Ein Interview mit Josef H. Reichholf, Zoologe, Ökologe und Evolutionsbiologe:
Bedrohen die gewaltigen Änderungen, die im Moment vor sich gehen, nicht die Existenz der ganzen Menschheit?
Na, unsere Existenz sicher nicht. Der Mensch hat in den mindestens 120 000 Jahren, die er existiert, schon wesentlich grössere Klimaänderungen überlebt. Der Wechsel von der warmen Zwischeneiszeit in die Würmeiszeit war extrem. In der Warmzeit lebten Nilpferde im Rhein und in der Themse. Tiere mit afrikanischen Temperaturansprüchen gab es bis Nordwesteuropa. Der Sturz in die Eiszeit war eine ganz grosse Herausforderung, die viele Tiere und Pflanzen nicht überlebt haben, die Menschen schon.
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Der volkswirtschaftliche Schaden der Klimaveränderung geht ja schon heute in die Milliarden, wenn man zum Beispiel an die Verwüstungen denkt, die der Hurrikan Katrina in New Orleans angerichtet hat.
Hurrikane sind wie Überschwemmungen oder Dürren Wetterereignisse. Man darf sie nicht mit dem Klima gleichsetzen. Dass die Mississippi-Dämme so marode waren, dafür kann man doch den Hurrikan Katrina nicht verantwortlich machen. Auch dass bei den letzten Hochwassern von Elbe und Oder die Dämme aus DDR-Zeiten nicht hielten, hat nichts mit den Fluten direkt zu tun, sondern mit der Entwicklung in der damaligen Zeit. In Bayern haben die Dämme gehalten, obwohl Donau und Inn ähnliche Wassermengen geführt haben.1