Werbung: Geissel der Gleichberechtigung

„Geschlechtsspezifische Klischees in der Werbung stecken Frauen, Männer, Mädchen und Jungen in eine Zwangsjacke, beschränken Individuen auf vorgegebene künstliche Geschlechterrollen, die oftmals herabwürdigend, beschämend und erniedrigend für beide Geschlechter sind.” Es sollen, so die Parlamentsverwaltung „Werbespots unterbunden werden, die diskriminierende oder entwürdigende Botschaften auf der Grundlage von Geschlechterklischees vermitteln oder zu Gewalt anstacheln“.1

Deshalb, so entschied das EU-Parlament mit überwältigender Mehrheit, dass “klischeebehaftete” Werbung künftig verboten sein solle.

Sind Personen in Werbespots nicht zwangsläufig rollengebunden? Kann man einen Werbespot über ein Putzmittel machen, in dem nur Personen auftauchen, die nicht gerne in kurzer Zeit irgendetwas sauber machen möchten? Gewiss, gewiss, bloss verlieren dann die Bilder den Zusammenhang mit der Werbebotschaft. Sollte die Person, die im TV den Off-Roader durch den Fluss fährt, nicht einen Autofahrer darstellen, resp. diese Rolle übernehmen?

Und was sind Geschlechterrollen im einundzwanzigsten Jahrhundert noch? Phantome der Vergangenheit. Bis sich jeder seiner Freiheit, aus Rollenbildern auszubrechen, bewusst ist, wird es noch etwas dauern. Doch dies ist normal bei solchen Prozessen. Man braucht sich nicht zu ängstigen, bloss weil gewisse Dinge ein halbes Jahrhundert brauchen. Und wenn wir schon von “klassischen” Geschlechterrollen sprechen: Wieso sollten wir einer Person das Recht nehmen, sich in so einer Rolle wohlzufühlen und dies auch öffentlich zu zeigen? Müssen Politiker, die der Presse stolz Frau und Kinder vorführen, vor jedem Auftritt stets eine kurze Diashow von Paaren mit männlichen Hausfrauen, Patch-Work-Families und ähnlichem zeigen, damit die Heranwachsenden nicht in ein falsches Rollenschema gepresst werden?

Wenn es schlecht sein soll, dass klassische Rollenbilder häufig in der Werbung auftauchen, ist es dann nicht genauso schädlich, wenn diese plötzlich verboten werden und nur noch gegenteilige Rollenbilder gezeigt werden? Sollte das Pendel dann - dieser merkwürdigen Theorie zufolge, die den Werbern beängstigenden Einfluss zuschreibt - nicht in die andere Richtung ausschlagen? Oder ist dies gerade Sinn und Zweck davon?

Wenn es erniedrigend ist, wenn Frauen beim Putzen gezeigt werden, ist es nicht genauso herabwürdigend, wenn dann putzende Männer gezeigt werden? Ist Kochen eine Paria-Tätigkeit geworden? Wird man zum Aussätzigen, wenn man in einem Werbespot ein schnelles Auto fährt? Nur wenn man dazu auch noch männlichen Geschlechts ist?

Werbespots stacheln zu Gewalt an? Hamas-TV vielleicht. Aber putzende Frauen zu zeigen, scheint mir nicht wirklich ein Aufruf zu Gewalt zu sein. Vielleicht ist aber mein Verstand auch einfach nicht verdreht genug, um in einem Meister-Proper-Spot die Gewalt und die Beschämung zu sehen. Oder geht es um die Gewalt gegen Dreck und Bakterien? Na ja, dann sollte aber auch niemand mehr Hände waschen.

Ah ja, ich erwarte immer noch auf jene empirischen Daten, die einen Kausalzusammenhang zwischen der Anzahl klassischen Geschlechterrollen in TV-Spots und dem Grad der Gleichberechtigung zeigen. Oder geht es doch bloss darum, dass sich ein paar Leute beleidigt fühlen, wenn das Frauentoilettensymbol ein Figürchen mit Rock zeigt? Stecken Schotten dahinter?

  1. eigentümlich frei - EU-Parlament im Verbotsrausch: TV-Werbung hausfrauenfrei []



95 Jahre Kreativitätsbann

Der Urheberschutz für Musikstücke ist in der EU momentan auf 50 Jahre begrenzt. Doch das reicht ganz offensichtlich nicht. Deshalb plant die EU, das Copyright auf 95 Jahre zu verlängern. Viel Spass damit:

The proposal is supposed to secure the pensions of long forgotten artists. In a statement, McCreevy said “I am not talking about featured artists like Cliff Richard or Charles Aznavour. I am talking about the thousands of anonymous session musicians who contributed to sound recordings in the late fifties and sixties. They will no longer get airplay royalties from their recordings. But these royalties are often their sole pension.”

According to the Financial Times, the proposal could come up to vote as early as this Wednesday, July 16th. Also up for discussion would be a plan to split up rights societies by the antitrust arm of the commission, potentially making rights societies compete against each other for the rights to collect royalties from artists.1

  1. torrentfreak - EU to Extend Music Copyright to 95 Years []



Capital Punishment für Bootlegger?

Jemals eine CD gerippt, um sie auf dem iPod zu hören?
Jemals eine Platte aus dem Netz runter geladen?
Jemals ein P2P-Netzwerk wie emule, limewire oder bittorrent benutzt?

Tja, am 16. Juli wird über euer Leben entschieden. Dann gehen dreitägige Verhandlungen der EU mit etlichen anderen Staaten über das internationale Abkommen “Anti-Counterfeiting Trade Agreement” (ACTA) zu Ende. In diesem ACTA geht’s auch ums Filesharing und Bootlegging.
Der einflussreiche Bund der Deutschen Industrie (BDI) fordert dabei ein hartes Durchgreifen gegen Internetpiraterie:

“Der Anreiz, geistiges Eigentum zu brechen, der durch die momentane Sanktionenlosigkeit besteht, muss genommen werden. Das Minimum müsste die Einführung der existierenden Strafrahmen sein, welche für physischen Diebstahl gelten. Der Anreiz, geistiges Eigentum zu brechen, der durch die momentane Sanktionenlosigkeit besteht, muss genommen werden. Das Minimum müsste die Einführung der existierenden Strafrahmen sein, welche für physischen Diebstahl gelten.” Der Zoll solle weiters eine besondere Schulung erhalten und ein “Chief Intellectual Property Enforcement Officer” solle eingesetzt werden. “Abschreckende Schadensersatzhöhen” seien erforderlich genauso wie die “Einleitung von Strafverfahren von Amts wegen”. Das mehrfache Herunterladen und Kopieren von urheberrechtlich geschützten Inhalten solle mit (physischem) “Seriendiebstahl” gleichgesetzt werden.”1

Hat irgendjemand dort “oben” schon mal daran gedacht, dass eine lockerere Handhabung des geistigen Eigentums und der Urheberrechte mehr Vorteile als Nachteile bieten könnte? Dass dies gewaltige Innovationskräfte freisetzen könnte?

Na, vermutlich nicht, ist auch eine abwegige Vorstellung. Ich meine, was wäre bloss aus dieser Welt geworden, hätte der Erfinder des Rads kein Patent darauf angemeldet?

  1. derstandard.at - Download mit Diebstahl gleichsetzen []



Totale EU-Internet-Überwachung aufgeschoben

Die Forderung der Medienvertreter nach einer lückenlosen Internetüberwachung im Kampf gegen Filesharing von urheberrechtlich geschützten Inhalten ist bei der EU abgeblitzt. Der maßgebliche Industrieausschuss des Parlaments stimmte am Montagabend in Straßburg zwar für das Herzstück der Telekommunikationsgesetz-Reform, eine Verankerung der konservativen Vorschläge der Medienlobby wurde allerdings vorerst abgelehnt.1

Doch das ist nicht alles. User und Provider hätten bei Verstössen gegen das Urheberrecht massiv härter bestraft werden sollen. Die Provider hätten dazu den gesamten Internetverkehr überwachen und filtern sollen und, wenn nötig, Internet-Zugänge kappen sollen.

1. Totale Überwachung im Internet? Sind wir wieder zurück im Stasiland, oder wie? Paranoia, welcome back!
Auf jeden Fall wären hier sehr viele extrem sensible Daten gesammelt worden. Und wer würde garantieren, dass nicht Schmierfinke oder andere Verbrecher diese Daten in die Hände bekommen? Selbst wenn man sicher stellen könnte, dass dies nicht passieren würde: Will ich, dass Herr Staat weiss, welche Seiten ich so ansurfe?

2. Die Musikindustrie. Rückständig wie eh und je hat sie immer noch nicht begriffen, dass sie endlich den Sprung ins 21. Jahrhundert wagen muss. Repression ist halt einfacher als Innovation.

3. Filesharenden Usern die Leitung kappen? Wer bitteschön wäre so noch im Netz unterwegs? Es wäre fucking leer. Die virtuelle Welt zu einer Geisterstadt verkommen.

Irgendein stechendes Gefühl in meinem Frontalkortex sagt mir, dass dieser Sturm noch nicht vorbei ist. Dass er sich gar zu einem bitterbösen Hurrikan entwickeln könnte.

  1. derstandard.at - EU: Pläne der Medienlobby zur Internet-Überwachung abgelehnt []



Freidenkermanifest “Achtet unsere Gewissensfreiheit!”

Der „neue“ EU-Verfassungsvertrag befindet sich derzeit in den 27 Ländern der Europäischen Union im Stadium der Ratifizierung. Doch dieser Vertrag ist ein Instrument zur Umsetzung eines Europas der Kirchentürme, das die Religionen zu Mitentscheidern und Mitgesetzgebern der Europäischen Union machen wird. Nach Artikel 16-C der EU-Verfassung erhalten Kirchen und Religionen einen privilegierten Status, der es ihnen ermöglichen wird, wichtige Entscheidungen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments zu beeinflussen.

[...]

Im Gegensatz zu einem Europa der Aufklärung, in dem sich die Menschen im Laufe der Jahrhunderte ihre Emanzipation erkämpft haben, will der europäische Verfassungsvertrag den Völkern für immer ein durch ihre Regierungen aufgezwungenes religiöses Gefängnis verpassen. Er übernimmt das Prinzip des Vertrags von Augsburg, der 1555 beschloss, dass die Völker unbedingt die Religion ihrer Fürsten haben sollen. Die Freidenker betonen daher, dass der Laizismus ein Garant für die Demokratie ist und dafür sorgt, dass Religion und Atheismus Privatangelegenheiten sind.

Wo bleibt die Achtung der Gewissensfreiheit der Bürger in den Ländern Europas, wenn man Religionen in den Rang offizieller Partner der Institutionen erhebt?1

  1. brightsblog - Manifest »Achtet unsere Gewissensfreiheit!« []



Zäune und Europäische Scheinheiligkeit


“Er wurde 2006 auf sechs Meter erhöht, ein Bauwerk aus Stahl, Beton und Stacheldraht: Alle 40 Meter ein Wachturm, Richtmikrophone, Scheinwerfer, eine Tränengasanlage, bis zu 1200 Grenzwachen und Militär.”

Damit war nicht der Zaun in Israel gemeint, sondern ein Bauwerk, dass bei den meisten Europäern völlig unbekannt sein dürfte und auch von keinerlei Interesse ist. Die Grenze der EU in Ceuta und Melilla ließ sich die EU 60 Mio. € an Steuergeldern kosten.
[...]
Im Gegensatz zum israelischen Zaun, den man gerne auch Menschenrechtsverletzung seitens der israelischen Regierung sieht und lautstark nach Gerichtshöfen, oder UNO ruft, damit diese Israel doch endlich mal in die Schranken weist, geht die EU an ihrer Außengrenze nicht gerade zimperlich vor und schert sich seinen Dreck um die Menschenrechte.”
1

Scheinheilig? Allerdings - Doch wehe, wenn einer versucht, die EU mit Israel zu vergleichen. Der Unterschied zwischen den beiden ist ja auch offensichtlich. Vorausgesetzt, man hegt etwas zwielichtige Gefühle für den Jüdischen Staat.

  1. Band Of Brothers - Von Zäunen und Mauern []