Wer den Militärdienst mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, soll nicht mehr vor einer Kommission antreten müssen. Geht es nach dem Bundesrat, soll der Tatbeweis, einen Ersatzdienst zu leisten, der anderthalb Mal länger als der Militärdienst ist, in Zukunft genügen. ((nzz - Keine Gewissensprüfung mehr für den Zivildienst))
Die Schweiz wird auf den ersten April nächsten Jahres ein wenig liberaler. Die Abschaffung der Gewissensprüfung ist zwar ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber lediglich ein Kaffeelöffelchen voll Zucker in ein Bassin voller Essig. Die Milizarmee soll endlich auf den Schlachthof. Ein unliberales Monstrum wie dieses, das weder Frauen und Männer gleich behandelt, noch irgendeinen positiven Effekt auf die Geisteshaltung junger Schweizer Bürger hat. Im Grunde genommen werden Hundertscharen Einwohner für etliche Monate aus dem Berufs-, Privat- und Ausbildungsleben herausgerissen und mit so sinnvollen Aufgaben beschäftigt wie auf dreckigem Waldboden herumzukriechen. Die Milizarmee ist ein urchiges Relikt, das jedoch nichts im Europa des Einundzwanzigsten Jahrhundert zu suchen hat. Eine Alternative zum Wehrdienst besteht auch nach der Abschaffung der Gewissensprüfung nicht wirklich. Immer noch dauert sie eineinhalb mal so lang und bedingt ein schriftliches Gesuch. Zwar kann man sich im Zivildienst fürs Wirtschaftsleben rüsten, indem man sich zum Beispiel Sozialkompetenzen aneignet oder auch seine Kenntnisse der Buchhaltung vertieft, doch ein wahrlich liberaler Staat zwingt seine Bürger niemals zu schlechtbezahlten fragwürdigen Diensten.
kyriacou.ch - Das Ende der Wehrpflicht
kyriacou.ch - Tatbeweis statt Gewissensprüfung - mutloses Reförmchen