Hochstehende Inhalte verschwinden, die Jugend verblödet und das Fernsehen liefert bloss noch Schwachsinn. - Gute alte Kulturkritik. Schön, wenn man sich darin suhlen kann und die heutigen Medieninhalte für so belanglos wie eine trocknende Wand halten mag.
Doch war es jemals anders?
Nicht, dass mir der Content von TV, Radio, Zeitungen, Büchern und Internet zusagen würde. Den grössten Teil finde ich abstossend bis todlangweilig oder schlicht uninteressant. Nachdenklicher stimmt der Gedanke, dass die Medien den Gesetzen des Marktes unterliegen. Wenn das Fernsehen angefüllt ist mit Seifenopern und Reality TV, dann liegt die womöglich darin, dass genau dies gewünscht wird. Jene, die lieber etwas anderes sehen würde, haben Arte, 3Sat, Youtube, einen DVD-Recorder und den ganzen Untergrund. Dasselbe gilt für die gedruckten und digitalen Medien, wie auch für das Radio. In Zeiten von glühenden und summenden Datenkabeln kann man sich nicht darüber beklagen, dass man selbst nichts Akzeptables in den Medien findet. Höchstens, dass es zuviel gibt, das einem nicht gefällt.
Doch vielleicht liegen bloss unsere Erwartungen fernab der Realität.
Kulturkritik übten schon die alten Griechen - so stereotyp dies auch tönen mag. Auch sie meinten, in ein paar Jahrzehnten wäre des menschliche Hirn zu einem überflüssigen Accessoire geworden. Die Panik vor jener ominösen globalen Verdummung hat viele Vorfahren und -gänger. Der untergebildete, übergewichtige und Soaps verschlingende Dummkopf ist kein neuzeitliches Phänomen. Die Sorge, dass Vivaldi, Bach und Goethe aus den Ohren und aus den Augen verschwinden werden, ist also reichlich unbegründet.
Macht das irgendetwas besser?
Nein, Medien sind voll mit Lügen, Halb- und Unwahrheiten, Belanglosigkeiten, Skandalen, Schlagzeilen und Promigeschichten. Mich widert’s ab und zu an. Doch dann wechsle ich einfach den Sender - bildlich gesprochen. Zweifellos würde ich mich freuen, wenn mehr Leute als jetzt sich an tiefgehenden politischen, philosophischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Debatten und Diskussionen beteiligen würden. Wenn jeder Adam Smiths An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations gelesen hätte, aber Interessen sind verschieden und die Freude, sich in die Wirtschaftswissenschaft zu vertiefen, teilen nur wenige.
Der Glotzer (Pejorativ für jenen, der sich mit Bier und Chips Reality TV anschaut.) mag wahrhaftig und aufrichtig, was er sich ansieht. Doch er ist nicht zwangsläufig dumm. Oder hat eine schlechte Bildung genossen. Einen Zusammenhang zwischen den drei Dingen hat man schnell geschlossen, doch es ist eine Kollektivisierung, die wir - trotz all unseres Hasses auf das Fernsehprogramm - nicht begehen sollten.
(Der Filmgeschmack von anderen Personen kümmert mich persönlich wenig. Und über politischen Populismus und wirtschaftswissenschaftliche Ammenmärchen darf man klagen - besser wäre, deren Vertreter offen zu kritisieren, Gegenargumente vorzubringen und sich Gehör zu schaffen. Denn was mich interessiert, ist nicht, ob der Herr Jemand Soaps mag, sondern ob er meine Freiheit einschränken will.)
Inspiration hierfür ist natürlich Marcel Reich-Ranickis Ablehnung des Ehrenpreis des Deutschen Fernsehens. Hierzu ein paar Links:
Zettels Raum - Marginalie: Marcel Reich-Ranicki langweilt sich. Und provoziert einen Eklat. Besuch des alten Herrn. Ein Erklärungsversuch
Band of Brothers - Unterschichtenfernsehen
fdog - Reich-Ranicki lehnt deutschen Fernsehpreis ab
deutschlandfunk - Reich-Ranicki zu seiner Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises
Über das Verbot, sich am Sonntag ein Paar Sneaker zu leisten oder es an jemanden zu verkaufen:
In the end, the law exists not because so many Germans don’t want to shop on Sundays but because so many of them do. In a modern economy, there’s something wrong with a policy that bars shoppers and stores from doing business when they find it mutually agreeable. Maybe it’s time to give that approach a rest.1
Die Einheit Deutschlands - ist das wirklich so wichtig? Ist nicht die gewonnene Freiheit der Menschen im Osten Deutschlands der eigentliche Grund zum Feiern? Ich mein die meisten dieser Menschen durften nichtmal ihr Land verlassen, wie sie wollten. Ein harmloser Witz über die Regierenden konnte einem echte Probleme bereiten und von den tollen Autos, auf die man Dank der Abwesenheit von wirtschaftlicher Freiheit, Marktwirtschaft und Kapitalismus auch noch Ewigkeiten warten musste, will ich erst gar nicht anfangen.1
(Um ehrlich zu sein, die Idee eines Territorialstaates halte ich für unsinnig und veraltet. (Auch wenn er wegen den Schwierigkeiten, die ein virtueller Staat ohne reale Grenzen mit sich bringen wird (Um diesen umzusetzen, braucht es wohl so etwas wie Weltfrieden und freie Märkte), noch lange bestehen wird.) Deshalb finde ich es merkwürdig, wie man es für wichtig halten kann, ob nun alle Deutschsprachigen in einem Staat versammelt sind. Ob alte Grenzen wiederhergestellt werden, resp. wurden. - Aber über den Wegfall von politischen Barrieren darf man sich immer freuen. Landesgrenzen sind solche Schutzwälle. Ohne sie ist man freier.)
“Kein Mensch” könne “in seinem Leben zehn Milliarden Euro auf verfassungsgemäße Weise anhäufen”, sagt Lafontaine in dem Interview. Auf diesen Betrag bezifferte der Chef der Linkspartei das Vermögen der Schaeffler-Eigentümer.
Der Schaeffler-Reichtum sei vielmehr “das Ergebnis einer fortdauernden Enteignung der Belegschaft und deren großen Beitrag zur Produktivität und Wertschöpfung”. Insofern fordere er bei Lichte betrachtet nur “die Rückübereignung an die rechtmäßigen Eigentümer, nämlich an die Belegschaft.1
Man verstehe mich nicht falsch, ich bin durchaus dafür, dass jeder satte Löhne bekommt, mit denen er sich Lachsbrötchen mit Kaviar kaufen kann. Doch schau’ mal aus dem Fenster. Kein Schlaraffenland in Sicht? Dann müssen wir halt tiefe Löhne akzeptieren und zusehen, wie wir das Beste daraus machen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie etwas besser wird, indem die Vertragsfreiheit eingeschränkt wird und Unternehmer enteignet (Genau, was Lafontaine vorschlägt ist keine Rückübereignung - was auch immer dies sein soll -, sondern eine gewöhnliche kleine Enteigung. Denn die Schaeffler haben ihren Reichtum einzig dadurch geschaffen, dass sie mit anderen müdigen Personen auf beidseitig freiwilliger Basis Verträge abgeschlossen haben. Was bitteschön ist unmoralisch oder schlecht daran?).
Anstelle von Etatismus schlage ich eine Schlankheitskur für den Staat vor. Je tiefer die Steuern, desto weniger müssen die Arbeiter abliefern, desto mehr bleibt ihnen für sich selbst übrig.
Die Forderung der bayerischen Grünen nach einem Ende der Bezahlung der Bischöfe aus Steuergeldern hat bei der CSU für helle Empörung gesorgt. “Der Vorstoß der Grünen offenbart eine kirchenfeindliche Gesinnung und zielt auf eine Entchristianisierung Bayerns”, sagte CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer am Freitag in München.
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Beckstein erwiderte: “Nach dem verheerenden Beschluss des Landtagswahlprogramms der Grünen zur Entfernung von Kruzifixen und Ordenstracht aus den Schulen ist das ein weiterer frontaler Angriff auf die christliche Leitkultur und die gläubigen Christen in unserem Land.” Die Grünen machten sich gegen das Kopftuchverbot an Schulen und für die Einführung muslimischer Feiertage stark, während sie zugleich “die bewährten Beziehungen zwischen Staat und Kirche beschädigen” wollten.
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Der Freistaat steckt nach Angaben des Kultusministeriums pro Jahr 60 Millionen Euro in die Mitfinanzierung von kirchlichem Personal und Dienstleistungen. Allein zehn Millionen Euro davon werden direkt für die Bezahlung der Bischöfe verwendet. 37,5 Millionen Euro erhalten die Kirchen für Personalkosten von Seelsorgern, etwa in der Jugendarbeit.1
Ich kenne die Grünen in Bayern nicht, wahrscheinlich würde ich sie nicht mögen. Die Grünen haben zwar ein paar gute Ansatzpunkte, doch hinter all ihren Lösungsversuchen steckt häufig Hysterie und Etatismus. Aber wem Lob gebührt, den soll man loben. Und die Grünen haben ganz Recht, aus Bayern einen säuklaren Staat zu machen. Ich kann nicht für die Grünen sprechen, aber ich unterstütze die Entchristianisierung Bayerns - Bayerns, nicht der Bayern, diesen steht es frei, zu glauben, auch wenn ich darüber die Nase rümpfe. - mit vollem Herzen.
Ein Atheist fühlt sich ebenso drangsaliert und unfrei in Bayern wie ein Christ, der in einem Land mit “muslimischer Leitkultur” dem Imam das sonntägliche Lachsfilet bezahlen muss.
Webster Cook und PZ Myers erhielten Morddrohungen, weil ersterer mit einer Hostie aus der Kirche lief, statt sie zu essen und weil zweiterer Cook in Schutz nahm und später einen rostigen Nagel durch einen Eucharist stiess, ein Foto davon machte und es veröffentlichte. Wer denkt, Christen würden nur in den USA wegen einem Keks ausrasten, irrt:
Auch in Deutschland – in Wiesbaden – griffen Ende 2007 Gläubige einen Mann an, weil er eine bei dem geschilderten Ritual verteilte Oblate nicht augenblicklich verzehrte. Der Dekan verprügelte ihn so, dass der Mann ins Krankenhaus musste. Von Amts wegen gab es – gegen den Verprügelten! – eine Anzeige wegen “Störung der Religionsausübung”. Der Wiesbadener Stadtdekan Johannes zu Eltz erklärte in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk: “Für den Schutz einer Hostie würde ich mich, wenn es sein muss, umbringen lassen.” Und vor diesem Irrsinn kapituliert unser Staat!1
Aus diesem Anlass und aus Protest gegen jeglichen religiösen Fanatismus ein weitere Video aus fsmdudes Serie “Eucharist Desecration”:
Ich verstehe es nicht, manchmal heissen Mainstreammedien und -blogs es gut, wenn Organisationen mit Rechtsmitteln und Staatsgewalt gegen einzelne Bürger vorgehen, weil letztere erstere kritisieren oder gewisse peinliche Fakten über diese publizieren, in anderen Fällen verurteilen sie es zutiefst.
Gemäss Mainstream ist es also schlecht, wenn Transparency International eine Bloggerin unter Druck setzt, einen Artikel zu löschen, in dem sie eine ihrer Meinung nach unrechtmässige Entlassung einer Kollegin kritisiert, aber gut, wenn der Deutsche Gewerkschaftsbund einen Blogger bedroht, weil dieser eine dem DGB peinlichen Screenshot veröffentlichte.
Alle weiteren Details sind bei Marco Kanne nachzulesen.
Leider scheint es jedoch so zu sein, dass etliche zwar so tun, als würden sie für die Freiheit anderer einstehen, aber dies immer nur in jenen Fällen tun, in denen die Freiheit der anderen sehr eng mit der eigenen verknüpft ist. Für die Freiheit von jemandem einzutreten, dessen Meinung man nicht teilt, scheint nciht im Trend zu liegen. Schlimmer gar: Dessen Freiheit wird negiert. Man merke: Wird Freiheit gefordert, ist in vielen Fällen bloss die eigene Freiheit gemeint, nicht aber die der andern.
In andern Worten: Heuchelei, Scheinheiligkeit und Doppelmoral ist keine Seltenheit.
Ein wunderbarer Artikel bei eigentümlich frei über gegenkulturelle Kommunen, Eigentumsrechte, Gated Communities und Arcadia Potsdam. Einer der besten Artikel, die ich in diesem Monat gelesen habe. Absolute Lesepflicht:
Gated Communitys (GCs) sind Wohngegenden, die sich komplett in privatem Besitz befinden. Innerhalb ihrer Grenzen sind Infrastruktur und Sicherheit keine öffentlichen, sondern private Güter. GCs sind also so etwas wie kleine Dörfer, die einen oder mehrere Eigentümer haben – so, wie ein Restaurant, eine Kneipe oder eine Diskothek einen oder mehrere Eigentümer hat. Und genau wie die Eigentümer von Restaurants und Diskotheken können die Eigentümer von GCs auch von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, zumindest von dem, was ihnen nach Diskriminierungsverbot, Rauchverbot etc noch davon bleibt. Dazu gehört die Entscheidung darüber, wer die GC betreten darf, und welche Verhaltensregeln dort einzuhalten sind.1
Der Neoliberalismus wird heutzutage mit schrankenlosem, ungezügeltem Kapitalismus verbunden, doch vor 70 Jahren forderten die Neoliberalen einen starken Staat, der über der Wirtschaft steht. Romanus Otte gratuliert in der Welt dem Neoliberalismus zum Jubiläum und erklärt dem Leser, was Neoliberalismus ist und was eben gerade nicht.
Ist der Mensch frei, oder wird er es erst durch den Staat?
Doch Neoliberale und -sozialisten streiten über mehr als ein effizientes und gerechtes Wirtschaftssystem. Es geht ihnen um die Würde, und dabei verfolgen sie sehr unterschiedliche Menschenbilder. Sind Menschen an sich frei, fähig, ihr eigenes Leben zu leben und sich aus Vernunft in einem Gemeinwesen zu organisieren? Oder ist der Mensch hilfsbedürftig und wird erst durch den Staat und dessen Fürsorge frei?
Der Jenaer Soziologe Stephan Lessenich kritisiert in dem Buch „Die Neuerfindung des Sozialen“ die Agenda 2010 als illiberal. Seine Begründung lässt aufhorchen. Denn er lehnt die Reform ab, weil sie die Menschen in die Pflicht nehme, für ihr eigenes und das Gemeinwohl zu sorgen. Lessenich fordert, dass nicht der Einzelne für das Allgemeinwohl verantwortlich sein müsse, sondern der Staat für das Wohl der Einzelnen. Er will einen Sozialstaat, „der sich der kollektiven, solidarischen, umverteilenden Absicherung von Individualität, Autonomie und Differenz verschreibt.“ Oskar Lafontaine sagt dies kürzer: „Freiheit durch Sozialismus“. Dies ist der Kern.
Gegen diese Reduzierung des Menschen auf ein unmündiges Wesen, das erst im Kollektiv frei sein könne, treten Neoliberale an. Seit 70 Jahren. Ihre Stimme bleibt wichtig. Schon um die Balance nicht zu verlieren.1
…was ich witzig finde. Alles andere befindet sich nicht mehr im rot lackierten Topf der Meinungsfreiheit, sondern im braun-grauen Meer des Verbotenen.1
Bei Spreeblick sind beängstigend viele Kommentierende dieser Überzeugung. Wenige haben begriffen, dass Freiheit immer auch die der andern ist. Meinungsfreiheit besteht eindeutig nicht darin, dass ein gewisser Kreis nach Belieben sprechen und fluchen darf und der Rest einen Maulkorb verpasst bekommt. Dieses System ist eher in Diktaturen zu finden. Dort geht es natürlich dann weiter und heisst: Vollkommene Freiheit für die Herrschenden, willkürliche Verbote und masslose Strafen für alle anderen.
Es geht um Marco Kanne von opponent.de2 und die Strafandrohung des DGBs. Gegenspieler sind ein Blogger names Malte Welding von Spreeblick und dessen Leser, die den Unterschied zwischen Necons, Neoliberalen, Hitlerverharmlosern, Minarchisten, Anarcho-Libertären, Anarchokapitalisten, Nazis, Sozis, Individualanarchisten, Konservativen und Liberalen nicht begreifen möchten.3 Das ist lustig und traurig zugleich. Optimistisch stimmt’s einen jedenfalls nicht. Besonders deshalb nicht, weil zugleich der Hintergrund4 der Satire, d.h. die Anspielung, die Marco und der anonyme Uploader des Hitlerbildes und -kommentar auf der DGB-Kampagnenseite für Mindestlöhne, nicht verstanden wurde.
Mehr als dieser Blog zeigt sich solidarisch mit allen, die ihr Recht auf freie Meinungsäusserung wahrnehmen und allen, die sich für mehr Freiheit einsetzen, will ich eigentlich auch gar nicht sagen.
(Und noch ein paar Worte zur Meinungsfreiheit:
Dummheit, fundamentale Staatskritik, schlechte Satire und das Leugnen von wissenschaftlich anerkannten Realitäten dürfen nicht unter Strafe gestellt werden. Dies schon nur deswegen, weil jeder den andern für dumm und humorlos hält, selten aber sich selbst. Anders als bei Straftaten wie Diebstahl oder Mord gibt es keine Möglichkeit, Satire objektiv zu definieren. Dummheit ist zuerst einmal eine sehr persönliche Angelegenheit. Einen intellektuellen Mindeststandard festzulegen, oberhalb dessen Leute sprechen dürfen, wäre abscheulich. Jeder darf sich äussern. Frei und ungezwungen. Was Leugner und Revisionisten anbelangt: Man darf sich irren. Auch bewusst. Irrtümer sind keine Verbrechen, schaden sie auch niemanden. Dazu ist niemand davor gefeit, etwas Falsches zu glauben.
Des weiteren kann niemand verlangen, nicht beleidigt zu werden. Niemand hat ein Recht darauf. Denn sonst hätte dies jeder. Und dann müssten wir in eine kollektive Paralyse verfallen, denn schon ein einziges Wort, eine mickrige Geste kann jemanden aufs Tiefste beleidigen.)