Zuerst die Füsse, dann die Kunstfreiheit

Um einen Christen zu erzürnen, braucht es nicht mehr als zwei Holzspäne, die sich in einem rechten Winkel kreuzen und ein Plastikfigürchen, das daran hängt. Um einen Muslimen zu erzürnen, braucht es nicht mehr als ein Strichmännchen, unter das man den Namen Mohammed kritzelt.

Klebt man einen grünen Plastikfrosch an ein Kreuz, so kann man selbst den Papst in Rage bringen:

martin kippenberger - zuerst die füsse

Called “Zuerst die Fuesse,” (Feet First), it wears a green loin cloth and is nailed through the hands and the feet in the manner of Jesus Christ. Its green tongue hangs out of its mouth.

Kippenberger’s works have been shown at the Tate Modern and the Saatchi Gallery in London and at the Venice Biennale, and retrospectives are planned in Los Angeles and New York.

Museum officials said the artist, who died in 1997, considered it a self-portrait illustrating human angst.

Pope Benedict, who is German himself and was recently on holiday not far from Bolzano, did not agree.

The Vatican wrote a letter of support in the pope’s name to Franz Pahl, president of the regional government who opposed the sculpture. Pahl released parts of the letter, which said the work “wounds the religious sentiments of so many people who see in the cross the symbol of God’s love”.

Pahl, whose province is heavily Catholic, was so outraged by the sculpture of the pop-eyed amphibian that he went on a hunger strike to demand its removal and had to be taken to hospital during the summer.

“Surely this is not a work of art but a blasphemy and a disgusting piece of trash that upsets many people,” Pahl told Reuters by telephone.

“This decision to keep the statue there is totally unacceptable. It is a grave offence to our Catholic population,” he said.1

Es erstaunt mich immer wieder, dass Leute ihre lächerlichen kleinen Befindlichkeiten gesetzlich verankert haben wollen. Ein Papst, der ein Blasphemieverbot bewirken will, unterscheidet sich durch nichts von jenem, der die Farbe Lila verbieten will, weil sie ihm nicht gefällt.

Derart lächerlich ist dies, dass man beinahe schon weinen muss und jegliche theokratischen Anflüge in ihrem Keim ersticken sollte.

Angesichts der Tatsache, dass Plastikfigürchen und Holzstäbchen spottbillig sind, sollte man sich überlegen, tagtäglich eine Jesussatire zu basteln, um unsere geliebten Religionsvertreter auf Trab zu halten. Denn das hält sie davon ab, die AIDS-Präventionsprogramme von Drittweltstaaten zu nutzlosem Schrott zu fahren.

  1. reuters - Italian museum defies pope over crucified frog / via pz myers und po8 []



Kniet nieder auf Knien vor mir…

…denn ich bin der Herr, der Sohn des Vaters, Erlöser und Messias.

“Und ich bin der Bischof von Rom, Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Oberster Priester der Weltkirche, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt, Diener der Diener Gottes und Pontifex Maximus (oberster Brückenbauer).”1

So oder ähnlich lauten die Gründe, wieso man niederknien muss, wenn man den heiligen Keks vom Papst erhält:

“Der Heilige Vater hat gebeten, dass alle, die von ihm selbst die Hl. Eucharistie erhalten werden, knien sollen. Außerdem wünscht der Hl. Vater, dass die Eucharistie mit dem Mund empfangen wird. Der Papst ist besorgt, was die Frage der Ehrfurcht betrifft. Der stehende Empfang der Hl. Eucharistie und die Handkommunion können zu mangelnder Ehrfurcht führen”, erklärt Podesta.2

Um Furcht geht es. Einzig und allein um Furcht.

hat tip: po8

  1. wikipedia - Papsttitel []
  2. kath.net - Weltjugendtag: Papst Benedikt wünscht Mundkommunion []



Unsere Kultur des Todes ist nichts für Erzkatholiken

Even a priest can fall in love with evil1

Einst dachte ich, es wären bloss Ökofundis, radikale Sozialisten, grüne Technophobe und greise Hippies, die den wissenschaftlichen Fortschritt als Werk des Teufels im Nadelstreifenanzug bezeichnen würden.

Zur Schande aller ’säkularen’ Fortschrittsgegner gesellen sich nun unsere lieben Erzkatholiken zu den Forschungsverhinderern.2

Bischof Heinz Josef Algermissen könnte glatt Jean Zieglers Zwillingsbruder sein. Auch Algermissen sieht die Weststaaten eine “Todesstrategie des Aushungerns der Armen” vollziehen. Darüber hinaus seien wir süchtig nach Leben und versuchten, auf eigene Faust dem Tod zu entkommen. Statt Gott um Gnade zu flehen.

Bischof Wolfgang Huber sagt es noch deutlicher: “Manche denken, zur Überwindung des Todes seien wir nicht auf Gott angewiesen, der moderne Mensch könne das selber.” Des weiteren bezeichnet er die forschenden Mediziner als “Phantasten, die meinen, der medizinische Fortschritt werde eines Tages den Tod überwinden.” Ach bitte, als ob es je einen seriösen Wissenschaftler gegeben hätte, der die Unsterblichkeit angestrebt hätte. Dem Herrn Bischof scheint nicht bewusst zu sein, dass selbst unser Universum endlich ist. Nein, was mit der regenerativen Medizin angestrebt wird, ist ein möglichst langes, beschwerdefreies Leben. Lang deshalb, weil es nicht das geringste Anzeichen dafür gibt, dass nach dem Tod etwas folgen wird. Und wenn ich nur ein Leben habe, dann will ich nicht schon mit fünfzig zu Grabe getragen werden.

Erzbischof Reinhard Marx, von dem erst kürzlich hier die Rede war, fordert die Christen allesamt zum Missionieren auf und gibt sich so als vehementer Gegner des Liberalismus zu erkennen. Daneben scheint der bischöfliche Absolutheitsanspruch bei ihm ausserordentlich stark ausgeprägt zu sein. Lustig wird es, wenn er selig glaubend zum Zölibat aufruft: “Es geht da nicht um ein ‘mittelalterliches’ Gebot, das sich die katholische Kirche einfach ausgedacht hat, sondern darum, die Lebensweise Jesu als Berufung zu leben.” Natürlich, Jesus’ Enthaltsamkeit ist historisch hinreichend mit Fakten belegt.

Lächerlich wird es, wenn der treue Hirte zum Wirtschaftsgeschehen, besonders der Hypothekenkrise, Stellung nimmt: “Ein erster Schock war schon das Platzen der Internetblase im Jahr 2000, als selbst seriöse Banken die Leute unter dem Banner der Gier zum Aktienkauf getrieben haben” Der böse Kapitalismus, der uns einen hohen Lebensstandard gebracht hat, ist ganz und gar unmoralisch. Das wusste der Herr Ziegler allerdings schon vor zehn Jahren.

Besser wird’s auch nicht, wenn der Papst die Welt zum Frieden aufruft.3 Vergisst er dabei doch, dass er persönlich für hunderte AIDS-Toten verantwortlich ist. Aber wir wissen ja: Die Heiligen war immer schon die Scheinheiligsten.

  1. Non Phixion - Futurama []
  2. spiegel - Bischof ruft zum Kampf gegen die “Todesproduktion” auf []
  3. spiegel - Papst fordert Frieden für den Nahen Osten und Tibet []



Päpstliche Judenmission

So so. Der Papst ruft nun im Gebet also wieder zur Judenmission auf. An sich nichts schlimmes. Jede Religion, die was auf sich hält, hat den Anspruch, den einzig wahren Glauben zu vertreten. Einzig Christen kommen in den Himmel, so das offizielle Credo. Da man die Juden nicht alle in der Hölle schmoren lassen will, man ist ja ein Christ, muss man sie bekehren.
Ich will mich jetzt nicht über päpstliche Illogik auslassen, aber es zeigt sich einmal mehr, dass Religion und Humanismus nur unter sehr bestimmten Umständen vereinbar sind. Liess sich in der Vergangenheit eine Annäherung des Katholizismus an die Moderne erahnen, so wenden sich heute die Kirchenoberhäupter wieder stärker dem Mittelalter zu. ~ Kein Dialog unter Gleichen ~ Der Kreuzzug des Papstes




7 Todsünden, important update

Des Papstes scheinheilige Aktion, ganz auf die Kürze 7 neue Todsünden zu kreieren und dem Gläubigen zu kredenzen, löst Wutstürme in der rationalistisch-atheistischen Blogosphäre aus ~ The new seven deadly sins ~ Pope Watch: New Seven Deadly Sins




Fahr zur Hölle

“You offend God not only by stealing, blaspheming or coveting your neighbour’s wife, but also by ruining the environment, carrying out morally debatable scientific experiments, or allowing genetic manipulations which alter DNA or compromise embryos,” he said.

Bishop Girotti said that mortal sins also included taking or dealing in drugs, and social injustice which caused poverty or “the excessive accumulation of wealth by a few”.1

Leidvoll krümmt sich die katholische Kirche auf dem Sterbebett, doch ihr Geist blüht noch, ist gefüllt mit fanatisch kreativen Einfällen.

Gnadenlos konservativ und absolut weltfremd waren ja schon die alten sieben Todsünden. Wer kommt schon gegen die brutale Macht der Faulheit oder gar der Wollust an?

Doch jetzt bandelt der Papst mit den Sozis und den Grünen an, nebst einer Verbeugung vor den Technophoben und den militanten Abtreibungsgegnern. An sich spreche ja auch ich mich dafür aus, die Umwelt nicht zu zerstören oder keine Drogen zu verkaufen, doch diese Worte aus dem Munde der katholischen Kirche? Eine Institution, die durchwuchert ist von Pädophilie und deren blutiges Erbe immer noch auf ihr lastet. Leere Worte sind es, so lange die Kirche nicht vor der eigenen Tür kehrt. Leere Worte bleiben es auch danach noch, da die neuen sieben Todsünden gottlos vage definiert sind. Sündigt man also nun, wenn man Messwein trinkt? Schliesslich ist Alkohol eine verflucht beliebte Droge. Dazu die schlichte und PR-wirksame Verdammung des Reichtums, der Globalisierung und diverser irdischer Vergnügen.

That damn filthy pope, hm?

evil under the sun - Todsünden im Zuge der Globalisierung.
pharyngula - We’re all going to hell now

  1. times - Seven new deadly sins: are you guilty? []



Hiho, Mr. Pope

Pharyngula beleuchtet dankenswerterweise prägnant das aktuelle Geschwurbel des Papstes ~ Do we really care what the Pope says anymore?