Militärschwärmereien

An der Delegiertenversammlung der SVP in Lenzburg steht einmal mehr der Zustand der Armee im Zentrum. Parteipräsident Brunner kritisierte, der Wehrdienst werde zum Frondienst pervertiert. In einem Positionspapier, über das die Delegierten abstimmen, verlangt die SVP eine Verlängerung der Dienstpflicht.

(ap) Wehrmänner würden zu Botschafts-Securitas degradiert, mündige Bürger in Uniform zu Parkplatzanweisern an Grossanlässen gemacht, sagte SVP-Präsident Toni Brunner vor den Delegierten in der Mehrzweckhalle Lenzburg. So werde der Wehrdienst zum Frondienst pervertiert.

Durch den Schlamm zu kriechen, mit dem Zweck, sich auf einen imaginären Krieg vorzubereiten, sei natürlich kein Frondienst. Sondern Dienst am Vaterland und als solcher heiliger als Jesus Mutter.

Zwangsdienst ist Zwangsdienst und in jedem Fall abzulehnen. Schlussendlich läuft der obligatorische Militärdienst darauf hinaus, dass dir jemand eine Pistole an den Kopf hält und sagt: Im Gleichschritt - Marsch! Und danach bringen wir dir bei, wie du jemanden mit Sturmgewehr und Bajonett tötest.

Staat bedeutet natürlich immer Zwang. Im Falle von ein paar Prozent Steuern für Strassen, Schulen und Spitäler kann man es akzeptieren. (Natürlich nicht komplett und nicht, ohne intensiv darüber nachgedacht zu haben, aber sich darüber aufzuregen, wäre fehl am Platz.) Militärpflicht kann ich jedoch nur als unmoralisch bezeichnen. Genau wie jede andere Art von Dienstpflicht.

«Jedes Kind soll seinen Vater in der Militäruniform sehen.»

Was bitteschön ist das für ein krudes Gesellschaftsbild? Allein die Tatsache, dass hier ein Normierung der Väter gefordert wird und scheinbar ein extrem klassisches Bild von der Familie gezeichnet wird (Vater, Mutter, Kind.), ist äusserst bedenklich. Welchen Nutzen das Kind daraus ziehen kann, seinen Vater uniformiert zu sehen, ist ebenfalls fraglich. Vielleicht soll damit Autoritätsgläubigkeit gefordert werden? Oder eine gewisse Uniformierung der Gesellschaft?

Zudem wird die Landesverteidigung als Hauptauftrag der Armee unterstrichen. Die Katastrophenhilfe sei primär dem Zivilschutz zu übertragen.1

Dem zweiten Satz kann ich zustimmen, wenngleich mit einigen Einwänden, die ich hier nicht weiter ausführen möchte. Aber wo ist unser Feind? Jene gegnerische Armee, die uns bedroht und vor der uns die Armee beschützt? Liechtenstein? Bangladesh?

  1. nzz - Wehrdienst laut SVP-Präsident zu Frondienst pervertiert []



Wehrpflicht? Dein Ende naht!

Es gibt nur einen Ausweg aus der Misere: Die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht.

Einige mögen davon träumen, die Militärdienstpflicht für Männer durch einen allgemeinen Staatsdienst für alle zu ersetzen. Doch das Völkerrecht lässt dies mit gutem Grund nicht zu. Fronarbeit ist verboten, ausgenommen sind - so ziemlich ausschliesslich wegen der noch immer in vielen Staaten existierenden Zwangsrekrutierung von Soldaten - nur sogenannte “traditionelle Bürgerpflichten”. Zwangsarbeit im Gesundheitswesen, in der Altersbetreuung, im Instandhalten von Verkehrsinfrastruktur, im Umweltschutz usw. gehören definitiv nicht dazu. Ganz unabhängig davon, ob die Schweiz sich ihre Armee zur Volksbelustigung erhalten will oder nicht, die Zwangsrekrutierung muss ein Ende haben. Die grosse Mehrheit der Staaten Europas hat diesen Schritt schon längst gemacht. Meine Prognose: Die Schweiz zieht innert maximal 5 Jahren nach.1

  1. Andreas Kyriacou - Das Ende der Wehrpflicht []



Das ist eine private Angelegenheit und die geht niemanden etwas an!

Privates und Berufliches soll man stets trennen können; dies bedeutet aber nicht, dass man privat einen andern Charakter pflegen kann als beruflich; dies bedeutet, dass man vom privaten Verhalten durchaus auf das berufliche schliessen kann.

Gell, Nef, Sämi und alle, die es normal finden, einer Frau nachzustellen (Yep, ihr kotzt mich an.)1.

  1. nzz - Bundesrat Schmid und andere Schuldige []



Gewissensprüfung abgeschafft, Militarismus steht noch

Wer den Militärdienst mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, soll nicht mehr vor einer Kommission antreten müssen. Geht es nach dem Bundesrat, soll der Tatbeweis, einen Ersatzdienst zu leisten, der anderthalb Mal länger als der Militärdienst ist, in Zukunft genügen. ((nzz - Keine Gewissensprüfung mehr für den Zivildienst))

Die Schweiz wird auf den ersten April nächsten Jahres ein wenig liberaler. Die Abschaffung der Gewissensprüfung ist zwar ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber lediglich ein Kaffeelöffelchen voll Zucker in ein Bassin voller Essig. Die Milizarmee soll endlich auf den Schlachthof. Ein unliberales Monstrum wie dieses, das weder Frauen und Männer gleich behandelt, noch irgendeinen positiven Effekt auf die Geisteshaltung junger Schweizer Bürger hat. Im Grunde genommen werden Hundertscharen Einwohner für etliche Monate aus dem Berufs-, Privat- und Ausbildungsleben herausgerissen und mit so sinnvollen Aufgaben beschäftigt wie auf dreckigem Waldboden herumzukriechen. Die Milizarmee ist ein urchiges Relikt, das jedoch nichts im Europa des Einundzwanzigsten Jahrhundert zu suchen hat. Eine Alternative zum Wehrdienst besteht auch nach der Abschaffung der Gewissensprüfung nicht wirklich. Immer noch dauert sie eineinhalb mal so lang und bedingt ein schriftliches Gesuch. Zwar kann man sich im Zivildienst fürs Wirtschaftsleben rüsten, indem man sich zum Beispiel Sozialkompetenzen aneignet oder auch seine Kenntnisse der Buchhaltung vertieft, doch ein wahrlich liberaler Staat zwingt seine Bürger niemals zu schlechtbezahlten fragwürdigen Diensten.

kyriacou.ch - Das Ende der Wehrpflicht
kyriacou.ch - Tatbeweis statt Gewissensprüfung - mutloses Reförmchen