(Atheisten. Libertäre. Beide bringt man sowenig in einer Gruppe zusammen wie Katzen. Darüber hinaus bedingt das eine nicht das andere. Atheisten können Demokraten, Republikaner, Sozialisten oder Anarchisten sein. Libertäre wiederum können Brights, Atheisten, Agnostiker, Heiden, Muslime oder Kreationisten sein. Man könnte meinen, dass rationelle, nüchterne Denken, das zum einen der beiden geführt hat, würde automatisch auch das andere auslösen. Doch dies ist nicht der Fall. Zwar gibt es Leute wie Penn Jillette, die naturalistisch und libertär sind, aber sie scheinen relativ selten zu sein. Ein Punkt, bei dem zwischen Atheisten und Libertären eine Diskrepanz herrscht, ist die Schulfrage.)
Homeschooling. Staatliche Schulen.
Für den Atheisten ist Homeschooling ein Gräuel. Evangelikale, die ihre Kinder zu Hause behalten, um ihnen zu lehren, dass die Erde erst 6′000 Jahre alt ist. Was könnte es Schlimmeres geben?
Der Libertäre sieht im Homeschooling hingegen Eigenverantwortung und Freiheit. Bildet jemand seine Kinder zu Hause aus, so beansprucht er keine staatlichen Finanzen und gestaltet sein Leben frei und nach eigenem Gutdünken.
Atheisten möchten das Homeschooling also verbieten, Libertäre möchten es mit einer Steuererleichterung belohnen. Wie können die beiden Gruppen zu einem Konsens finden?
1. Es ist ein beliebter Fehler, zu denken, der Staat würde bestimmte Dinge besser machen als Private. Der Staat ist kein Übermensch oder Superman, er vertritt die Interessen von Bevölkerungsgruppen und seine ureigenen. Auf die Schulen bezogen wird dort unterrichtet, was die demokratische Mehrheit wünscht. Beim Homeschooling wird unterrichtet, was die Eltern wünschen. Gruppenweisheit existiert nicht, die Entscheidungen eines Volkes sind genauso gut oder schlecht wie die einer Einzelperson. Dazu kommt, dass die Stimmbürger wenig Einfluss auf die Schulen haben. Staatsschulen werden von Direktorien und Gremien geführt. Denen ist genauso zu misstrauen wie der evangelikalen Mama.
2. Staatliche Schulen sind weder säkular noch frei von Indoktrination. Die Schweizer Schulen kommen der Kirche entgegen, indem sie ihr Unterrichtszeit zur Schule stellen, während der dann der Pfarrer seinen Schäfchen von der Hölle erzählen darf. Nicht konfessioneller Unterricht gibt es während der obligatorischen Schulzeit schon gar nicht, stellt aber auch am Gymnasium lediglich eine Schönfärberei des Gotteswahns dar. Eine neutrale Sicht auf die Religionen würde nämlich auch bedeuten, die hässlichen Seiten nicht auszulassen. Doch wann hört man am College schon von der sexuell repressiven Haltung eines Dalai Lamas oder den hinduistischen Religionskriegen? Des weiteren wird die Sozialdemokratie mit der sozialen Marktwirtschaft angepriesen. Andere Staatsmodelle werden nicht erläutert. Ausser die zwei unbrauchbaren des Kommunismus und des Faschismus. Der Staat wird darüber hinaus als gütiger Vater dargestellt. Über seine negativen Seiten erfährt man an der Schule ebenso wenig wie man den Schulunterricht als solchen oder bestimmte Aspekte dessen in Frage stellen darf. Indoktrination in den Schulen ist nicht kreationistisch, aber etatistisch.
3. Homeschooling muss nicht zwingend Kreationismus bedeuten, sondern kann auch naturalistisch-libertären Unterricht meinen.
4. Weltanschaulicher Unterricht ist nie gutzuheissen, auch wenn er atheistisch und liberal ist. Vielmehr sollte man den Kindern beibringen, wie man denkt. Nie aber, was sie denken sollen.
5. Ein Kind hat meines Erachtens das Recht auf eine weltanschaulich und politisch neutrale Bildung. Da die staatliche Schule ein Produkt eines politischen Prozesses it, kann sie dieses Recht nicht garantieren.
6. Einzelpersonen, seien es Lehrer an Homeschools, privaten oder staatlichen Schulen können aber durchaus fähig sein, nüchtern, sachlich und neutral zu unterrichten. Ob sie dies tun, hängt aber von ihren selbst ab und nicht vom übergeordneten Schulsystem.
7. Die Bandbreite der Bildung wird grösser, wenn man das staatliche Bildungsmonopol bricht. Dies bedeutet für manche Kinder eine ausserordentlich gute Ausbildung, für andere bedeutet dies pure Indoktrination und miserable Bildung.
8. Kinder werden von ihren Eltern jedoch genauso indoktriniert und erstklassig gefördert, wenn es nur staatliche Schulen gibt. Ein Kreationist wird seinem Kind lehren, dass die Bibel das exakte Wort Gottes ist und den Biologieunterricht als Lüge bezeichnen. Dabei ist zu erwarten, dass die Eltern den grösseren Einfluss haben als die Lehrer. Ein Freidenker wird trotz des staatlichen Unterrichts sein Kind zu Skeptizismus und Selbstbildung ermuntern.
9. Auch in der Schweiz gibt es Schulabgänger, die nicht richtig lesen und schreiben können. Staatsschulen können also versagen. Auch in der Hochbegabtenförderung.
10. Die Frage nach Homeschooling scheint also müssig zu sein. Vielmehr müsste man das Fragezeichen hinter das staatliche Bildungsmonopol setzen.
11. Wir Atheisten sollten nicht das Homeschooling im Visier haben, sondern versuchen, den Atheismus salonfähig zu machen und den Kindern den freien Zugang zu Information und Bildung zu ermöglichen und sie zu ermuntern, Fragen zu stellen und selbstständig und kritisch zu denken.
12. Wir Naturalisten und Libertäre müssen Wege finden, wie man Kinder vor elterlicher und schulischer Indoktrination schützen kann.
Es ist so merkwürdig wie einleuchtend, dass nur Atheisten begreifen, dass sie Atheisten sind. Theisten weisen diesen Fakt jeweils weit von sich, obwohl sie die Existenz der grossen Mehrheit von Gottheiten ebenso negieren wie ganz gewöhnliche Atheisten.1
Was ist ein Bright?
* Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild.
* Das Weltbild eines Bright ist frei von übernatürlichen und mystischen Elementen.
* Die Ethik und Handlungen eines Bright basieren auf einem naturalistischen Weltbild.
Atheisten können Brights sein, müssen aber nicht. Auch Pantheisten können Brights sein. Die Frage ist einzig, wie stark eine Person Schindluder mit dem Begriff Gott treibt. Definiert man Gott als übernatürliches Wesen, dann kann ein Bright nicht an Gott glauben. Bezeichnet man hingegen das Universum, Dunkle Energie, die Natur oder seine Freundin als Göttin, resp. Gott, dann kann auch ein Bright von der Schönheit von Gott sprechen und ihn verehren, ohne dass er dabei an übernatürliche Wesensheiten glauben muss. Einstein war ein Pantheist, gleichzeitig aber ein Atheist, für ihn war Gott nicht biblisch, sondern das Universum selbst.
Pantheismus, Atheismus und Brights sind also 3 Begriffe, die sich überschneiden. Auch wenn manch ein Katholik nicht begreifen mag1, dass Einstein ein Atheist war und auch Atheisten einen Gott oder eine Göttin haben können. Abhängig davon, ob sie Gott als Metapher begreifen oder nicht.
Wieso meinen ganze Hundertschaften von Leuten, einer, der nicht an das metaphysische Ding names Seele glaubt, sei seelenlos (im übertragenen Sinn)?
Für Atheisten, Humanisten, Freidenker und alle, die ein naturalistisches Weltbild haben, gibt es jetzt ein Social Network. Atheist Nexus nennt es sich. Viel Spass damit!
hat tip: pz myers
Werft alles über den Haufen, was ihr je über die Bedeutung des Wortes “Indoktrination” gehört hat. Kinder werden nämlich nicht indoktriniert, indem ihre Eltern ihnen den Koran vorlesen, sie zum Homöopathen bringen oder in der Kirche beten lassen. Die Atheisten indoktrinieren uns alle mit ihren Büchern, die zu kaufen sie uns zwingen.
Das Problem ist, dass die meisten Leute nur die eine Seite der Geschichte hören. Sie werden durch die atheistischen Argumente indoktriniert, ohne je eine fundierte Erwiderung zu hören.1
klirr… Das Glashaus brach soeben zusammen, getroffen von hunderten Backsteinen und der einen oder anderen Granate.
Pater Thomas D. Williams von den Legionären Christi erklärt dann im Interview mit dem romtreuen Blättchen Zenit dann noch, dass die Atheisten Fakten verfälschen und Ammenmärchen erfinden. Ah ja, ein paar Zeilen später wird’s dann noch besser, als Williams die religiöse Erziehung von Kindern explizit in Schutz nimmt. In anderen Worten, er schliesst aus, dass dies irgendetwas mit Indoktrination gemein hat.
Die Beweislast für die Existenz von Abraham Lincoln sei in etwa auch gleich gross wie die Beweislast für die Existenz von Jesus als historische Person.
Dieser Williams kännte glatt eine Comicfigur sein, ich habe jedenfalls selten reale Person solchen Unsinn schwurbeln hören. Und beinahe ist dieses Interview lustiger als eine Folge South Park. Eine schlechte Folge South Park. Beängstigend ist bloss, der Typ existiert tatsächlich.
hat tip: nickpol
Ja, Atheisten können sich durchaus beleidigt fühlen, wenn ihnen ein Christfanatiker erzählt, sie würden zur Hölle fahren…
I am offended that someone would believe that a murderer, rapist, or thief who has said they are sorry for their crimes would get into Heaven, whilst a person who has done nothing but think would go to Hell.
[...]
I am offended that anyone (gods included) would consider murder an equal crime to using free will.
[...]
I am offended that someone would believe that I actually deserve such a punishment for using my own questioning abilities.
[...]
I am offended that others would claim their own questioning isn’t a crime whilst my own is, based solely on the outcome of said questioning.1
Wo ist Walter? *Räusper* Wie viele Fehler hat Bischof Gerhard Ludwig Müller während einer seiner Predigten gemacht?
Auch heute dürfe man sich nicht einreden lassen, „dass wir hinter dem Mond zu Hause seien“.1 Der christliche Glaube habe Zeiten überdauert, in denen ein aggressiver Atheismus wie Nationalsozialismus2 und Kommunismus34 herrschte.
Der Atheismus sei aber auch heute noch präsent, teils werde er – wie im Falle des Buches „Gotteswahn“ von Richard Dawkins - wissenschaftlich getarnt.5
Deutliche Kritik äußerte der Regensburger Bischof außerdem an der Schrift „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ von Michael Schmidt-Salomon.
Darin werde das Bild vermittelt, dass sich alle, die an einen Gott glauben, auf dem Niveau eines Schweines befänden.67 Sogar Kindstötungen stellen nach dieser völlig amoralischen Sichtweise kein Verbrechen dar, weil der Mensch keinen freien Willen habe8 und nur von seinen Genen gesteuert handle.91011 „Wo Gott geleugnet wird, gib es keine Werte mehr“, so Bischof Gerhard Ludwig.12 Die christliche Kultur habe eine große Geschichte hinter sich13 und auch eine große Zukunft vor sich. Der Mensch dürfe niemals Mittel zum Zweck werden.14
Menschen dürfen niemals als bloßes Biomaterial missbraucht werden nach dem Motto: Das Recht ist immer auf der Seite des Stärkeren.15 Die Einsicht, dass jeder einzelne Mensch eine unveräußerliche Menschenwürde besitze, rührt vom christlichen Menschenbild.1617
Bereits die Einleitung zu Terry Eagletons Artikel “Die Gottesfrage” ist fürchterlich:
Religiöser Fundamentalismus fällt nicht vom Himmel. Er ist eine Reaktion auf die kalte Zweckrationalität der liberalen Gesellschaft1
Natürlich, weil die Fürsten damals im Mittelalter so liberal waren, peitschten Kreuzzüge über den Kontinent. Bloss wegen den fürchterlich liberalen Diktatorenpräsidenten in arabischen Staaten existiert heute der Islamismus.
Doch es kommt noch besser. Der 9/11 hatte nicht nur nichts mit Religion zu tun, die Islamisten hätten darüber hinaus auch gar keine Ahnung vom Islam und seien somit eigentlich überhaupt nicht gläubig.
Plötzlich ist die Welt in zwei Lager gespalten, in diejenigen, die viel zu viel, und diejenigen, die viel zu wenig glauben.2
So ist das also: Atheisten glauben zu wenig. Islamisten zu viel. Christen genau richtig.
Technisch glauben die Atheisten überhaupt nicht an einen Gott und die Christen genauso sehr an einen Gott wie die Islamisten. Technisch gibt es keine Graustellen zwischen Glauben und Nichtglauben. Ein bisschen an Gott glauben, geht einfach nicht. Und ob jemand an einen nächstenliebenden Gott glaubt ist nicht etwas anderes, als wenn jemand an einen jähzornigen, strafenden Gott glaubt. Beides gründet sich auf derselben Irrationalität.
Zudem scheint Terry die Esoterik völlig vergessen zu haben. Oder will er ernsthaft behaupten, ein Astrologe glaube weniger als etwa ein Evangelikaler?
Den entsetzlichen Drang, mich zu übergeben, verspürte ich dann bei folgenden Zeilen:
Die eigentliche Ironie besteht darin, dass der liberale Säkularismus in Wirklichkeit Fundamentalismus gebiert. [...] Fundamentalismus ist die instinktive Reaktion all jener, die von einer supersäkularen, oberflächlichen, rein technologischen Rationalität zu spirituellen Fanatikern gemacht wurden – weil diese Rationalität alle unsere emotionalen und metaphysischen Fragen achtlos beiseite wischt und den Eiferern überlässt.3
Ja, gottverdammt, wir Atheisten sind tatsächlich für Al-Qaida verantwortlich. Wir essen abends auch gerne kleine Kinder und lassen schon mal die eine oder andere Atombombe detonieren. Auch hinter den Hexenverbrennungen im Mittelalter standen Atheisten. Der Papst ist bloss eine kleine Spielfigur der grossen atheistischen Weltverschwörung, die den Glauben an die Evolution indoktrinieren will. Um das ging es seit der Geburt von Jesus: Um den Darwinismus. Daneben planen wir an einem Supervirus, das jegliche Emotionen zerstören wird. Mit den Zionisten an unserer Seite, versteht sich. Denn wir Atheisten haben schon immer gewusst, dass Emotionen und Rationalität nicht vereinbar sind. Deshalb sind wir Atheisten allesamt Asketen, die bloss essen, um dem Körper Nährstoffe zuzuführen. Deswegen sieht man uns nie in Restaurants. Weil wir ein gutgebratenes, saftiges Steak gar nicht geniessen können.
Was Terry will, ist eindeutig: Eine christlich-sozialistische Theokratie.
Denn es ist offensichtlich: In liberalen Staaten werden tausende von Leuten gesteinigt, bloss weil sie den falschen Glauben haben. Und die Marktwirtschaft, die hat bloss Hungersnöte und Armut gebracht. Deswegen habe ich heute auch keine Schreibmaschine. In einer Planwirtschaft wäre die mir nicht vergönnt.
Bevor ich meinen Kopf noch gegen die Wand schlage, beende ich die Lektüre dieses Artikels vorzeitig und verweise auf die Freunde der offenen Gesellschaft, die sich den Abgründen dieser Bitverschwendung ebenfalls angenommen haben:
Gottesfragen in der ZEIT
Warum werden Christen zu Atheisten?
* 14.89% were dissatisfied with some of the answers given to them by priests or other religious people.
* 14.89% saw that the religious doctrine wasn’t compatible with science and reality.
* 12.76% came to the realisation that religious dogma was “internally incoherent” and illogical.
* 10.63% read the Bible and found that for the Holy Book of Christianity, it didn’t reflect modern day Christianity at all.
* 8.51% found the corruption and scandals following the church as a persuasive argument against following their doctrine.
* 8.51% gave up on prayer and religion when they realised that nobody was going to listen, let alone answer to them.
* 8.5% thought the similarities of Christianity with so many other religions (and yet so different at the same time) the primary factor of their deconversion.1
Nein, Leute kann man nicht davon überzeugen, dass für Gott nicht der Krümel eines Beweises existiert. Aber man kann sie zum Denken anregen und ihnen zeigen, dass es noch andere Weltanschauungen gibt als ihre Religion. Man kann ihnen zeigen, wo überall Religion mit der Wissenschaft nicht kompatibel ist. Man kann die religiösen Dogmas hinterfragen. Doch schlussendlich ist es das Individuum selbst, das über seinen Glauben entscheidet.
As atheists we can provide the resources to support people trapped in the religious paradigm, but I think we delude ourselves if we think that we have some kind of role in “shaking up” peoples faith. Ultimately a person has to liberate themselves from religion, it is not for us to assume the role of atheist proselytes.2
Dazu wäre es mehr als merkwürdig, würden Atheisten aktiv versuchen, Gläubige zu dekonvertieren.