Psychopath oder gottesfürchtig?

Ist jemand psychisch krank, der glaubt, seine Kinder seien von Dämonen besessen? Wie steht’s mit dem, der bloss an Dämonen glaubt, die in Leute kriechen und diese beeinflussen können, nicht aber, dass seine Kinder unter der Kontrolle von Dämonen stehen? Was, wenn jemand an Elfen glaubt und daran, dass diese draussen im Garten nisten und er sich jeden Samstagmorgen mit ihnen über Pralinen unterhält?

Wie erkennt man den Unterschied zwischen einer psychisch gesunden Person, die sich in einer Dämonenwelt wähnt und einer Person mit einer paranoiden Schizphrenie, die dasselbe glaubt? Daran, dass letztere ihre Kinder umbringt?

Wenn Leute gibt, die mit Engeln sprechen psychisch gesund sein sollen, wieso nicht dasselbe von Personen behaupten, die Alumützen tragen, weil die CIA sonst ihre Gedanken liest? Was ist mit jenen, die imaginäre Freunde haben (keine Götter, Engel oder Feen, sondern Personen, so menschlich wie ein Müllmann)?

Hm, wo ziehen wir die Linie?

Anders gefragt:
Jene Frau, die ihre 5 Kinder vergiftet und erstickt hat, war diese wirklich krank und hätte also ihre Kinder so oder so umgebracht, oder war sie bloss sehr gottesfürchtig?
Wenn sie psychisch krank war, hat ihre Erkrankung dazu geführt, dass sie an Dämonen zu glauben begann, oder glaubte sie schon davor an Dämonen, Engel und ähnliches?

Ist es überhaupt möglich, irgendwelche Grenzen zu ziehen, oder hängen all diese Dinge zu sehr zusammen? Man bedenke schliesslich auch, dass unser Geist bloss aus ein paar Nervenzellen besteht, die in einen beweglichen, zur Interaktion fähigen Körper eingebettet sind.

(Die Frage, mit der sich künftige Generationen womöglich beschäftigen müssen (Sofern man das Hirn und dessen Anhängsel je wirklich verstehen wird und man die Instrumente entwickelt hat, gezielt einzelne Nervenzellen “umzupflanzen” und somit auch den Geist der entsprechenden Person ändern kann): Soll man jene Frau wegsperren, damit man ihr Hirn nicht manipulieren muss (Obwohl dies eigentlich genau Sinn und Zweck heutriger Psychiatrien ist, bloss sind ihre Instrumente mehrere Grössenordnungen indirekter.)? Oder soll man sie unters Messer legen, damit sie wieder Teil der Gesellschaft werden kann?)

Inspiriert vom Fall Steffi K., auf den mich Horstibär mit seinem Beitrag Fatale Kombination aus Esoterik und Paranoia aufmerksam gemacht hat.




Homöopathie drangsaliert Logik

Dort drüben wird die Homöopathie so richtig grundlegend und deftig auseinander genommen und als Esoterik, d.h. Aberglauben, identifiziert. Futter für alle hungrigen Hirne und Kampfmittel für alle Rationalisten. (Klar, Homöopathie wurde nie wissenschaftlich bewiesen und verstösst gegen etliche Naturgesetze und bedient sich übernatürlicher Kräfte, um sich selber zu erklären, doch es scheint, als müsste man die Homöopathie trotzdem “widerlegen”.)

Eine kleine Kostprobe:

Das homöopathische Dogma vom „Potenzieren“ ist eine gewaltige Schwachstelle der Argumentation der Homöopathen und somit ein wichtiges Argument gegen die Homöopathie. Denn wenn es wirklich stimmt, daß „je stärker verdünnt (potenziert, dynamisiert) die Wirkungen und Nebenwirkungen zunehmen“, dann müßte jeder Patient, der solch ein Hochpotenzmittel einnimmt, auf der Stelle tot umfallen. Deswegen tot umfallen, weil beim Potenzieren ja alle Verunreinigungen, die sich in der Wirksubstanz, im Gefäß und in den diversen Grundsubstanzen (Wasser, Alkohol und Milchzucker) befinden, beim Herstellungsprozeß der Arznei mitpotenziert werden. Es sind vielfältige (und stets wechselhafte) Verunreinigungen, wie u. a.: organische Substanzen, Schwermetalle und viele anorganische Moleküle, manchmal nur in Spuren. Kein Therapeut kann auch nur ansatzweise wissen, was hier so alles mitpotenziert wird.1

  1. Kritisch Gedacht - Aberglaube Homöopathie []



Hellseher betrügen und sind deshalb zu bestrafen?

“Bisher wirkten die Medien im Vereinigten Königreich im gesetzlichen Rahmen des Fraudulent Mediums Act von 1951; des Gesetzes gegen betrügerische Medien also. Es sah eine Bestrafung vor, wenn einem Medium Betrug nachgewiesen werden konnte.

Die von Brüssel ins Auge gefaßte Regelung, die die Briten dann in Gesetzesform zu gießen und an die Stelle des Fraudulent Mediums Act zu setzen hätten, sieht hingegen vor, daß Medien nachweisen müssen, daß sie wirklich in die Zukunft sehen, durch Handauflegen heilen, Kontakt mit Verstorbenen herstellen können.

Können sie das nicht, dann müssen sie - so soll es die geplante Brüsseler Direktive bestimmen - ihren Kunden ausdrücklich mitteilen, daß ihre Dienstleistungen nur der Unterhaltung dienen oder daß es sich um Experimente handelt, bei denen man nicht weiß, was herauskommt.”1

Besteht irgendein Grund, wieso man Geschäftsleute, die behaupten, sie besässen übersinnliche Fähigkeiten, anders behalten sollte als Geschäftsleute, die dies nicht tun?

Was unterscheidet das Mannchen, das mit esoterischem Getöse dem Kunden wirkungslose Pillen verkauft und behauptet, diese würden diesen Schnupfen oder jenen Tumor schon heilen, vom Frauchen, das behauptet, der Kunde hätte diesen oder jenen Jackpot geknackt und das Geld könne überwiesen werden, sobald der “glückliche Gewinner” jene kleine Gebühr bezahle?

Nichts. Deshalb spottet es jedem gesunden Menschenverstand, Mannchen und Frauchen unterschiedlich zu behandeln. Entweder darf das Frauchen genauso ungehemmt betrügen wie das Mannchen, oder beide müssen sich vor Gericht wegen Betrugs verantworten.

Man kann jetzt sagen:

“Aber wenn ein Patient X sich einem Heiler Y anvertrauen will - was geht das dann mich an? Wer bin ich, daß ich mich da einmischen dürfte?”2

In diesem Fall geht es mich allerdings auch nichts an, wenn jener junge Mann das alte Muttchen anlügt und sagt, er sei ihr Enkel und brauche unbedingt jene fünfhundert Dollar.

Oder aber man tut das genaue Gegenteil:

“Any supernatural belief system that claims to offer tangible benefits - healing, prosperity, discerning the future - should be put to the test and have to prove that it can deliver on its claims, the same way as any other business which sells a product. It’s insane that anyone who makes a specific claim to be able to deliver services in exchange for money can avoid any kind of testing or scrutiny by slapping the label “religion” on his business.”3

Einen Kompromiss gibt es in diesem Fall nicht. Ein Kompromiss wäre eine durch nichts gerechtfertigte Bevorzugung einer bestimmten Personengruppe. Und solche Bevorzugungen haben in einem modernen Staat nichts zu suchen.
Entweder machen wir also aus Hellsehen einen Tatbestand oder wir lassen alle Betrüger unangetastet.

  1. Zettels Raum - Zettels Meckerecke: Jetzt nehmen sich die Brüsseler Bürokraten auch noch die Medien vor! []
  2. Zettels Raum - Zettels Meckerecke: Jetzt nehmen sich die Brüsseler Bürokraten auch noch die Medien vor! []
  3. Daylight Atheism - Regulate Psychics? Hell, Yes! []



Randis Million-Dollar Challenge endet

James Randi versprach demjenigen eine Million Dollar, der seine übernatürlichen Kräfte unter wissenschaftlichen Bedingungen unter Beweis stellen konnte. Nach zehn Jahren, hunderten von Versuchen und keinem, der das Preisgeld abstauben konnte, endet die Million-Dollar Challenge. Es war für Randis Leute schlicht zu zeitaufwändig geworden, all diese Bewerber zu testen. Und die Leute haben auch sinnvolleres zu tun, als Schwindler aufzudecken. ~ The Million-Dollar Challenge Ends