Adieu, Staat

Der Territorialstaat hat sein Ende erreicht. Das zeigt das Baskenland, die Katalonen, Belgien, Georgien, der Kosovo, von Afrika gar nicht erst zu sprechen. Auch die Jurassier in der Schweiz würden mir zustimmen. Zumindest einige von ihnen. Ich meine, woher kommt diese Fixiertheit auf ein bestimmtes, fein säuberlich definiertes Territorium? Und sollte es nicht so sein, dass die Bürger selber entscheiden dürfen, zu welchem Staat sie gehören wollen? Der Nationalstaat ist ein Mythos und direkt abhängig vom Territorialstaat. Was den Sozialstaat anbelangt: Auch er hat seine Grenzen erreicht. Er war wunderbar im zwanzigsten Jahrhundert, doch er ist kein Modell für die Zukunft. Kein traditionelle Staatsmodell ist es.

[KleinerBund:] Ein Staat ohne Territorium?

[Daniel Model:] Das Territorium ist nicht vordringlich, aber ich schliesse nicht aus, dass wir eines Tages auch eines besitzen werden. Ich gehe vom Zusammenbruch vieler konventioneller Staaten in den nächsten Jahrzehnten aus: Sie stehen vor der grössten Krise ihrer noch jungen Geschichte – die Nationalstaatlichkeit ist bereits aufgeweicht, und die Sozialstaatlichkeit wird bald aufgeweicht werden. Und die modernen Lebensformen in der globalisierten Welt zeigen doch auch, dass die Territorialität mehr eine Fessel als ein Entfaltungsraum ist. Die Staaten schliessen sich weltweit zu grösseren Verbünden zusammen. Dann entstehen die Kooperationsprobleme, die auf globalen Konferenzen mehr behandelt als gelöst werden – es herrscht der grosse Stillstand. Deshalb scheint mir ein Staat ohne Territorium zukunftsträchtiger zu sein.1

Der Staat ohne Territorium, der virtuelle Staat, zusammengehalten von Ideen, unter dem Dach einer säkular humanistischen Weltregierung, als Mit- und Gegenspieler der politisch vergleichen mit heute relativ autonomen Gemeinden, ist ein mögliches Zukunftsmodell.

Es gilt, Ideen zu entwickeln. Spinnereien. Skizzen.

  1. Der kleine Bund - «Die Frage ist, wer hier spinnt» []