Dieses Jahr gab es in der Schweiz 2059 Masernfälle. Die Masern-Epidemie sei zwar am Abflauen, wie das Bundesamt für Gesundheit meldet, doch Entwarnung gibt es keine.1
In den Vereinigten Staaten wüten die Masern auch immer noch. Verglichen mit der Schweiz sind die 130 Fälle in diesem Jahr zwar kaum der Rede wert, aber dies sind 130 kranke Kinder zu viel.2
In der Schweiz seit November 2006 über 3000 Masernerkrankungen. Dreitausend Mal Hautausschlag und Fieber, dreitausend Mal die Möglichkeit eines Kindstotes. (Wohingegen die Letalität einer Impfung bei 0 liegt und die typischen Masernsymptome ziemlich selten, und wenn, dann in abgeschwächter Form, auftreten. Auch die Gefahr einer Enzephalitis ist mindestens um den Faktor 1000 geringer.)
Nein, ich verstehe nicht, wie jemand stolz darauf sein kann, wenn er seine Kinder die Masern durchleiden und dem Risiko eines frühzeitigen Todes aussetzen lässt. Doch genau dies tun Impfgegner.
Die Masernepidemie ist zurück gekehrt. Manche Jahre hätte man gedacht, sie sei an den elenden Impfungen verreckt, doch jetzt ist sie zurück, mit neuen Verbündeten und schlagkräftig wie nie:
Seit diesem Mai 127 Erkrankungen in 15 verschiedenen Staaten. Seit Dekaden sind nie soviele Leute mit den Masern infiziert worden.
Meinen Glückwunsch, Masernepidemie. Dank guten Freunden wie dem Präsidentschaftskandidat McCain wirst du’s vielleicht zurück in die oberen Ränge der alljährlichen Todesstatistiken machen.
hat tip to the bad idea blogger
In Bad Salzuflen sind ein 10jähriges Mädchen und ein 9jähriger Bube an der unheilbaren Gehirnentzündung SSPE erkrankt. Als Folge einer Masernerkankung im Säuglingsalter. Angesteckt wurden sie von einem 11-Jährigen, dessen Eltern sich gegen eine Impfung aussprachen.1
Es ist traurig, aber Kinder sterben, bloss weil irgendwelche Eltern dem Aberglauben anheim gefallen sind, Impfungen seien schädlich oder zumindest - wo möglich - zu umgehen. Dies ist ein Glaube, der in unserer Gesellschaft stark verankert ist. Mit der Folge von Masernepidemien und todgeweihten Kindern.
Deshalb ist ein Impfzwang zu befürworten.
Aus denselben Gründen ist es zwingend nötig, den Skeptizismus in die Öffentlichkeit zu tragen. Weil ein harmloser Aberglaube - Was ist schon dabei, wenn ein erwachsener Mensch lieber ein paar wirklose Kügelchen isst, also zum Doktor zu gehen? Es ist seine Gesundheit, sein Leben. (Nicht sein Portemonnaie!) - schnell Tote fordert.
(Dazu ist der “Kampf gegen Aberglauben” besonders im Gesundheitswesen angebracht. Weil es andere Leute tangiert, wenn ein Erwachsener sich nicht impfen lässt oder statt zum Arzt zu einem Esoteriker läuft. Weil es Personen gibt, denen es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, sich zu impfen. Weil man Säuglinge nicht an Tag Null impfen kann. Weil diese Leute ihre Kinder gefährden und zu einem Gefahrenherd lassen werden, weil sie ihre Kinder nicht impfen. Ab und an bringen sie ihre Kinder selbst bei lebensgefährdenden Krankheiten nicht zum Doktor. Schliesslich und endlich, weil sie diesen Bullshit auch noch verbreiten. Ein tödliches Mem in die Welt setzen.)
Während in der Schweiz eine Masernepidemie herrscht, gibt’s in Teilen der USA eine Pertussis-Epidemie. Besser bekannt als Keuchhusten.
Was tut Keuchhusten im einundzwanzigsten Jahrhundert, könnte man sich fragen.
Er tötet.
The WHO estimates that 294,000 infants died of pertussis worldwide, and in the prevaccination era there were on the order of 10,000 deaths a year from pertussis in just the U.S. alone.1
Während es hierzulande noch wenige Tote sind, die an Krankheiten sterben, gegen die es einen umfassenden und bewährten Impfschutz gibt, könnte man in Zukunft vermehrt von solchen Fällen hören. Abhängig davon, ob die morbide Erfolgsgeschichte der Impfgegner weiter geht.
Die Politik foutiert sich darum. Da wird lieber gezankt und gekeift, über Scheininvalide und Jugendgewalt, Rassismus und Neonazis gejammert, als die eine oder andere Impfung obligatorisch zu machen und so beinahe spielend leicht ein paar kleine Kinder vor dem Tod zu retten.
Doch der Geist ist unwillig, genau wie das Fleisch. Eingriffe des Staates in die persönliche Freiheit werden anderswo gerne gesehen, doch wenn’s ums Impfen geht, habe sich der Staat gefälligst zurück zu halten. Merkwürdig dünkt dies keinen.
Ausser die Polio:
What’s likely to happen next if pro-science forces don’t get their acts together is a sadly predictable phenomenon. The more vaccination rates fall, the more frequently outbreaks like this will occur. The more vaccination rates fall, the more children and adults will become ill with vaccine-preventable diseases. The more vaccination rates fall, the more deaths there will be. If antivaccinationists get their way, maybe even polio could make a comeback.2
Von 1000 an Masern erkrankten Schulkindern und Jugendlichen stirbt 1 Kind, in der Regel an einer Enzephalitis oder Lungenentzündung. Von 500 Masernkranken Schulkindern und Jugendlichen kriegt 1 eine Enzephalitis. Eines von 5 Kindern mit einer Enzephalitis stirbt. Sofern die Kinder die Enzephalitis überleben, haben sie in der Regel psychiatrische oder neurologische Störungen zurückbehalten. Die Hälfte aller Kinder mit einem “Normalverlauf” der Masern, haben Veränderungen im EEG, aus denen sich eine Epilepsie entwickeln kann wenn andere Risikofaktoren hinzukommen. 10% der Kinder kriegen Fieberkrämpfe, die sich nicht auf die Masernerkrankung beschränken müssen.1
Impfgegner? Irgendjemand?
Gut, hätten wir also zur Sachlage geklärt. Kommen wir also zu den Impfgegnern, die zugleich Eltern sind. Ganz offensichtlich wollen die nur das Beste für ihr Kind. Von irgendwelchen Fakten lassen sie sich auch nicht beeindrucken und halten an ihrem Impfmärchen fest. Das ist an sich deren Problem. Wenn sie bloss nicht Kinder hätten. Und wenn sie selbst bei einer Erkrankung nicht noch andere anstecken würden. Doch genau das tun sie. Ohne es zu wissen, stellen sie eine lebende Bedrohung dar. Gerade auch für Babys, die noch zu jung für Impfungen sind. Eine sehr ernsthafte Bedrohung sogar. Und dies bloss weil sie das Beste wollten. (Und dabei irgendwelchen Verschwörungstheorien und Esomärchen erlegen sind.)
What else?
Fatal ist auch die Überzeugung, die Kinder seien ihre. Ihre, nicht ein Verwandtschaftsverhältnis ausdrückend, sondern ein Besitzverhältnis. Wie in: Dies ist mein Bleistift, mit dem kann ich anstellen, was ich will.
Und wie in: Dies ist mein Kind, da werde ich noch am besten wissen, was zu tun ist. Da haben nicht andere Leute reinzureden.
Ich finde diese Haltung nicht nur persönlich abstossend, sie ist in einigen Fällen auch tödlich.
Vielleicht kann ich die Gedankengänge der Impfgegner nachvollziehen, doch sie verstehen, das werde ich nie können…
Es sind diese Fälle, von denen man kaum etwas hört, die es selten in die Presse schaffen, und die den islamistischen Terror an Grausamkeit beinahe überbieten. Kinder, die schrecklich gläubige Eltern haben. Ab und an werden Kinder krank. Ihre Eltern beginnen zu beten, das Kind verfällt in ein Siechtum, stirbt schliesslich. Obwohl die Eltern das beste wollten. Strafbare Vernachlässigung der Kinder stellt es trotzdem dar. Eigentlich. Unten genannte Beispiele stammen aus den USA, doch in der Schweiz verursacht ein ähnlicher Aberglaube bitterböse Masernepidemien. Eltern, die ihr Kind vor den teuflischen Impfungen schützen wollen und es auf Masernparties schicken, damit es trotzdem immunisiert wird. Bloss… Die Krankheit durchzumachen ist eine Qual, die Impfung würde dem Kind all das ersparen. Doch eben, der Aberglaube, der keimt und treibt und wurzelt…
“After twelve days of suffering, Rita and Doug finally took Matthew to a hospital, where he was diagnosed with bacterial meningitis. This disease is 95% curable with antibiotics if treated early, but they had waited too long. After a week in intensive care, Matthew died. One of the Swans’ fellow Christian Scientists later said to them, “Life on earth is such a pinprick, what does it matter?”
Matthew isn’t the only child of Christian Scientists to die from easily treatable medical conditions. Other children have died from diabetes, from appendicitis, from allergic reactions to insect stings, and from cancer. Most horrible of all was the 1986 case of Robyn Twitchell, who suffered a twisted bowel that worsened into peritonitis when his Christian Scientist parents refused to take him to the hospital. Robyn suffered horrifically for five days until he died; by the end, he was vomiting up blackened portions of his ruptured intestine.”1
Kann es sein, dass die Presse nicht mit der Wissenschaft und einer gehörigen Portion Rationalismus im Rücken agiert?
Oh, gewiss, die Tendez geht schon Richtung Impfungen. Am Artikel1über die Impfunwilligkeit und dergleichen im Bund ist auch nichts auszusetzen. Der Artikel gibt sich schön neutral. Gibt Impfgegnern und Impfbefürwortern gleich viel Platz. Das ist an sich gut, hätten die Impfbefürworter nicht die Evidenz im Rücken und Impfgegner bloss krude Ängste.
Aber lassen wir das und machen einen Schritt zur Seite, um uns das Interview2mit dem Berner Hausarzt und Mitglied der Arbeitsgruppe für “differenziertes” Impfen Peter Klein anzusehen.
Beim Impfen gehe es laut ihm, nicht wirklich darum, Krankheiten zu vermeiden, sondern irreparable Schäden und tödlich verlaufende Komplikationen zu verhindern. Statt die Minimierung von Leiden also bloss die das Verhindern von Behinderung und Tod?
However, hm? Nicht ganz, denn es gibt da noch jene Masernparties, von deren Existenz Herr Klein sehr wohl weiss, die er glücklicherweise auch nicht befürwortet - weil er das “sehr artifiziell” findet -, aber auch nicht vehement ablehnt.
Impfparties?
Yep, da bringt man masernkranke mit gesunden Kindern auf einen Haufen, damit am Ende des Abends möglichst alle eine Portion Viren erwischen. Hey, um Kinder zu immunisieren gibt es neuerdings Impfungen. Damit kann das Immunsystem zur Bildung von Antikörper angeregt werden, ohne dass das Kind dabei an Masern erkrankt (lediglich in 3-5% der Fälle kommt es zu Impfmasern3.
Es gibt schlichtweg keine Belege dafür, dass Impfungen zu anderen Krankheiten führen oder das Immunsystem als Ganzes schwächen oder gar Autismus verursachen. Got that? Und hier haben wir einen Punkt, wo Aberglaube gefährlich wird. Leute sterben an Masern. Inmitten von Westeuropa ((wikipedia - Masern in Europa)). Weil die Impfung abgelehnt wird; aus Gründen des Glaubens. Got this now? Presse?
So, jetzt haben die Impfgegner ihre Bescherung. In der Schweiz ist eine Masernepidemie ausgebrochen1. Auch Grossbritannien hat so seine Probleme mit den Masern2 Wie es sich jetzt herausgestellt hat, sind antroposophische Schulen ein interessanter Epidemiehort.3
Doch eben, wir leben in Zeiten, da Feng Shui von Bundesbehörden empfohlen wird, da darf der kleine Bürger auch so seinen Aberglauben herumtragen und mit grossen Portionen Unwissen um sich schmeissen. Auch wenn der “Allgemeinpraktiker” ist und irrigerweise meint, Impfen biete nur einen minderen Schutz, um sicher vor Masern zu sein, nütze einzig und allein die deftige Erkrankung an ihnen.4 Da müssen noch diverse Leute ihre Hausaufgaben machen. So schwer ist das Prinzip der Impfung ja nicht zu verstehen, oder?
Ausser man ist besessen von irrationalem Aberglaube, der so absurd ist wie gefährlich. Die Anti-Impf-Hysterie hat sich tief in unsere Gesellschaft gefressen. Jetzt dürfen wir ihre Früchte essen: Epidemien. Genau, kleine Kinder, die erkranken, obwohl sie hätten gesund bleiben können. Sie liegen im Spital, mit peinigenden Qualen, statt in diesen ersten Frühlingstagen draussen zu spielen. Und ich will nicht derjenige sein, der dem kleinen Kind erklären muss, wieso es jetzt Tage im Siechtum verbringen muss, obwohl eine kleine Impfung es davor hätte bewahren können.
Ich versteh’s einfach nicht. Wie kann man bloss derart fern der Realität leben? Diese gottverfluchten Verschwörungstheorien und diffusen Ängste vor allem, was nicht direkt vom Acker des Nachbarbauern stammt. Als hätte es die Aufklärung nie gegeben. Der religiöse Wahn zeigt sein wahres, abgrundtief hässliches Gesicht.
Nein, ich versteh’ einfach nicht, wie man seine eigenen Kinder leiden lassen kann.