Webster Cook und PZ Myers erhielten Morddrohungen, weil ersterer mit einer Hostie aus der Kirche lief, statt sie zu essen und weil zweiterer Cook in Schutz nahm und später einen rostigen Nagel durch einen Eucharist stiess, ein Foto davon machte und es veröffentlichte. Wer denkt, Christen würden nur in den USA wegen einem Keks ausrasten, irrt:
Auch in Deutschland – in Wiesbaden – griffen Ende 2007 Gläubige einen Mann an, weil er eine bei dem geschilderten Ritual verteilte Oblate nicht augenblicklich verzehrte. Der Dekan verprügelte ihn so, dass der Mann ins Krankenhaus musste. Von Amts wegen gab es – gegen den Verprügelten! – eine Anzeige wegen “Störung der Religionsausübung”. Der Wiesbadener Stadtdekan Johannes zu Eltz erklärte in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk: “Für den Schutz einer Hostie würde ich mich, wenn es sein muss, umbringen lassen.” Und vor diesem Irrsinn kapituliert unser Staat!1
Aus diesem Anlass und aus Protest gegen jeglichen religiösen Fanatismus ein weitere Video aus fsmdudes Serie “Eucharist Desecration”:
anlässlich der hostienkrise (wafergate, crackergate) offeriert ein junger atheist in butter gebratene hostien mit schlagsahne dazu. 27 videos hat fsmdude schon gefilmt. in jedem schändet er eine hostie auf eine ander weise. jeden tag kommt ein neues video dazu. blasphemie. pure blasphemie. und es ist schön, dass sowohl in kanada, wie auch in der schweiz gotteslästerung erlaubt ist. das muss auch so bleiben. zudem gilt es, einer unmenge an leuten klar zu machen, dass atheisten nicht minderwertig sind und meinungsfreiheit nicht verhandelbar ist. denn pz myers und webster cook erhielten beide morddrohungen. genau wie die zeichner der mohammedkarikaturen und wohl auch michael schmidt-salomon, autor des ferkelbuchs. eine schande. und gegen theokratische anwandlungen jeglicher art gilt es anzukämpfen.
und wer jetzt “holy eucharist!” geschrien hat, den möchte ich daran erinnern, dass nichts heilig sein darf.
Crackergate grummelt immer noch munter weiter, doch untenstehende, auf die Hostienkrise bezogenen Worte sind es absolut wert, zitiert zu werden:
It’s about the importance of not always showing kid-glove respect, and of keeping our sense of proportion, and knowing the difference between someone attacking what you do or believe, and someone attacking you.1
Genau. Manchmal muss man die Samthandschuhe einfach ausziehen und die harten, schmutzigen Worte hervor holen. Manchmal geht es nicht anders. Aber hey, wer sich dazu hinreisst zu agieren oder zu reagieren, dessen Taten und Überzeugungen werden früher oder später kritisiert werden. Und das Recht zu kritisieren und schamlos verbale Attacken zu reiten macht die Meinungsfreiheit gerade aus. Oder wo ist die Freiheit, wenn jeder ein Honigmondlächeln hat und bloss übers Wetter redet?
Es ist vollbracht, PZ Myers ist der Hostie gegenüber getreten und hat sie mit tiefer Verachtung bestraft. Aber was verlier’ ich noch Worte, hier sind ein paar Ausschnitte aus seinem Blogeintrag:
I think if I were truly evil, I would have to demand that all of my acolytes be celibate, but would turn a blind eye to any sexual depravities they might commit. If I wanted to be an evil hypocrite, I’d drape myself in expensive jeweled robes and live in an ornate palace while telling all my followers that poverty is a virtue. If I wanted to commit world-class evil, I’d undermine efforts at family planning by the poor, especially if I could simultaneously enable the spread of deadly diseases. And if I wanted to be so evil that I would commit a devastating crime against the whole of the human race, twisting the minds of children into ignorance and hatred, I would be promoting the indoctrination of religion in children’s upbringing, and fomenting hatred against anyone who dared speak out in defiance.
I’m sorry to say that I only aspire to be a teeny-tiny bit evil, and my target is a handful of virtually inedible crackers in my possession. It’s not much, and all I can say in my defense is…it’s a start. A very small start. I’m going to need lots and lots of people to rise up and follow suit, subjecting old, dishonest institutions of hardened dogma to our chief weapon of ridicule and deris…our two weapons of ridicule, derision and laughter…no, three weapons of ridicule, derision, laughter, and skeptici…oh, never mind. You know what I mean. Get to work.
Na gut, wenn PZ Myers mich schon auffordert, dann erlaube ich es mir, das Bild der Grossen Entweihung hier zu posten:

Yep, ihr seht ganz recht, da ist eine Seite aus Dawkins God Delusion drin. (Und dies ist das geniale Detail an diesem Foto.) Ich kann Myers voll und ganz zustimmen, wenn er dies mit folgenden Worten kommentiert:
They are just paper. Nothing must be held sacred. Question everything.
(Mhm, in gewissem Sinne ist dieser meinige Blogpost auch Solidarität mit PZ. Im selben Sinne habe ich früher mit Geert Wilders und seinem Film Fitna, den Zeichnern der Mohammedcartoons und Michael Schmidt-Salomon und seinem Ferkelbuch Solidarität gezeigt. Was all diesen Fällen gemein ist? Wütende Horden Gläubige und das ganze Spektrum an Empörungswellen.)
Ein schöner Kommentar zur aktuellen Keksdebatte hat JLT für euch bereit. Der Titel sagt eigentlich schon alles: Man muss nicht immer alles tun, nur weil man es kann und darf. Ein Kommentar zur Entführten Hostie
Ich muss eingestehen: Leute aufzurufen, Hostien ungebührlich zu behandeln, grenzt doch an tiefe Respektlosigkeit. Nein, ein Gentleman - mag er noch so unbarmherzig mit den Worten sein - tut so etwas nicht. Auch wenn es zutiefst amüsant sein kann.
Ich muss auch eingestehen: Unsere Schäfchen sind zu ebenso dicker Scheisse fähig, wie die Fans der Gegenseite. Ja, Besucher von Pharyngula haben den aufgebrachten Katholiken Hass-Mails zurück geschrieben. Natürlich kann keiner sagen, inwiefern diese Idioten aus unserer Ecke tatsächlich atheistische Humanisten sind wie wir, oder bloss irgendwelche Trittbrettfahrer.
Die ganze Geschichte ist jedenfalls saumässig ausgeartet.
Meinen Respekt aber für PZ Myers Aufruf an seine Schäfchen, sämtliche Anfeindungen augenblicklich zu stoppen:
It is most definitely not intended to incite harassment. I do not want you to be dunning these people with email, threatening them back, signing them up for spam, or otherwise being a jerk. For one thing, we can’t be certain that an innocent’s account hasn’t been hijacked; for another, we’re supposed to be better than that.1
Ich denke, damit wäre die Angelegenheit Hostienkrise beendet. Für mich jedenfalls. (Gut, das dachte ich schon nach dem ersten Posting auf Pharyngula, obwohl ich hätte ahnen können, das solche Geschichte immer hässlich enden. - Ich naiver Misanthrop denke immer noch zu gut von uns Menschen.)
Nach der Karikaturenkrise, der Ferkelbuchkrise, haben wir nun eine Hostienkrise.
Nein, dieses Mal sind nicht etliche Moslems darüber aufgebracht, dass ein paar Karikaturisten Satire mit Mohammed betrieben haben. Keine vereinten Weltreligionen und andere Nette, die gegen ein säkulares Kinderbuch mit einem kleinen atheistischen Schweinchen drin Sturm laufen. Ach, selbst um Udo Ulfkotte und seine Frau Doris geht es nicht, denen wütende Moslems wegen einem Video, das die beiden nicht gedreht haben, an den Kragen wollen.1
Katholiken wollen PZ Myers umbringen, weil er zur Schändungen von Hostien aufgerufen hat. Zuvor wollte dasselbe fanatische Pack schon Webster Cook umbringen, der eine Hostie aus der Kirche mitgehen liess. Statt sie zu essen und so Kannibalismus zu begehen, ist er mit ihr aus der Kirche spaziert. Aus katholischer Sicht Jesusentführung und ein übles Hate Crime.2
PZ Myers hat in seiner ironisch-bissigen Art einen Blogpost über diese kleine Marginale geschrieben.3 Er rief darin auch seine Leser dazu auf, ihm Hostien zuzusenden, die er dann öffentlich mit tiefer Verachtung behandeln werde.
Myers erhielt (und erhält wohl immer noch) in der Folge eine Flut Hass-E-Mails4 und einige Morddrohungen5. Zudem wurde klar, dass sehr viele nicht möchten, dass Atheisten, die den Katholizismus in seinen Grundfesten kritisieren, vom Staat beschäftigt werden. Die Catholic League (Eine Organisation mit 4 Angestellten und einem Budget von knapp 3 Millionen Dollar und deren Boss Bill Donohue die Macher von South Park “kleine Nutten” nannte, weil diese ihn in einer Folge karikierten.) hat festgestellt, dass PZ Myers Blog auf der Fakultätswebsite verlinkt ist. Die CL will deswegen nun den Präsidenten der Universität kontaktieren6. Ein Republikaner hat als Reaktion auf Myers Blogpost nun sogar für die Republican National Convention in Minneapolis zusätzliche Sicherheitsleute angeheuert, weil er sich Sorgen um die Sicherheit der Katholiken macht7. Immerhin erhält PZ Myers nun Rückendeckung von Richard Dawkins8 und - natürlich - der vereinten atheistischen Bloggemeinschaft.
I guess I just don’t see why wafer rights should outweigh human rights.9
Webster Cook hat eine Hostie mitgehen lassen. Yep, statt sie zu verzehren, ist er einfach mit ihr davon gelaufen. Bubenstreich, könnte man meinen.
Doch nein, die katholische Weltgemeinschaft steht Kopf. Cook erhält sogar Todesdrohungen.
Die lokale Diözese spricht gar von einem Hate Crime:
“We don’t know 100% what Mr. Cooks motivation was,” said Susan Fani a spokesperson with the local Catholic diocese. “However, if anything were to qualify as a hate crime, to us this seems like this might be it.
We just expect the University to take this seriously,” she added “To send a message to not just Mr. Cook but the whole community that this kind of really complete sacrilege will not be tolerated.”1
Ein Priester vergleicht es mit Kidnapping (Yep, jetzt könnte man lachen, doch man verstehe den katholischen Glauben dahinter: Während diese Cracker gesegnet werden etc. verwandeln sie sich in den Leib Christi. Statt Jesus zu essen, ist Cook also mit ihm davon gelaufen.):
“It is hurtful,” said Father Migeul Gonzalez with the Diocese. “Imagine if they kidnapped somebody and you make a plea for that individual to please return that loved one to the family.”2
Wegen den Todesdrohungen hat Cook den Keks mittlerweile zurück gebracht. Während der Sonntagsmesse liess die Kirche jedoch die Hostien von bewaffneten Polizisten bewachen.
hat tip: dvizard