Greenpeaces technologiefeindliche und antikapitalistische Gesichtszüge waren mir im Hinterkopf bekannt, allerdings hätte ich die Baumküsser für pragmatischer eingeschätzt, als sie tatsächlich sind. Statt Hungernden Nahrung zu gönnen, raten sie Drittweltstaaten, Hilfslieferungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln abzulehnen.1
Zuletzt litten 2002 etwa 12,8 Mio. Menschen im südlichen Afrika unter einer Hungerkatastrophe. Verschlimmert wurde sie durch die Weigerung Sambias, Mosambiks und Simbabwes, handelsüblichen US-Mais mit GVO-Anteilen von bis zu 30% zu verteilen. Bis zuletzt verweigerte nur noch Sambia die Ausgabe der zugelassenen Lebensmittel. Präsident Mwanawasa berief sich wiederholt auf gentechnikkritische Positionen aus Europa. Im September 2002 erklärte er, sein Land würde lieber verhungern, als “als etwa Giftiges anzunehmen”. Vertreter von Greenpeace und Friends of the Earth pflichteten ihm bei und kamen unter Druck, für Zigtausende von Hungertoten Mitverantwortung zu tragen.2
Über diese heimtückische kleine Begebenheit erfuhr ich in einer Penn & Teller: Bullshit!-Folge. (Staffel 1, Episode 11: Eat This!) Deshalb kann es gut sein, dass in der Zwischenzeit andere solche Ereignisse vorgefallen sind. Greenpeace werkelt weiter am Kampf gegen Genfood und hat ihre Position seit 2002 bezüglich Hungerkrisen, Hilfslieferungen und grüner Biotechnologie wohl nicht überdenkt. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Greenpeace eher erstarkt ist. Besonders wegen der engen Verknüpfung mit Umwelthysterikern, Naturromantikern, Technologiefeinden und Sozialisten. Jean Ziegler dürfte sich bei Greenpeace ganz zu Hause fühlen.
Damn it, nicht Syngenta bringt Leute um, Greenpeace ist der Übeltäter.
(sda) Der Bundesrat will das Moratorium für eine gentechnikfreie Landwirtschaft um weitere drei Jahre verlängern. Das gegenwärtig geltende Moratorium läuft im November 2010 aus. Die Landesregierung will nun Zeit gewinnen, um Klarheit über Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen zu gewinnen. Die Resultate des entsprechenden Nationalen Forschungsprogramms liegen voraussichtlich Mitte 2012 vor. Vollzugsbestimmungen für den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen im Freiland könnten sinnvollerweise erst erarbeitet werden, wenn diese Grundlagen vorliegen, hielt der Bundesrat am Mittwoch fest.1
Leuenberger meint gar, die Verlängerung des Moratoriums entspräche dem Volkswillen. Zwar wollte das Volk bloss ein Moratorium bis 2010, und nicht bis 2013, aber das ist ja ein Detail und was das Volk will, sowieso egal.
Doch selbst wenn. Wenig ist derart unbegründet wie die Furcht vor Gentechnik. Häufig ist diese wohl sowieso nur Teil einer allgemeineren Technophobie oder Futurophobie. Manchmal geht sie auch Hand in Hand mit religiösem Konservatismus.
Vielleicht sollten wir für die Nutzpflanzen- und Kleintierzucht ebenfalls ein Moratorium aussprechen. Schliesslich wurde bei denen noch nie untersucht, ob sie nicht eventuell schädliche Wirkungen haben. Zumal wurden herkömmlich gezüchtete Pflanzen jahrzehntelang als gentechfrei gekennzeichnet. Das grenzt an gezielte Irreführung des Konsumenten. Schliesslich wurden an der Gene einer gewöhnlichen Kartoffel doch ziemlich viel herumgeschraubt. Vom Weizen, den Äpfeln und dem Mais gar nicht erst zu sprechen. Wer weiss, vielleicht verlassen diese künstlich gezüchteten Apfelgene ja die Äpfel und verbinden sich mit irgendwas anderem. Nicht auszudenken, wenn diese plötzlich in Birnen landen würden. Das gäbe mindestens eine Million Tote.
Du lächelst darüber? Wieso lächelst du dann nicht auch über die Argumente gegen Gentech?
Weil es was anderes ist? Stimmt, das Züchten ist effizienter geworden. Direkter. Man muss sich nun nicht mehr mit hunderten von Pflanzengenerationen abmühen, bis man dann vielleicht das gewünschte Ergebnis erlangt. Gentech ist zwar bei weiten davon entfernt, uns den Werkzeugkasten für die Zucht von Wunschpflanzen in die Hand zu drücken, doch das Züchten fällt nun schon leichter als noch bei den alten Ägyptern.
Lustigerweise sind auch Bio-Produkte unbedingt gentechfrei. Blinde Naturromantik. Vermutlich.
Opus Dei betreibt in Spanien ein Forschungszentrum für Biomedizin. Gentherapie und Stammzellenforschung würde man den Erzkatholiken zwar nicht zutrauen, aber der Opus Dei vermag immer wieder zu überraschen ~ Opus Dei betreibt Stammzellenforschung in Spanien