Laut OIC, der Organisation der Islamischen Konferenz, der 57 Staaten angehören, gehört die Schweiz zu den islamfeindlichsten Staaten überhaupt. Wäre damit eine tiefe Skepsis gegen jeglichen Glauben und Aberglauben gemeint, dann würde ich mich sehr über dieses Urteil freuen. Doch mit Islamfeindlichkeit meint die OIC so etwas wie die Europäer meinen, wenn sie das Wort Antisemitismus in den Mund nehmen. Ein Scheusslichkeit. Zentral für die OIC ist bei ihrer Beurteilung die Minarettinitiative. Doch auch Mohammedkarikaturen künden von einer Verschwörung gegen die Burkaträger. Weiter sagt die OIC, Islamfeinde könnten ungehindert Angriffe auf den Islam verüben und würden dazu die Meinungsfreiheit missbrauchen.
Man müsste die OIC ganz simpel ignorieren und fröhlich die Aufklärung ausleben. Wenn sie in Westeuropa denn noch manifest existent wäre. Daher muss man auch der Islamischen Konferenz genaustens auf die Finger schauen. Denn ihre Wurzeln reichen bis tief ins schwarze Herz Europas. Nebst einer Heerschar Freunde und Anbiederer.
Religionsfreiheit kann man ohne Meinungsfreiheit und Freiheit vor der Religion nicht haben. Wollen Moslems ihre Minarette, müssen sie den Laizismus akzeptieren. Auch die Mohammedkarikaturen. Und dürfen die Tatsache, dass im Namen des Islams täglich grausamste Verbrechen begangen werden, nicht ignorieren.
Das leitet mich zur zentralen Kritik: Islamische Staaten schränken die Meinungsfreiheit in vielen Fällen stark ein. Im Gespräch mit Europa machen sie jedoch regen Gebrauch davon, und wollen uns im selben Atemzug verbieten, Kritik an ihnen zu üben. Das ist abgründigste Scheinheiligkeit. Diese wird noch offensichtlicher, wenn man bedenkt, wie offen in manchen Staaten in Nahost der Antisemitismus ausgelebt wird. Menschenrechte werden geflissentlich ignoriert.
Also bitte, kehrt zuerst vor eurer Tür. Wenn ihr den ganzen Müll dann vernichtet habt, eure Staaten demokratisiert, Menschenrechte eingeführt und eine tiefschürfende Aufklärung durchmacht habt, könnt ihr uns ruhig kritisieren. Vorher wirkt’s einfach nur lächerlich. Denn wir haben unsere radikalen Subjekte unter Kontrolle.
20min - Islamfeindliche Schweiz?
faz - Es geht um alles, was Europas Freiheit ist
Moscheen generell zu verbieten wäre eine Attacke auf den Liberalismus. Minarette, die keine Machtsymbole darstellen, sondern blosse Gebetstürme sind, sollen auch bleiben dürfen. Vielleicht fühlen sich die Heimatschützer belästigt dadurch, doch die stört es auch, wenn man abbruchreife Holzklumpen abreissen will.
Ganz lustig wird es jedoch, wenn der Generalsekretär der Islamischen Konferenz, Ekmeleddin Ihsanoglu, sich für den Minarettbau in der Schweiz einsetzt. Er strotzt zwar vor förmlicher Unkenntnis unseres direktdemokratischen politischen Systems, aber er verteidigt die Minarette mit eiserner Faust. Zwar würde man meinen, dass Muslime, die in ihrem Glauben gefestigt sind, Allah auch so ihre Ehre erbieten können, doch vermutlich ist auch dies bloss ein Vorurteil.
Die Schweizer Regierung solle jetzt gar den Kampf für Minarette übernehmen. Ihsanoglu verkennt den säkularen Kern unserer Nation glatt und sauber. Für einen, der zwischen Staat und Kirche nicht trennen will, ist dies natürlich schwer zu verstehen, dass sich der Bundesrat nicht in den Minarettstreit einmischt. Herr I., der Staat hat sich zu keinem Zeitpunkt für die Religionen einzusetzen. Die freie Ausübung der Religion soll er sichern (Minarette sind aber bloss Türme, und nicht Gebetshäuser oder dergleichen) und den Bürger vor religiösen Auswüchsen schützen.
Herr I. sieht sich zu extravaganten Gedankenspielen veranlasst. Den Vatikan mit Saudiarabien zu vergleichen, zum Beispiel. Der Vatikan sei eine heilige Stätte, gleich wie die zwei Millionen Quadratkilometer Wüste in Saudiarabien.
Frivol sieht er sich als Kämpfer für Menschenrechte. In Westeuropa. Als Türke. Als Generalsekretär einer Organisation, der 57 vornehmlich islamische Staaten angehören, mit Sitz in Saudiarabien notabene.
Jetzt kommt die Köstlichkeit des Interviews. Man lasse sich seine Aussage auf der Zunge vergehen, Meinungsfreiheit bedeute nicht, jemanden beleidigen zu dürfen. Sorry, aber man kann sagen, was man will, mit der lächelndsten politischen Korrektheit, irgendjemand wird sich persönlich angegriffen fühlen. Verleumdet. Beleidigt. Whatever.
Wir wär’s also mit Gelassenheit. Und etwas weniger Scheinheiligkeit? Hm, Herr I. du darfst uns kritisieren, also dürfen wir auch dich kritisieren. Du hast sogar Glück, dass wir bloss Teile deiner Religion kritisieren, und nicht etwa deinen Bart oder so.
Dann nennt Herr I. die Mohammedkarikaturisten unzivilisiert und schilt den Westen dafür, dass er ihnen nicht unverzüglich den Mund verboten hat. Radikal wären sie gar, unsere Kämpfer für die Meinungsfreiheit.
Vermutlich sind sie das auch, doch das ist eine Schande. Für freie Meinungsäusserung zu kämpfen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, keine Seltenheit.
Uns wurde versprochen, dass Anstrengungen unternommen würden, eine Weiterverbreitung der Karikaturen zu verhindern. Aber das ist nicht geschehen, und die Situation ist eskaliert. Diese Art, Pressefreiheit zu verteidigen, wurde als kulturelles Erbe dargestellt. Das wirft für uns indes grosse Fragen auf.1
So zeigt der Herr I. sein wahres Gesicht. Zensur will er. Kräftige, peitschenstriemige Zensur. Doch gewiss, für einen, der sich eine islamische Theokratie wünscht und einen Gesetzesartikel gegen Gotteslästerung, ist der Westen mit seinem vergleichsweise säkularen Wesen schon schwierig zu verstehen.