Die Ironie der Gleichberechtigung

Jede Gleichberechtigungsbewegung verhöhnt sich selbst, wenn sie nicht zugleich auch Wehrpflicht für die Frauen fordert.




Kindergartenartige Politische Korrektheit

Daran, daß München politisch korrekt ist, kann es keinen Zweifel geben. Schließlich sind wir nicht nur rot-grün, sondern auch noch rot-grün-rosa. Wir verbieten Maibäume, haben dafür aber einen Antidiskriminierungszusatz unter städtischen Stellenausschreibungen, der fast schon nach Satire klingt. Aber alles hat seine Grenzen – dachte ich.

Bei der Einführungsveranstaltung wurde uns auch noch gesagt, daß wir personalisiertes Büromaterial bekommen: Visitenkarten, C5-Umschläge, Briefpapier.
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Daß das Musterexemplar auf Frau „Andrea Mustermann, ehrenamtliche Stadträtin“ lautete, wäre ja noch als Gag durchgegangen. Wir sind halt rot-grün und da muß es nicht immer der Herr Mustermann sein. Aber als ich dann weitergeblättert hab, kamen mir dann schon leichte Zweifel – das ganze wurde auch noch für Herrn Andreas Mustermann gedruckt.

OK, die Kosten dafür mögen marginal sein. Aber was genau will uns die Stadt damit sagen, daß wir zwei geschlechtsverschiedene Muster bekommen? Daß es Männer und Frauen gibt? Daß man die dann Stadträte und Stadträtinnen nennt?1

Sind wir tatsächlich so kleinlich geworden? Können wir nicht einfach leben und politisieren, ohne stets rigide zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht zu trennen? Zudem, was ist mit Transsexuellen? Sollten wir nicht noch eine sächliche Form einführen? Dazu, dies sind eindeutig deutsche Namen, ist dies verantwortbar, wo doch auch Muslime, Afrikaner oder gar erst Franzosen in Deutschland (oder der Schweiz) leben? Wurde das Papier denn auch halal, koscher und bio hergestellt?

1. Gedanke: Typisch links.

2. Gedanke: Irgendjemand ist da noch nicht in der Moderne angelangt, in der die Menschen bloss Menschen sind, und nicht ohne Unterlass klassifiziert und kategorisiert werden.

3. Gedanke: Dies abartige Ironie, die sich bei diesem Emanzipationsspezialisten zeigt. Da fordern die doch, dass Männer und Frauen absolut gleich behandelt werden, unterscheiden selber jedoch strengstens, ob da jetzt Mann oder Frau gegenüber sitzt, halbnackt auf ‘nem Plakat rumlungert oder gar aus einer Partei ausgeschlossen werden soll.

4. Gedanke: Paranoia in der Reinform. Ich seh’ schon die Beamten über ihre Schreibtische gebeugt, wie sie an diesen Anreden rumschrauben, und verzweifelt an den Fingernägeln rumkauen, weil sie keine Anrede finden, die für alle, von den Inuit bis zu den Maori, passt und nicht eventuell doch einen südamerikanischen Kapbewohner sprachlich benachteiligt.

5. Gedanke: Im einundzwanzigsten Jahrhundert hat es sich immer noch nicht bis nach München rumgesprochen, dass das grammatische Geschlecht etwas anderes ist als das natürliche/biologische.

6. Gedanke: Wie war das doch gleich im Kindergarten? “Ihhh, ein Mädchen.” “Ich will doch nicht mit ‘nem Mädchen Händchen halten.” Nein, warte, das hab’ ich aus irgendeinem Zeichentrickfilm. Ach so, stimmt, nicht einmal als ich noch Kindergärtler war, hatten wir so strikt zwischen Knabe und Mädchen unterschieden, wie dies jetzt offenbar ein paar Politiker tun.

7. Gedanke: Wie kann man bloss so kleinlich sein, und sich wegen einem derartigen Detail wie einer Anrede oder einer Berufsbezeichnung zutiefst beleidigt fühlen, bloss weil dort ein -in nicht steht oder ähnliches? Ernsthaft, mir wäre das vollkommen egal, ob da jetzt in einer Stellenausschreibung bloss die weibliche, bloss die männliche oder beide stehen. Solange die Anforderungen klar sind…

  1. Im Stadtrat - Politisch Korrekt []