“Bisher wirkten die Medien im Vereinigten Königreich im gesetzlichen Rahmen des Fraudulent Mediums Act von 1951; des Gesetzes gegen betrügerische Medien also. Es sah eine Bestrafung vor, wenn einem Medium Betrug nachgewiesen werden konnte.
Die von Brüssel ins Auge gefaßte Regelung, die die Briten dann in Gesetzesform zu gießen und an die Stelle des Fraudulent Mediums Act zu setzen hätten, sieht hingegen vor, daß Medien nachweisen müssen, daß sie wirklich in die Zukunft sehen, durch Handauflegen heilen, Kontakt mit Verstorbenen herstellen können.
Können sie das nicht, dann müssen sie - so soll es die geplante Brüsseler Direktive bestimmen - ihren Kunden ausdrücklich mitteilen, daß ihre Dienstleistungen nur der Unterhaltung dienen oder daß es sich um Experimente handelt, bei denen man nicht weiß, was herauskommt.”1
Besteht irgendein Grund, wieso man Geschäftsleute, die behaupten, sie besässen übersinnliche Fähigkeiten, anders behalten sollte als Geschäftsleute, die dies nicht tun?
Was unterscheidet das Mannchen, das mit esoterischem Getöse dem Kunden wirkungslose Pillen verkauft und behauptet, diese würden diesen Schnupfen oder jenen Tumor schon heilen, vom Frauchen, das behauptet, der Kunde hätte diesen oder jenen Jackpot geknackt und das Geld könne überwiesen werden, sobald der “glückliche Gewinner” jene kleine Gebühr bezahle?
Nichts. Deshalb spottet es jedem gesunden Menschenverstand, Mannchen und Frauchen unterschiedlich zu behandeln. Entweder darf das Frauchen genauso ungehemmt betrügen wie das Mannchen, oder beide müssen sich vor Gericht wegen Betrugs verantworten.
Man kann jetzt sagen:
“Aber wenn ein Patient X sich einem Heiler Y anvertrauen will - was geht das dann mich an? Wer bin ich, daß ich mich da einmischen dürfte?”2
In diesem Fall geht es mich allerdings auch nichts an, wenn jener junge Mann das alte Muttchen anlügt und sagt, er sei ihr Enkel und brauche unbedingt jene fünfhundert Dollar.
Oder aber man tut das genaue Gegenteil:
“Any supernatural belief system that claims to offer tangible benefits - healing, prosperity, discerning the future - should be put to the test and have to prove that it can deliver on its claims, the same way as any other business which sells a product. It’s insane that anyone who makes a specific claim to be able to deliver services in exchange for money can avoid any kind of testing or scrutiny by slapping the label “religion” on his business.”3
Einen Kompromiss gibt es in diesem Fall nicht. Ein Kompromiss wäre eine durch nichts gerechtfertigte Bevorzugung einer bestimmten Personengruppe. Und solche Bevorzugungen haben in einem modernen Staat nichts zu suchen.
Entweder machen wir also aus Hellsehen einen Tatbestand oder wir lassen alle Betrüger unangetastet.