I’m gettin’ a bit angry. Just a lil bit.
Als Atheist ist man es ja gewohnt, dass man für alle möglichen Übel (die manchmal bloss in den Köpfen unserer Sittenwächter problematisch sind, und nicht in der Realität dort draussen.) verantwortlich gemacht wird: Hitler. Stalin. Hungersnöte. Pornographie. Amokläufer. Homosexualität. Scheidungen. 1.-Mai-Krawalle. Ebola.
Wenn der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng jetzt jedoch meint, die Atheisten seien Schuld an den Taten von Josef F. aus Amstetten, dann steht die Scheisse bis zum Hals.
Wörtlich:
Die Presse:Die Kirche ist vielerorts Katalysator sozialen Zusammenhalts; ist das soziale Netz durch den Rückgang der Kirchenmitgliedschaften gefährdet?
Küng: In der Tat ist die Erneuerung des Glaubenslebens sehr wichtig. Ohne Glauben wird der Egoismus immer stärker, die Menschen verrohen und vereinsamen.
Man beachte gar nicht die innere Unlogik bei Sätzen wie:
Die Presse: Nach dem Missbrauchsfall von Amstetten stellt sich wieder die Frage der Theodizee: Wie kann ein allmächtiger Gott das zulassen?
Bischof Klaus Küng: Gott hat den Menschen mit Freiheit ausgestattet. Diese befähigt zum Guten, kann aber auch zum Bösen missbraucht werden. Die schrecklichen Geschehnisse in Amstetten zeigen, zu welchen Untaten eine Perversion führen kann, wenn sie mit Intelligenz und gewissen Fähigkeiten kombiniert ist. Das Leiden Unschuldiger ist hier Folge des Bösen. Es gibt unverschuldete Leiden, die – wie für Hiob in der Bibel – zur großen Prüfung werden.
So so, der Mensch ist zwar grundsätzlich frei, aber wenn er denn etwas Grauenhaftes tut, dann liegt es nicht an der handelnden Person, sondern am imaginären Bösen, das früher mal Satan hiess. Dagegen hilft nur ein Exorzismus. Dazu spottet es dem Leid, das die Kinder durchmachen musste, wenn der Herr Bischof irgendwas von einer grossen Prüfung schwafelt.
Aber es kommt noch besser, der Bischof leidet an einem gewaltigen Realitätsverlust:
Die Presse:Von manchen Medien wird das lange Nicht-Entdecken des Verbrechens auf ein autoritäres System zurückgeführt, das auch im Katholizismus wurzle. Ist das etwas Wahres dran?
Küng: Ich habe nicht den Eindruck, dass es hier ein besonders autoritäres System gibt und noch weniger, dass es im Katholizismus wurzelt. Gerade in Niederösterreich gibt es viele Gemeinden mit einem guten Miteinander. Problematisch ist, dass in letzter Zeit durch Ausbreitung der Pornografie, durch Erotikmessen und die Liberalisierung der Sexualerziehung ein sittlicher Niedergang stattfindet. Vielleicht sind diese Tendenzen auch in die Kirche eingedrungen, sodass Gläubige ihre Widerstandskraft verlieren.1
Die Kirche hat sich seit Jeher für die Direkte Demokratie eingesetzt. Leider waren die bösen, autoritären Atheisten viel zu mächtig und haben die westliche Zivilisation während knapp zwei Jahrtausenden geprägt. Und ganz offenbar ist die Sittenstrenge der Kirche, der jeder einzelne Priester unterworfen wird, das einzige Mittel gegen sexuelle Gewalt. Sonst würde man ja ständig davon hören, wie Kinder von Priestern missbraucht werden.
Aber was beklag’ ich mich. Dass diese Bischöfe scheinheilig sind, ist ja nichts Neues. Man denke nur an den Prunk-Palazzo des Papstes und die Enthaltsamkeit, die von den Mönchen gefordert wird. Und neuerdings auch von Managern. Und allen beliebigen Leuten, die nicht gerade Bischof oder Papst der katholischen Kirche sind.