Neil Shubin, Mit-Entdecker des Tiktaalik und Autor des Buches Der Fisch in uns, im Interview mit der NZZ:
Jedes Mal, wenn Sie Ihren Nacken bewegen, danken Sie Tiktaalik, dass er den Hals erfunden hat.
Was ist eine Art?
Laienhaft antworten wir auf diese Frage, und streiten uns danach darüber, was ein Mensch denn nun sei, ob Chimären nicht grauenhaft seien und über Missing Links.
Bloss:
Dass es so schwierig ist, einen eindeutigen Artbegriff zu definieren, ist nicht zuletzt eine Folge der fließenden Übergänge zwischen ‘eine Art’, ‘eine Art mit lokalen Variationen’, ‘eine Art mit zwei Unterarten’, ‘zwei sehr nahe verwandte Arten’. Die Vögel mit den unterschiedlichen Balzgesängen, auch wenn man sie je nach Definition noch zu einer Art zählen kann, besitzen in jedem Fall alle Voraussetzungen, sich auch auf genetischer Ebene weiter auseinander zu entwickeln.
Mit anderen Worten, dass es keine klaren Artgrenzen gibt, ist sowohl das, was das Finden einer Definition so erschwert als auch genau das, was man erwarten sollte, wenn denn Evolution stattfindet.1
Die Evolution geht einfach nicht in die Köpfe der Leute rein. Die kriegen sie an jeder denkbaren Schule gelehrt, doch wenn’s ernst wird, dann trennen sie immer noch Tier und Mensch und bilden Hierarchien unter den Arten.
Das US-Militär hat offenbar Leichen von im Irak oder in Afghanistan getöteter Soldaten in einem Krematorium verbrannt, in dem auch Haustiere eingeäschert werden. Der Vorgang wurde bekannt, nachdem der republikanische Präsidentschaftsikandidat John McCain, der auch im Armeeausschuss des US-Senats sitzt, vom Verteidigungsministerium eine offizielle Untersuchung einforderte. “Dieser Bericht”, sagte McCain, “ist höchst beunruhigend. Unsere Männer und Frauen in Uniform, die das höchste aller Opfer bringen, müssen mit Würde behandelt werden.”1
Und wenn Asche mit Asche, dann entwürdigt das die eine Asche.
Nee, das geht nicht einmal mit dem Christenglauben konform. A la “Asche zu Asche, Staub zu Staub.” und “Nach dem Tod ist die Seele in Himmel oder Hölle entschwunden”. Was stört es also die Seele, die nun ganz anderswo ist, ob jetzt irgendwo Asche neben Asche liegt und was die eine Asche früher gewesen ist.
Ich glaube, ich sollte nicht versuchen, Logik in den Glauben reinzubringen, wird ja der gerade durch die ihm eigene Illogik charakterisiert.
Mich wundert aber, ob die Leute noch Mais essen würden, wenn sie rausfänden, dass der auf den Überresten von Ratten gewachsen ist.
Begriffe wie „entscheiden“ und „handeln“ schreiben wir eben Personen zu und nicht biologischen Organismen und erst recht nicht ihren Organen. Der Mensch als Kultur- und Sozialwesen handelt. Bei Tieren sprechen wir hingegen nicht von Handlungen, sondern von Verhalten.2
Der Bursche kriegt grosse Probleme, wenn er mal ein Biologiebuch aufschlägt und was über die Evolution liest. So schwer ist es ja eigentlich nicht zu verstehen, dass es in der Evolution nichts “Höheres” und nichts “Niederes” gibt. Dass nichts an irgendeiner Spitze steht und jede Art zugleich “Missing Link” ist, und keineswegs ein Endprodukt. Dass Unterschiede zwischen den Arten höchstens graduell, nie aber grundlegend sind.
“If you think you understand [evolution], you don’t know nearly enough about it.”
Darwin presented compelling evidence for evolution in On the Origin and, since his time, the case has become overwhelming. Countless fossil discoveries allow us to trace the evolution of today’s organisms from earlier forms. DNA sequencing has confirmed beyond any doubt that all living creatures share a common origin. Innumerable examples of evolution in action can be seen all around us, from the pollution-matching pepper moth to fast-changing viruses such as HIV and H5N1 bird flu. Evolution is as firmly established a scientific fact as the roundness of the Earth.
Most of us are happy to admit that we do not understand, say, string theory in physics, yet we are all convinced we understand evolution. In fact, as biologists are discovering, its consequences can be stranger than we ever imagined. Evolution must be the best-known yet worst-understood of all scientific theories.
Genomicron - If you think you understand evolution…
und damit wird erst einmal aufgeräumt mit all diesen falschen vorstellungen von der evolution. geniesst es und lernt!
Nicht nur die Evolutionstheorie hat einen Schöpfergott überflüssig gemacht, auch die Astronomie:
Und die Menschheit, die ein kleines Staubkorn in einem ungeheuer großen Kosmos bewohnt und einen winzigen Bestandteil des Lebens in diesem Staubkorn darstellt, sieht kaum nach etwas Besonderem aus. Das für uns sichtbare Universum enthält 100 Milliarden Galaxien, jede davon mit 100 Milliarden Sternen. Aber der bei weitem größte Anteil des Universums, der sich vom ursprünglichen Chaos expotenziell ausdehnt und mindestens 50 Größenordnungen mehr umfasst, liegt fern von unserem Horizont.
Das Universum, das wir mit unseren stärksten Teleskopen sehen können, ist nur ein Sandkorn in der Sahara. Und dennoch sollen wir glauben, dass ein erhabenes Wesen existiert, das den Pfad jedes Partikels verfolgt, während es den Gedanken eines jeden Menschen lauscht und seinen Lieblingsfußballmannschaften zum Sieg verhilft. Die Wissenschaft hat den Glauben an Gott nicht nur überflüssig gemacht. Sie hat ihn zusammenhanglos gemacht.1
Will man das Versagen der Schule demonstrieren, dann muss man nicht irgendwelche gewalttätige Migrantenkinder und schlechte Pisa-Ergebnisse hervor kramen, es reicht, wenn man auf die Strasse geht und die Jugendlichen/jungen Erwachsenen zur Evolution befragt.
Das beste, das rauskommen könnte - ausser man erwischt gerade einen Biologiestudenten oder jemanden, der übermässig an der Naturwissenschaft interessiert ist - wären wohl irgendwelche Phrasen von blindem Zufall und dem Menschen, der da ganz oben steht und ach so komplex und einzigartig und dergleichen.
Das tut weh. Ganz phyisch. Als würde man seine Finger in eine heisse Bratpfanne drücken.
Der Schule trägt nicht einmal die Schuld daran, dass Evolution - wenn überhaupt akzeptiert - derart missverstanden wird. Denn Evolution wird - zumindest meinem Erleben zufolge - bloss rudimentär, vielleicht mit einer halben Schulstunde behandelt. Ebenso beim Urknall. Mir ist bewusst, dass nicht einmal in einem Gymnasium die nötige Zeit aufgewendet werden kann, um die Evolution adäquat zu erklären. Geschweige denn den Schülern etwas mehr naturwissenschatlichen Background auf den Weg zu geben. Doch wenigstens einmal zu erwähnen, dass bei den Neutronen und Protonen nicht einfach Schluss ist oder zu erklären, was eine wissenschaftliche Theorie ist und was wissenschaftliches Vorgehene denn überhaupt ist… Ist das zu viel verlangt?
Scheinbar schon.
Deshalb hier der Verweis auf etwas Evolutionstheorie, genauer gesagt, zwei Missverständnisse, die erklärt werden:
Missverständnis Nr. 1: Korallen, Fadenwürmer oder Fruchtfliegen ständen “ziemlich weit unten” im evolutionären Stammbaum und wären (daher) näher miteinander verwandt als mit dem Menschen. Korallen sollten deswegen in ihrer Genausstattung Fruchtfliegen oder Fadenwürmern ähnlicher sein als Menschen.
Missverständnis Nr. 2: Evolution würde von einfach zu komplex verlaufen und dies erfolge durch die Addition neuer Gene.1
Nein, schön ist die Evolution nicht. Ein Fakt, den man akzeptieren muss, aber die Menschheit ist immer noch vernarbt von ihrer Gewalt. Zehen. Gänsehaut. Schluckauf. Und andere Skurrilitäten ~ The Scars of Evolution