Samir Kuntar, der am 22. April 1979 ein vierjähriges Mädchen ermordet hat, in dem er dessen Schädel mit einem Gewehrkolben gegen einen Felsen geschmettert hat und sich auch sonst leidenschaftlich im Terrorismus geübt hat, wurde nun freigelassen. Im Austausch gegen die sterblichen Überreste von Ehud Goldwasser und Eldad Regev. Ihr habt die Geschichte alle gehört.
Danach ging er mit seinen Terroristenkollegen der Hisbollah und Nasrallah feiern. Und grüsste seine Groupies in einer ihm ureigenen Weise.1 Ein sehr schwer zu beschreibender Gruss, weswegen die Bildbeschreibung beim Spiegel nur
Demonstrativ posiert Kuntar vor einer Menge aus Hisbollah-Anhängern. Das graue Sweatshirt hat er gegen eine Tarnjacke eingetauscht.2
lautete. Doch auch AP fällt es schwer, diesem Gruss einen Namen zu geben:
Samir Kuntar gestures as he symbolically breaks through makeshift prison bars during celebrations for his release in Beirut. 3 Edit: Es handelt sich hier um ein Standbild aus diesem Video hier. Samir zeigt dabei keinen Hitlergruss, sondern winkt auf eine sehr merkwürdige Art mit durchgestrecktem Arm und einer nach unten zeigenden Handfläche. Ich entschuldige mich beim Leser.
Im gestrigen Tagesanzeiger findet sich das Bild des grüssenden Kuntar nicht einmal. Des Kuntar, der die Hand zum Hitlergruss gereckt hat. Man mag es der Leserschaft offensichtlich nicht zumuten.
Journalistische Neutralität bedeutet heutzutage ausserdem auch das unschöne Wort Terroristen zu vermeiden. Man spricht lieber von Kämpfern, teils auch von Widerstandskämpfern oder mit einer andern Konnotation: Freiheitskämpfern.4
Der zwiespältige (Achtung: Euphemismus!) Abbas hat der Familie des Samir Kuntar übrigens schon gratuliert.5
Es macht mich irgendwie traurig, wenn Vereine, die das Wörtchen Frieden im Namen tragen, sich für terroristische und islamotheokratische Organisationen wie die Hisbollah einsetzen.
Der Deutsche Friedensrat e.V. hat Klage eingereicht, weil der Polizeipräsident von Berlin Hisbollah-Flaggen und Nasrallah-Bilder auf Demonstrationen verboten hat. Mit Erfolg.
Die Begründung des Friedensrat:
Nach Meinung der Polizei billigen die Versammlungsteilnehmer Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Hisbollah oder riefen zu solchen Verbrechen auf. Darin sehen wir eine einseitige Wahrnehmung des Nahostkonflikts. Das Zeigen von Hisbollah-Symbolen bedeutet keine Billigung von Kriegsverbrechen.1
Es ist schwer zu verstehen, wie jemand gleichzeitig Frieden wollen kann und gleichzeitig für Hassprediger wie Hassan Nasrallah einsteht (Ja, wenn irgendjemand fordert, bestimmte Symbole einer mörderischen Vereinigung/Person tragen zu dürfen, ohne dies im Namen der Meinungsfreiheit und somit für sämtliche Symbole und Bilder zu tun, interpretiere ich dies als “Partei ergreifen für diese Gruppierung/Person”.):
“Wenn irgendein Moslem die Fatwa des Imam Chomeini gegen den Gotteslästerer Salman Rushdie in die Tat umgesetzt hätte, dann hätten sich jene verachtenswürdigen Leute nicht getraut, den Propheten Mohammed zu beleidigen - weder in Dänemark, noch in Norwegen, noch in Frankreich..”2
Ich begreife es nicht. Ich begreife es einfach nicht. Diese Heuchelei. Ja, selbst das ist noch ein Euphemismus. Gezielte Irreführung trifft es wohl besser.