Wieso einen eigenen Blogeintrag schreiben, wenn einem andere die Arbeit schon abgenommen haben?
In Australien ist diese Woche Fallout 3 auf den Index gekommen. Nicht etwa, weil sich die Zensurbehörde an der Gewalt gestört hätte, sondern weil sich in Fallout 3 Morphiumkonsum positiv auf die Fähigkeiten der Spielfigur auswirkt.
Marcos Kommentar:
[...] wenn der Zusammenhang zwischen Virtualität und Realität so zwingend gegeben wäre, dass es Verbote und Zensur tatsächlich bräuchte, ist es verwunderlich, dass willkürlich nur einige Medien indiziert werden und nicht alle gewalt- oder sonstiges “schädliches” Verhalten beinhaltende Medien. Vor allem aber wäre es doch mal interessant zu erfahren, wo denn die Millionen amoklaufender, heroinspritzender Computerspieler sind, die es zweifelsohne geben müsste, wenn man der platten Bevormundungslogik der Zensoren folgt. 1
In Australien trug ein 16-Jähriger in T-Shirt der Black-Metal-Band Cradle Of Filth, das eine nackte masturbierende Nonne zeigt, darunter die Schriftzüge Vestal Masturbation und Jesus Is A Cunt und wurde deswegen propmt verhaftet.
2005 trug in England ein 19-Jähriger dasselbe Shirt und musste als Strafe dafür 40 Pfund Busse zahlen und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.
Meinungsfreiheit, bye bye. Theokratie, willkommen im 21. Jahrhundert.
Langsam wird mir diese Scheisse zu viel. Alle paar Tage wird irgendjemanden hier im säkularen liberalen Westen ein Maulkorb verpasst. Bloss weil er gewagt hat, seine Meinung zu äussern und sich irgendjemand beleidigt gefühlt hat. Was soll das?
Hä, was soll das?
Aus Trotz hier das Shirt, das die beiden Cradle-Fans trugen und hoffentlich heute immer noch tragen:

hat tip to oz atheist
[by the way, jeder muss das recht haben, diese shirt zu tragen. sagen muss man allerdings auch, dass der träger damit wenig anstand beweist (sofern im öffentlichen raum getragen) und eine gute portion schlechten geschmack, was kleidungsstil anbelangt. trotzdem, ein wenig amüsant ist das shirt. wenn auch potthässlich, doch für einen verstoss gegen den guten geschmack strafarbeit verrichten zu müssen, ist das letzte, das eine demokratie brauchen kann.
dani filth, fronter von cradle, beweist einen liberalen geist:
"Defaming organised religion openly in public is now a crime? What is wrong with England? Still, the litter problem on our city streets should improve dramatically if they keep handing out 80-odd hour community punishment orders willy-nilly."1]
Kirchen sind in der Schweiz steuerbefreit, jedenfalls bis zu einem gewissen Grade. Vermutlich sind kleine Glaubensgemeinschaften nicht steuerbefreit - Scientology wohl eher nicht, obwohl es genauso eine religiöse Gruppierung darstellt wie die katholische Kirche. Aber wer alt und etabliert ist, der geniesst halt gewisse Vorrechte, auch wenn sich diese weder begründen lassen, noch irgendeinen Sinn machen würden.
Gemeinnützige Organisationen von den Steuern zu befreien, ist vermutlich eine gute Sache. Doch eine Religionsgemeinschaft ist bloss eine Gruppe Leute, die an denselben Gott - oder an dieselben Aliens - glauben. Sicherlich macht man denen einen Gefallen, wenn sie keine Steuern zahlen müssen. Doch um Gefälligkeiten sollte es nicht gehen. Wenn diese oder jene Kirche einen gemeinnützigen Arm hat, dann kann man diesen von den Steuern befreien, nicht aber der ganze unheimliche Apparat dahinter. Insbesondere, da sich die katholische Kirche nicht über Geldmangel beklagen muss. Der Papst und seine weissesten Schäfchen jedenfalls nicht. So war es, und so ist es immer noch.
Dann könnte man noch die Frage anschneiden, wieso für die Kirche mancherorts (in diesem Fall Australien) nicht dieselben Bedingungen gelten wie für ein beliebiges anderes Unternehmen. Oder könnte die UBS (oder ein grösseres australisches Unternehmen) ihren Angestellten vorschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben? Nein. Das gäbe einen (inter)nationalen Aufschrei, und allerhand Leute würden wieder gegen diese bösen Neoliberalen fluchen - ohne zu merken, dass die so beliebte moralische Instanz namens Kirche mit ihren Angestellten verfahren darf, wie sie gerade will. Ohne Proteste. “Weil das ist halt deren Glaube und so.” Wie wäre es - bloss so als kleiner Wachrüttler - wenn eine bekannte Unternehmung sich irgendeinem Aberglauben (inklusive strenger Moral und scharfer Sittengesetze) unterordnen würde, und Angestellte freistellen würde, wenn diese einen Fehltritt wagten?
Mit anderen Worten:
Some may even be thinking at this time that having to pay taxes would be a form of discrimination against religious organisations. But how is it discrimination if they have to simply follow the same rules and laws as everyone else? Businesses have to pay tax; citizens have to pay tax and so on. Yet religious organisations have somehow achieved a privileged status, one which does not create any clear tangible benefit for society (such as charitable or educational groups create).1