Atheistische Indoktrination

Werft alles über den Haufen, was ihr je über die Bedeutung des Wortes “Indoktrination” gehört hat. Kinder werden nämlich nicht indoktriniert, indem ihre Eltern ihnen den Koran vorlesen, sie zum Homöopathen bringen oder in der Kirche beten lassen. Die Atheisten indoktrinieren uns alle mit ihren Büchern, die zu kaufen sie uns zwingen.

Das Problem ist, dass die meisten Leute nur die eine Seite der Geschichte hören. Sie werden durch die atheistischen Argumente indoktriniert, ohne je eine fundierte Erwiderung zu hören.1

klirr… Das Glashaus brach soeben zusammen, getroffen von hunderten Backsteinen und der einen oder anderen Granate.

Pater Thomas D. Williams von den Legionären Christi erklärt dann im Interview mit dem romtreuen Blättchen Zenit dann noch, dass die Atheisten Fakten verfälschen und Ammenmärchen erfinden. Ah ja, ein paar Zeilen später wird’s dann noch besser, als Williams die religiöse Erziehung von Kindern explizit in Schutz nimmt. In anderen Worten, er schliesst aus, dass dies irgendetwas mit Indoktrination gemein hat.

Die Beweislast für die Existenz von Abraham Lincoln sei in etwa auch gleich gross wie die Beweislast für die Existenz von Jesus als historische Person.

Dieser Williams kännte glatt eine Comicfigur sein, ich habe jedenfalls selten reale Person solchen Unsinn schwurbeln hören. Und beinahe ist dieses Interview lustiger als eine Folge South Park. Eine schlechte Folge South Park. Beängstigend ist bloss, der Typ existiert tatsächlich.

hat tip: nickpol

  1. Zenit - Antworten auf die Religionskritik von Atheisten []



Fahr zur Hölle, Gottloser!

Ja, Atheisten können sich durchaus beleidigt fühlen, wenn ihnen ein Christfanatiker erzählt, sie würden zur Hölle fahren…

I am offended that someone would believe that a murderer, rapist, or thief who has said they are sorry for their crimes would get into Heaven, whilst a person who has done nothing but think would go to Hell.
[...]
I am offended that anyone (gods included) would consider murder an equal crime to using free will.
[...]
I am offended that someone would believe that I actually deserve such a punishment for using my own questioning abilities.
[...]
I am offended that others would claim their own questioning isn’t a crime whilst my own is, based solely on the outcome of said questioning.
1

  1. the atheist blogger - Why I am offended when told I am going to Hell []



Die Bestie Atheismus

Wo ist Walter? *Räusper* Wie viele Fehler hat Bischof Gerhard Ludwig Müller während einer seiner Predigten gemacht?

Auch heute dürfe man sich nicht einreden lassen, „dass wir hinter dem Mond zu Hause seien“.1 Der christliche Glaube habe Zeiten überdauert, in denen ein aggressiver Atheismus wie Nationalsozialismus2 und Kommunismus34 herrschte.

Der Atheismus sei aber auch heute noch präsent, teils werde er – wie im Falle des Buches „Gotteswahn“ von Richard Dawkins - wissenschaftlich getarnt.5

Deutliche Kritik äußerte der Regensburger Bischof außerdem an der Schrift „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ von Michael Schmidt-Salomon.

Darin werde das Bild vermittelt, dass sich alle, die an einen Gott glauben, auf dem Niveau eines Schweines befänden.67 Sogar Kindstötungen stellen nach dieser völlig amoralischen Sichtweise kein Verbrechen dar, weil der Mensch keinen freien Willen habe8 und nur von seinen Genen gesteuert handle.91011 „Wo Gott geleugnet wird, gib es keine Werte mehr“, so Bischof Gerhard Ludwig.12 Die christliche Kultur habe eine große Geschichte hinter sich13 und auch eine große Zukunft vor sich. Der Mensch dürfe niemals Mittel zum Zweck werden.14

Menschen dürfen niemals als bloßes Biomaterial missbraucht werden nach dem Motto: Das Recht ist immer auf der Seite des Stärkeren.15 Die Einsicht, dass jeder einzelne Mensch eine unveräußerliche Menschenwürde besitze, rührt vom christlichen Menschenbild.1617

  1. Der Gottesglaube ist realitätsfern. []
  2. Nationalsozialismus ist nicht atheistisch. []
  3. Die Leute wurden wegen dem Kommunismus umgebracht, nicht wegen dem Atheismus []
  4. Der Atheismus liefert keinen Grund, jemanden zu töten. []
  5. Wissenschaft funktioniert nicht, wenn der Forscher gleichzeitig an Kobolde glaubt, die im Garten rumtollen. []
  6. Hybris. Falsches Verständnis der Evolution. Zwischen verschiedenen Arten gibt es keine Wert- oder Niveauunterschiede. []
  7. In jenem Buch das Ferkel der Skeptiker, und nicht der Gläubige. []
  8. Ein Verbrechen ist ein Verbrechen, unabhängig davon, ob der Mensch dies aus freiem Willen getan hat oder nicht. []
  9. Die Gene steuern keine ganzen Personen. Das Hirn ist dafür verantwortlich. []
  10. Die Wissenschaft kann momentan nichts darüber sagen, ob der Mensch einen freien Willen hat. []
  11. Selbst wenn der Mensch keinen freien Willen hätte, so wären diverse Verbote angebracht, da das Risiko einer Busse oder einer Gefängnisstrafe trotzdem einberechnet wird. []
  12. Doch. Bloss sind diese rationalistisch begründet. []
  13. Mit tausenden von Toten. []
  14. Ich habe noch nie einen Atheisten dies sagen hören. Vermutlich wegen der engen Verknüpfung mit dem Humanismus. []
  15. Atheisten sind nicht dasselbe wie Sozialdarwinisten. []
  16. Bloss hatte der einzelne Mensch während der Herrschaft der Priester, Bischöfe und Päpste nicht viel von seiner Würde. Er hatte schliesslich auch keine Rechte. []
  17. Brightsblog - ‘Wo Gott geleugnet wird, fällt Menschenwürde’ []



Gottesfragen und hirnrissige Antworten

Bereits die Einleitung zu Terry Eagletons Artikel “Die Gottesfrage” ist fürchterlich:

Religiöser Fundamentalismus fällt nicht vom Himmel. Er ist eine Reaktion auf die kalte Zweckrationalität der liberalen Gesellschaft1

Natürlich, weil die Fürsten damals im Mittelalter so liberal waren, peitschten Kreuzzüge über den Kontinent. Bloss wegen den fürchterlich liberalen Diktatorenpräsidenten in arabischen Staaten existiert heute der Islamismus.

Doch es kommt noch besser. Der 9/11 hatte nicht nur nichts mit Religion zu tun, die Islamisten hätten darüber hinaus auch gar keine Ahnung vom Islam und seien somit eigentlich überhaupt nicht gläubig.

Plötzlich ist die Welt in zwei Lager gespalten, in diejenigen, die viel zu viel, und diejenigen, die viel zu wenig glauben.2

So ist das also: Atheisten glauben zu wenig. Islamisten zu viel. Christen genau richtig.
Technisch glauben die Atheisten überhaupt nicht an einen Gott und die Christen genauso sehr an einen Gott wie die Islamisten. Technisch gibt es keine Graustellen zwischen Glauben und Nichtglauben. Ein bisschen an Gott glauben, geht einfach nicht. Und ob jemand an einen nächstenliebenden Gott glaubt ist nicht etwas anderes, als wenn jemand an einen jähzornigen, strafenden Gott glaubt. Beides gründet sich auf derselben Irrationalität.
Zudem scheint Terry die Esoterik völlig vergessen zu haben. Oder will er ernsthaft behaupten, ein Astrologe glaube weniger als etwa ein Evangelikaler?

Den entsetzlichen Drang, mich zu übergeben, verspürte ich dann bei folgenden Zeilen:

Die eigentliche Ironie besteht darin, dass der liberale Säkularismus in Wirklichkeit Fundamentalismus gebiert. [...] Fundamentalismus ist die instinktive Reaktion all jener, die von einer supersäkularen, oberflächlichen, rein technologischen Rationalität zu spirituellen Fanatikern gemacht wurden – weil diese Rationalität alle unsere emotionalen und metaphysischen Fragen achtlos beiseite wischt und den Eiferern überlässt.3

Ja, gottverdammt, wir Atheisten sind tatsächlich für Al-Qaida verantwortlich. Wir essen abends auch gerne kleine Kinder und lassen schon mal die eine oder andere Atombombe detonieren. Auch hinter den Hexenverbrennungen im Mittelalter standen Atheisten. Der Papst ist bloss eine kleine Spielfigur der grossen atheistischen Weltverschwörung, die den Glauben an die Evolution indoktrinieren will. Um das ging es seit der Geburt von Jesus: Um den Darwinismus. Daneben planen wir an einem Supervirus, das jegliche Emotionen zerstören wird. Mit den Zionisten an unserer Seite, versteht sich. Denn wir Atheisten haben schon immer gewusst, dass Emotionen und Rationalität nicht vereinbar sind. Deshalb sind wir Atheisten allesamt Asketen, die bloss essen, um dem Körper Nährstoffe zuzuführen. Deswegen sieht man uns nie in Restaurants. Weil wir ein gutgebratenes, saftiges Steak gar nicht geniessen können.

Was Terry will, ist eindeutig: Eine christlich-sozialistische Theokratie.
Denn es ist offensichtlich: In liberalen Staaten werden tausende von Leuten gesteinigt, bloss weil sie den falschen Glauben haben. Und die Marktwirtschaft, die hat bloss Hungersnöte und Armut gebracht. Deswegen habe ich heute auch keine Schreibmaschine. In einer Planwirtschaft wäre die mir nicht vergönnt.

Bevor ich meinen Kopf noch gegen die Wand schlage, beende ich die Lektüre dieses Artikels vorzeitig und verweise auf die Freunde der offenen Gesellschaft, die sich den Abgründen dieser Bitverschwendung ebenfalls angenommen haben:
Gottesfragen in der ZEIT

  1. Die Zeit - Die Gottesfrage []
  2. Die Zeit - Die Gottesfrage []
  3. Die Zeit - Die Gottesfrage []



Warum der Christ gottlos wird

Warum werden Christen zu Atheisten?

* 14.89% were dissatisfied with some of the answers given to them by priests or other religious people.
* 14.89% saw that the religious doctrine wasn’t compatible with science and reality.
* 12.76% came to the realisation that religious dogma was “internally incoherent” and illogical.
* 10.63% read the Bible and found that for the Holy Book of Christianity, it didn’t reflect modern day Christianity at all.
* 8.51% found the corruption and scandals following the church as a persuasive argument against following their doctrine.
* 8.51% gave up on prayer and religion when they realised that nobody was going to listen, let alone answer to them.
* 8.5% thought the similarities of Christianity with so many other religions (and yet so different at the same time) the primary factor of their deconversion.
1

Nein, Leute kann man nicht davon überzeugen, dass für Gott nicht der Krümel eines Beweises existiert. Aber man kann sie zum Denken anregen und ihnen zeigen, dass es noch andere Weltanschauungen gibt als ihre Religion. Man kann ihnen zeigen, wo überall Religion mit der Wissenschaft nicht kompatibel ist. Man kann die religiösen Dogmas hinterfragen. Doch schlussendlich ist es das Individuum selbst, das über seinen Glauben entscheidet.

As atheists we can provide the resources to support people trapped in the religious paradigm, but I think we delude ourselves if we think that we have some kind of role in “shaking up” peoples faith. Ultimately a person has to liberate themselves from religion, it is not for us to assume the role of atheist proselytes.2

Dazu wäre es mehr als merkwürdig, würden Atheisten aktiv versuchen, Gläubige zu dekonvertieren.

  1. the atheist blogger - What turns Christians into atheists? []
  2. kieran bennett - What works in deconverting Christians? []



Steine und kindische Religionen

The word god is for me nothing more than the expression and product of human weaknesses, the Bible a collection of honourable, but still primitive legends which are nevertheless pretty childish. No interpretation no matter how subtle can (for me) change this.

und:

For me the Jewish religion like all others is an incarnation of the most childish superstitions. And the Jewish people to whom I gladly belong and with whose mentality I have a deep affinity have no different quality for me than all other people. As far as my experience goes, they are no better than other human groups, although they are protected from the worst cancers by a lack of power. Otherwise I cannot see anything ‘chosen’ about them.

Einstein mag nicht gottlos gewesen sein, doch Erzreligiöse sollten künftig doch etwas vorsichtiger sein, wenn sie ihn zitieren.

hat tip to pz myers




Dekadente Moral

Wir alle wollen bloss unseren Spass haben. Genuss und Fun, bis der Kopf zerbricht und das Hirn rauströpfelt.

Deshalb tun wir auch Gutes:

But now that charity leads to happiness (something which was known through experience and now experimentally), the ancient definition of “hedonism” (seeking pleasure) actually has to include charity. That’s right: charity is hedonism.

So, I guess my points are that atheists have reasons to be good and moral (it leads to happiness), and point out that religions have attempted to take whatever leads to happiness and attach “it must be God” — which is kind of sad when you think about how blind and misguided that idea is.1

  1. tiny frog - Charity leads to Happiness []



Poetry Acts Insanely - Über atheistische Moral

[...]
When “accepting Christ as savior”–
When belief, and not behavior–
When some obsolete mythology determines what is right,
I could feed the starving masses
Cause the blind to just need glasses
Feed the world on loaves and fishes
Give Aladdin three more wishes
Cure the miseries of lepers
And the myriad twelve-steppers,
Cure Ben Stein of his inanity,
Bring peace to all humanity…..
Am I moral in the eyes of Christianity? … not quite.
1

  1. The Digital Cuttlefish - Can An Atheist Be Moral? []



Wieso stehen wir Atheisten am Morgen auf?

No one atheist (Dawkins arguments included) can successfully explain to me why they bother to get out of bed of a morning?1

I’m throwing this question open to the floor. Well, atheists: what have you got to say?2

Eine solch lustig-naiv-gottesfürchtige Frage schreit förmlich danach, beantwortet zu werden:

Einerseits sind da natürlich ganz leibliche Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen. Diese zu ignorieren, würde in Schmerzen und Pein enden.

Dann liebe ich einfach das Leben. Gewiss, manche Aspekte sind scheisse. Und ich kann mich auch nicht mit imaginären Freunden und halluziniertem Himmel darüber hinweg trösten, dass mein Leben durch und durch endlich ist. Doch im Gegensatz zu Theisten kann ich mich auch über die schlichte Eleganz einer Evolutionstheorie freuen. Und ich kann Schönheit geniessen, ohne überall Seelen zu suchen, gut, ich muss mir anhören, oberflächlich zu sein und in der Hölle zu enden, aber das ist in etwa so furchterregend, wie wenn man mir damit droht, mich mit einer Gänsedaune verprügeln zu wollen. Wobei die Daune immerhin real wäre.

Ich stehe morgens auf, weil ich bloss ein Leben habe und aus diesem Leben so viel herausholen will, wie ich bloss kann. Weil ich durch mein Handeln etwas bewirken kann - und nicht etwa gegen die unsichtbare Wand anrenne, die manche auch Schicksal nennen. Weil sonst die religiösen, kreatürlich-kreationistischen Wirrköpfe gewinnen.

Und weil ich mich über solche Fragen amüsiere, die implizieren, dass ein Leben ohne Gott, höheren Sinn und höhere Bestimmung unweigerlich Siechtum und Depression bedeuten muss. Stattdessen muss ich meinem Leben einen Sinn geben, und genau deswegen geniesse ich es. Weil man das Leben einfach so geniessen kann.

Wie schön es ist, atheistische Blogs zu durchstöbern. Verdammt, ja, ich geniesse auch die paar Müsliflocken mit Sultaninen und Milch am Morgen. Ich mag es, nach ein paar wenigen Stunden Schlaf ausgiebig zu duschen. Ich mag den Geruch von Sommer am frühen, nachtschimmernden Morgen. Ich mag die Sanftheit von Seide unter meinen Fingerkuppen. Hm, ich mag es selbst, hier einen Schlusspunkt zu setzen. Bloss weil ich es kann. Ich mag einbrechende Dunkelheit und ein Stück hausgemachter Lasagne. Ich mag die Zartheit, die man in den Augen einer hübschen Kollegin findet. Ich mag das Rauschen von Blättern und Zweigen im Wind. Ich mag Nebel, der sich wie zartweisse Wolkenfetzen um knorrige Bäume legt. Ich mag weisses Papier…

  1. Kommentar beim Thinkers’ Podium []
  2. Five Public Opinions - Why do we atheists bother getting out of bed in the morning? []



Brachialatheisten und pure Sinnlosigkeit

Sinnlosigkeit in den Texten wütender Prediger, die im Atheismus sowas wie islamischen Fundamentalismus sehen. Etwas Scheussliches, das uns alle eines Tages umbringen werde.

Der Gottesglaube, den Dawkins widerlegen will, ist jener fundamentalistische Kreationismus, der selbst wieder nur ein seitenverkehrter Naturalismus ist.

Und das Gute ist dasselbe wie das Böse. Und wenn ich etwas mag, dann hasse ich es. Und wir werfen alles in einen Topf um schlussendlich eine graue Brühe zu entdecken. So konfus wie irrig.

Wer sich in heroisch-existentialistischer Haltung nicht genötigt, sondern befreit sieht, als Produkt eines blinden Zufalls zu leben, wird sich keinem Schöpfer zu Dank verpflichtet sehen.

Nun ja, Evolution ist ja alles andere als blinder Zufall, doch das scheinen immer noch nicht alle begriffen zu haben. Aber ich gebe mich geschlagen angesichts der immensen Freiheit, die jemand geniesst, der in ständiger Furcht vor Gott lebt und der sich an ein unveränderliches Schicksal gebunden sieht.

Auch moralische Alarmrufe, etwa dass ein naturalistisches Menschenbild fatale ethische Konsequenzen habe, werden wenig ausrichten. Der Hinweis auf den moralischen Nutzen der Religion hat noch nie ihren Wahrheitsanspruch stützen oder gar ersetzen können.

Natürlich. Natürlich. Der Herr Dawkins ist ein ganz übler Kindermörder und Kriegshetzer. Ach bitte, gerade aus dem Fehlen eines Gottes und eines Jenseits ergebt sich der Zwang, das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Und das funktioniert nur mit verbindlichen, unverrückbaren Rechten, die jeder Mensch geniesst. Sonst müsste ich als Atheist Gesetzlosigkeit befürworten und somit Gefahr laufen, vom nächsten Psychopathen abgeschlachtet zu werden. Und das war jetzt eine schwere kognitive Leistung.

Kosmologische Spekulationen werden niemanden, der sich nicht in der ersten Person Singular als Geschöpf empfinden kann, vom Gottesglauben, ganz zu schweigen vom christlichen Glauben, überzeugen.

Wenn ich spekuliere, dass Gravitation eigentlich gar nicht existiere, auf einen Baum klettere und mich runter stürze, was bin ich dann?
Und nein, ich bin nicht etwas Geschöpftes, sondern etwas Entstandenes. Wenn ich spekuliere, die Evolutionstheorie existiere gar nicht und vor einem Berg von Beweisen (für die Evolutionstheorie) stehe, was bin ich dann?

Wer sich ohne Rücksicht auf seine Würde und seine Selbstachtung als „Maschine zur Weitergabe seiner Gene“ verstehen will, bei dem werden eher die Dawkinsschen Argumente, und seien sie noch so flach, Resonanz finden.

Und plötzlich ist die Realität, gar die Wahrheit, davon abhängig, wie ich eben jene gerne hätte. Hm, ich wünsche mir, dass ich wenn ich die Tastatur hochhebe, darunter ein Tausender liegt. Ach, kein Tausender da. Dann funktioniert das mit dem “ich bestimme, wie die Realität auszusehen hat, ihr Deppen” doch nicht. Vermutlich ist es doch so, dass die Realität einfach ist, und ich sie mit wissenschaftlichen Mitteln erforschen kann.
Und jetzt, wo ich das sehe und auch sehe, dass ich nur eine “Maschine zur Weitergabe meiner Gene” bin, fühle ich mich ganz wertlos und habe jegliche Selbstachtung verloren. Weil, wie könnte ich, wenn da kein höherer Sinn ist? Soll ich etwa mein Leben so geniessen, ohne einen unsichtbaren Freund? Ich kann doch keine Pizza mehr geniessen, wenn Gott das nicht für mich so vorherbestimmt hat. Weil, äh…

faz - Gott ist ein Nichtsnutz