gesamthaft als unseriös angesehen werden und ein gewöhnlicher Journalist nur darüber lächelt, wenn er mit einem Blog konfrontiert wird, egal wie hoch die Qualität in diesem einzelnen Blog ist.

6. Um dem etwas entgegen zu setzen, müsste man bestimmte Blogs quasi zertifizieren. Ihnen ein Label verpassen, das für Qualität und Inhalt steht.

7. Diese Aufgabe kann man nur einer Elite anvertrauen, die sich exzellent mit journalistischen Standards, den vorher festzulegenden Blogstandards und allgemein publizistischen Medien auskennt.

8. Es ist nicht hinzunehmen, dass einzelne Individuen, die selbst ein Garant für Qualität sind, die Blogosphäre verlassen, weil der Mainstream auch in Kleinbloggersdorf Einzug gehalten hat.

9. Blogs sind in der breiten Menge zu unbekannt, als dass sie tatsächlich eine fünfte Macht im Staate darstellen könnten.

10. Ein Elite müsste auch diesem Punkt Abhilfe verschaffen.

Die Diskussion über den Zweck von Blogs, resp. was ebenjene überhaupt sind, ist auf jeden Fall zu führen. Unabhängig von den oben genannten zehn Punkten, welche sowieso nur als Anfang einer tieferen Auseinandersetzung mit Blogs zu verstehen sind.

Das Subjektive: Blogsphäre braucht Grundsatzdebatte
Die Blogdenunzianten: Versuch: Was sind Blogs?
Maingold.com: Journalistische Blogversteher
Peter Walts Blog in die weite Medienwelt: Ein Blog ist, wenn etwas zurückkommt…
Sueddeutsche.de: Abgebloggt: Die deutsche Blog-Szene will eine Alternative zu den etablierten Medien werden. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke.




Content: Mythos oder einzige Chance für die Blogosphäre?

Es hat beinahe schon etwas Virales an sich, wenn innerhalb eines Tages diverse, bekannter und unbekanntere Blogger sich über das Schwinden von Content in der Blogosphäre beklagen.

Mit zunehmender Beunruhigung habe ich mich durch die Posts getrunken und bin dann, mit leichten Kopfschmerzen, zum Schluss gekommen, den in die Menge geworfenen roten Faden aufzunehmen.

Ein paar Minuten vergingen, in denen ich zustimmend nickend vor dem bläulichen Flimmern meines Bildschirms sass und mich erfreute an der konstanten Qualität der Beiträge aus Maingold, inhaltlich wie auch ‘literarisch’.

Mit einem heftigen Klatschen prallte ein Sperling in das Bürofenster und riss mich aus der Starre, die mich hinterhältig befallen hatte. Ich verscheuchte die Apathie aus den Fingerspitzen, begann ein paar Zeilen zu schreiben und dann fiel mir auf, wie Recht die Blogger doch hatten und immer noch haben.
Es ist schwierig geworden, wirklich gut geschriebene Artikel zu finden, obwohl es heute mehr Blogs denn je gibt. Content wird generiert, mitsamt endlosem Traffic und einem Honigtopf für all die langweiligen, grauen Gesichter dort draussen, die scheinbar den menschlichen Stereotypen verkörpern und mangels eigenem Leben demjenigen von Wildfremden nacheifern, sei es ein Cervelat-Promi, ein Döner-Promi oder ein grüner Neo-Linker.

Doch bis man in den Wirren der Blogosphäre wieder einmal über Inhalte stolpert und sich über einen Post freuen mag, dauert es bisweilen Tage. Und das ist schade, denn so werden Blogs immer etwas anrüchig Langweiliges, geradezu Populistisches an sich haben. Kein Wunder, dass dann Zeitungsmacher und Journalisten auf die Blogger herabsehen. Meistens - leider - zu recht.

Denn in einem solchen Kollektiv werden wir immer ein soziales Randdasein leben, das bekannt ist für youporn- und Abmahnungs-Affären, jedoch nicht für die momentant zu selten vorhandene Qualität.
Das ist auch gut so, denn ehrlich gesagt würde ich es bei dem aktuellen Zustand der Blogosphäre für falsch halten, wenn wir tatsächlich die fünfte Macht im Staat wären. Auch wenn ich es mir bei manchen Bloggern wünschen würde, ihre Stimme würde ebenso viel gelten wie die eines Journalisten einer renommierten Zeitung.

It’s too long: Die Angst des Bloggers vor dem Content
Maingold: Die Würfel sind gefallen
Peter Walt: News ohne News-Gehalt