Ist es paradox oder logisch, dass gerade Erzliberale am konsequentesten für die Eigentumsrechte des Bürgers eintreten?
(Eigentumsrechte meint hier volle Kontrolle und freie Nutzung des Eigentums. Zum Eigentum gehört nicht nur die Gaststätte, das Bleistift und die Ölfirma, sondern auch der eigene Körper.)
Es kümmert mich nicht allzu sehr, was Chavez in Venezuela so treibt. Gut, dies stimmt nicht so ganz, da mir die Menschen in Venezuela nicht egal sind. Aber nehmen wir doch als Grundlage einmal an, ich wäre der südamerikanische Kontinent völlig gleichgültig eingestellt.
(ap) Der venezolanische Präsident Hugo Chavez lässt das grösste Stahlunternehmen des südamerikanischen Landes enteignen. Er habe ein Dekret zur Verstaatlichung des Konzerns Sidor unterzeichnet, erklärte Chavez am Mittwoch vor Arbeitern in der Hauptstadt Caracas.1
Jaja, könnte man sich denken. Immer diese Klassenkämpfer mit ihrer paranoiden Furcht vor den Unternehmern. Südamerika halt, irgendwann werden die dann auch in der Moderne angekommen sein. Lassen wir denen einfach ein wenig Zeit.
Das zu denken wäre beinahe verheerend. Denn man würde die Rechnung ohne die Schweizer Chavez-Groupies machen.
So kommt es, dass ich beängstigt den Kopf einziehe, wenn sie Beifall klatschen und Jubel schreien, wenn der Chavez wieder einmal ein Unternehmen enteignet hat. Geduckt schleiche ich durchs Haus und überprüfe, ob die Vorhängeschlösser an meiner Wohnungseinrichtung noch fest sitzen. Man muss gewappnet sein, wenn die Klassenkämpfer anrücken und das Privateigentum abschaffen wollen. In Venezuela wird es jedenfalls nicht mehr respektiert. Und dies sollte einem Demokrat eigentlich den Angstschweiss auf die Stirn treiben. Deshalb die kleinen Vorsichtsmassnahmen. Auch wenn ich mich noch daran gewöhnen muss, dass nun überall schwere Ketten mein Mobiliar beinahe zu zerdrücken scheinen.