Heute habe ich zwei wunderbare Fundstücke zum Thema Meinungsfreiheit sufgespürt:
Salman Rushdie:
“Es wird allgemein für gerechtfertigt gehalten, die Redefreiheit einzuschränken, wenn eine Rede die Wirkung hat, die Reputation einer anderen Person fälschlicherweise oder böswillig zu zerstören. Das Recht von Beleidigung und Verleumdung behauptet kurz gesagt ein Eigentumsrecht von jedermann an seiner eigenen Reputation. Aber niemandem kann seine „Reputation“ gehören, weil diese einfach nur eine Funktion von Gefühlen und Einstellungen anderer Menschen ist. Da aber niemandem wirklich das Bewußtsein und die Einstellungen anderer gehören können, kann auch niemand im Wortsinn ein Eigentum an seiner Reputation haben. Die Reputation einer Person verändert sich ständig, in Abhängigkeit von den Einstellungen und Meinungen des Restes der Bevölkerung. Deshalb kann der verbale Angriff auf jemanden kein Eingriff in sein Eigentum sein und somit nicht verboten oder strafrechtlich verfolgt werden.
Es ist natürlich unmoralisch, falsche Behauptungen über eine andere Person aufzustellen, aber es sei noch einmal gesagt, daß das Moralische und das Rechtliche für den konsequenten Liberalen zwei gänzlich verschiedene Kategorien sind.”
Roger Köppel:
“Liberale Demokratien leben von Voraussetzungen, die sie selber nicht garantieren können. Gesinnungen können nicht eingefordert, korrekte Meinungen nicht befohlen werden. An der Wurzel der liberalen Demokratie steht die Überzeugung, dass alles, was für wahr gehalten wird, straflos in Frage gestellt, dem Widerstreit der Meinungen ausgesetzt werden kann. Nicht die Festschreibung von Gewissheiten, sondern die Möglichkeit der Kritik und Auseinandersetzung hält die offene Gesellschaft im Innersten zusammen.
[...]
Tabus und Sprechverbote nähren Ressentiments, Heuchelei, Verschwörungen und Opfermythen. Vor allem behindern sie das offene Gespräch, den Wettbewerb der Auffassungen, der zu den grössten Errungenschaften und Qualitäten moderner Gesellschaften gehört.
[...]
Seit wann obliegt es politischen Körperschaften, historische Vorgänge rechtsverbindlich zu definieren?
[...]
Meinungen sind nicht mit Gesetzen, sondern mit Argumenten zu bekämpfen. Wer nicht an die Geltungskraft schlüssiger Beweisführungen glaubt, zweifelt an der Menschenwürde, die Freiheit einschliesst, übrigens auch die Freiheit zum Irrtum. Die Antirassismusstrafnorm ist das Resultat des irrigen Versuchs, die richtige Meinung, die richtige Gesinnung gesetzlich herzustellen. Weiter kann man sich vom Erbe der Aufklärung kaum entfernen.”
gefunden in einem kommentar von dominik hennig beim bad blog
Schadet Religion mehr als sie nützt?
Eine Frage, die ich vorläufig unbeantwortet lassen will.
Ab und zu ist mir der Gedanken durch den Kopf gegangen - Üblicherweise nicht dann, wenn ich satt und zufrieden mein Weinglas geleert und die Bratensosse vom Kinn getupft habe. -, die Religionen doch einfach zu verbieten. Dann würden etliche Probleme wegfallen. Islamischer Fundamentalismus zum Beispiel. Die Schrecken eine strafenden Gottes. Oder bloss schon nur ein Teil der AIDS-Problematik in Afrika.
Religionen zu verbieten, wäre jedoch ein Ding der Unmöglichkeit. Staatskirchen kann man noch relativ einfach ausschalten, diffiziler wird’s bei den Freikirchen und Sekten. Doch das ist bloss die Spitze des Eisbergs. Religion ist bloss organisierter Glaube. [Ein gewitzter Mann sagte einmal, würde einer allein behaupten, weisse Mäuse gesehen zu haben, käme er in die Irrenanstalt, würden dies hunderte, tausende zusammen behaupten, würde man dies Religion nennen. Oder so ähnlich.]
Glaube und Aberglaube bringt man aus dem Menschen nicht raus. Beide sind Teil einer durchschnittlichen Gesellschaft. Glaube bedeutet, Fakten zu ignorieren, unbeantwortbare Fragen zu beantworten und aus dem Nichts heraus Behauptungen aufstellen und diese gar mit “Argumenten” belegen zu können. Dies zeigt sich im Fegefeuer der Christen, in den Anti-Impf-Bewegungen, in Kobolden und Gnomen in Is- und Irland und auch in der Politik [Besonders bei kontroversen Themen geht es um subjektive Überzeugungen, die sich nicht auf Sachwissen stützen, sondern häufig auf vorkäuende Politiker, Redner und andere komische Leute.].
Religion zu verbieten, würde dem Glauben also bloss die Blattspitzen stutzen, und das Übel nicht an der Wurzel packen.
[Blinden Glauben bekämpft man am besten mit Aufklärung. Aufklärung beginnt jedoch mit Skeptizismus. Damit also, sich und seine Meinung kritisch zu hinterfragen. Manchmal braucht es dazu Denkanstösse, teils auch recht ruppige geistige Ohrfeigen. Deshalb bin ich hier.]