Die Fitna-Affäre ist noch nicht zu Ende. Geert Wilders Film schlägt immer noch hohe Wellen. Islamkritik, Islamgegner, Islamhasser, Rechtspopulist, Anti-Islam-Film, Gotteslästerer, Islam-Dissident, Rassist: All dies sind beliebte, teils pejorative Lückenbüsser, um das freche und spitze Wort Meinungsfreiheit unangetastet zu lassen.
Ich habe mit Fitna innerlich abgeschlossen, doch da sich nun zwei extrem Prominente Vertreter der gehobenen Kritik am Islamismus zu Wort melden, fühle ich mich verpflichtet, kurz den Hinweis darauf niederzuschreiben.
Zum ersten hätten wir da: Flemming Rose, Kulturchef der berüchtigten dänischen Zeitung Jyllands-Posten:
Die Welt: Warum ist es also Ihrer Meinung nach wichtig, dass genau diese Karikaturen oder eben genau dieser Film öffentlich wird?
Flemming Rose: Ich habe als Student und dann als Korrespondent in der Sowjetunion gelebt. Bei dem, was unter der Mohammed-Krise geschah und auch jetzt wieder passiert, kann ich Muster von damals wiedererkennen. Damals war die Kritik an der sowjetischen Lebensweise, am Marxismus-Leninismus kriminalisiert. Heute soll die Islamkritik verboten werden. Ideologien haben aber keine Schutzrechte, sie sind da, um kritisiert zu werden. Menschen haben Rechte, nicht aber Ideen. Diejenigen, die sagen, man solle nicht kränken, oder die Kränkung religiöser Gefühle verbieten wollen, verstehen nicht, dass ihre Argumente im Nahen Osten gebraucht werden, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen.1
Dann, eine Ehre für mich, Ibn Warraq2:
“Fitna” wird und ist bereits bei Muslimen auf Empörung gestoßen, auch wenn die öffentlichen Reaktionen bisher ziemlich verhalten waren. Das wirft die Frage auf: Warum sind die Gefühle von Muslimen soviel wichtiger als die aller anderen? Es gibt kein Recht darauf, nicht beleidigt zu werden. Ich selbst fühle mich tief beleidigt durch die Inhalte des Korans, den darin enthaltenen offenen Hass gegen Christen, Juden, Abtrünnige, Ungläubige und Homosexuelle - aber ich kann dennoch nicht ein Verbot der islamischen Schrift verlangen.3