Bewertungssysteme mit Noten sollen in der gesamten Volksschule abgeschafft werden, fordern die Juso. Die Noten sollen durch qualitative Beurteilungen abgelöst werden.
Ich dachte bisher, Noten seien qualitative Beurteilungen. Vermutlich geht es hier eher darum, den Schüler unabhängig von Prüfungen zu beurteilen und anhand von eher vagen Kriterien zu beurteilen, was er so kann, wie er sich so durch die Schule schlägt, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Aspekte, die man auch mittels Prüfungen und Noten, beurteilen kann. Ein härteres System. Die Juso fordert nach meinem Verstehen, dass diese Härte aufgelöst wird und über Schüler eher Verhaltensstudien angelegt werden - vergleichbar mit denen von Schimpansen. Der Lehrer also nicht als Richter, sondern als Beobachter.
Für Lehrlinge soll ein einheitlicher Mindestlohn von mindestens 1500 Franken netto im ersten Jahr eingeführt werden. Die Stipendien für Lehrlinge und Studierende sollen national vereinheitlicht werden und mindestens das Existenzminimum garantieren.
Nein, ich bin nach wie vor dafür, dass ein Arbeitgeber den Lohn, den er zahlen will, frei bestimmen kann. Somit fällt die ganze Diskussion über Mindestlöhne nicht ins Wasser, aber meine Position zu dieser Forderung der Juso ist zumindest eindeutig. Stipendien sollten auch in beliebiger Höhe ausgeschüttet werden können. Was auch nötig ist, wenn jeder Fall einzeln beurteilt und bewerten werden soll.
Das Lehrerpersonal soll massiv aufgestockt und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Der Anteil männlicher Lehrpersonen in der Primarschule soll erhöht werden, ebenso der Anteil weiblicher Lehrpersonen an der Oberstufe, an Gymnasien und in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern.
Keine Quoten bitte. Ich halte es für groben Unfug, Arbeitnehmer nach Aspekten ihrer Person auszuwählen, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Anforderungsprofil der Stelle steht. Ob jemand männlich oder weiblich ist, tut nichts zur Sache. Die Frage ist, ob er als Lehrer was taugt. Was die Arbeitsbedingungen anbelangt: Diese werden grösstenteils durch die Schüler bestimmt. An denen kann man kaum etwas verändern.
Weiter soll eine nationale Gesetzgebung zur Verankerung der demokratischen Mitsprache der Schüler und Lehrlinge erarbeitet werden. Jegliche Beteiligung privatwirtschaftlicher Akteure am Leben und Wirken der Volksschule und der Gymnasien soll verboten werden.
Privatschulen im Rahmen der obligatorischen Volksschule und die freie Schulwahl sollen verboten werden. Vom Verbot ausgenommen bleiben sollen laut Wermuth reformpädagogische Schulen.
Freiheit wird aufgelöst und durch ein Korsett ersetzt. Meines Erachtens ist das heutige Schulmodell schon starr und einengend genug. Ich hätte lieber etwas mehr Luft und flexiblere Modelle, gern auch eine grössere Diversität an Schulmodellen. Heute gibt es eines, doch wie wäre es mit dutzenden verschiedenen? Von klassischem Unterricht bis hin zu den Strassenschulen der alten Griechen.
Religiöse Symbole an Volksschule, Gymnasien und Berufsschulen sollen für Lehrpersonen verboten werden. Für Schüler und Schülerinnen solle man diesbezüglich «ein Auge zudrücken», sagte der Juso-Präsident.1
Ich hätte zwar lieber, dass die Lehrer ehrlich antworten, wenn sie auf ihre Religionszugehörigkeit antworten - die Burkaträgerin also sagt, dass sie gerne unterdrückt wird und vieler Rechte beraubt wird -, aber aber mit obiger Lösung kann ich auch leben. Natürlich soll davon abgesehen werden, kleine Schmuckkreuze zu verbieten. Denn das Problem ist ja nicht die Zurschaustellung des Glaubens, sondern die Beeinflussung der Schüler durch den Lehrer. Und diese kann man nicht durch ein Verbot von Symbolen aus der Welt schaffen. Indoktrination kann viel subtiler, nicht regulierbar sein und ist trotzdem vorhanden. Eine Scheinlösung also?
Wednesday, October 15, 2008 at 5:31
Wednesday, October 15, 2008 at 13:36
Ich kann deinen letzten Absatz nicht ganz nachvollziehen. Wieso sollte Lehrern die Freiheit untersagt werden, anzuziehen was sie wollen? Indoktrination nein danke, aber meinst du wirklich das geschieht durch ein Kreuz, das an einem Lehrer baumelt?
Ansonsten bin ich auch für ein freieres Schulsystem (ein Verbot von Privatschulen ist deswegen Unsinn), aber ist es nicht ohnehin auch in der Schweiz so, dass die meisten Schulen staatlich sind? In Österreich sind sie es jedenfalls, weswegen es doch okay wäre, wenn nationale Verordnungen diesen gegenüber ausgewirkt würden. Inwiefern schadet beispielsweise gesetzlich verankertes Mitspracherecht der Schüler und Lehrlinge?
Wednesday, October 15, 2008 at 15:53
Ich finde auch das ein Schmuckstueck keine Beeinflussung von Schuelern ist (ausser die Schueler wollen genau so sein wie der Lehrer und das ist wohl eher selten)
Aber ich finde auch Lehrer muessen ihr Leben und ihre Ansichten vom Schulleben trennen. Sie sollen ja auch nicht ihre Religion in den Biologie Unterricht einbringen.
Also warum sollten sie dann ein religioeses Symbol tragen?
Wednesday, October 15, 2008 at 15:57
nachtrag:
Ich persoenlich finde das das Noten System wie es heute angewandt wird veraltet ist.
Jeder Schueler ist anders und manche haben schlechte Noten sind deswegen aber noch nicht schlecht an sich.
Aber Es gibt ja bereits Einstellungsgespraeche wo man keine Tests ausfuellt.
Aber man koennte so manchen Schuelern helfen so weit zu kommen und den Arbeitgebern ein wenig Arbeit abnehmen. Oder?
Wednesday, October 15, 2008 at 19:31
@Mathias:
Zugegeben, meine Worte sind etwas widersprüchlich. Die Gefahr die von religiösen Symbolen eigentlich ausgeht, ist die, dass durch religiöse Symbole Fragen bei den Schülern auftauchen, auf die sie dann indoktrinierende Antworten zu hören bekommen. Dann wäre noch das Problem der Trennung von Kirche und Staat. Aber an sich sind auch Mönchskutten in Ordnung, wenn die Mönche sich über ihren Glauben ausschweigen. Dasselbe gilt für Parteiembleme oder -pins.
Die meisten Schulen sind staatlich, freie Schulwahl ist mehr oder weniger inexistent.
Demokratische Mitsprache der Schüler: Mein Einwand bezüglich Unfreiheit bezog sich nicht darauf. Meine Textgestaltung ist diesbezüglich miserabel. Mancherorts kann dies wohl durchaus sinnvoll sein, auch wenn ich nicht genau weiss, wie diese Mitsprache aussehen soll. Privatschulen müssten jedoch frei wählen dürfen, ob sie diese Mitsprache wollen oder nicht.
Wednesday, October 15, 2008 at 19:37
@Michael: Ich halte es nicht für Aufgabe der Schule, den Arbeitgebern den Auswahlprozess zu erleichtern. Zeugnisse sind dazu nicht geeignet. Weil die Fähigkeiten nicht mit den Noten übereinstimmen müssen und weil Zeugnisse nicht gleich sind. Eine 4 bei einem Lehrer mag eine 5 bei einem andern bedeuten. Ein gutes Zeugnis der einen Schule wäre ein schlechtes bei einer andern. Du siehst, worauf ich hinaus will.
Und deshalb bin ich für sehr viel freiere Schulformen. So herrscht zwar auch keine Vergleichbarkeit von Zeugnissen, aber immerhin findest sich die passende Ausbildung für das Kind und es wird nicht einfach in irgendeine der formgleichen Schachteln geworfen.
Wednesday, October 15, 2008 at 22:14
@Michael: Klar muss hier eine Trennung stattfinden. Bin ich voll dafür - warum sie aber dennoch ein religiöses Schmuckstück tragen könnte, ist vom Grunde her gleich wie die Begründung zum Tragen eines lila T-Shirts: Weil es ihnen gefällt oder sie es einfach gut finden, lila/ein Kreuz zu tragen. Der Grund kann einem ja auch egal sein, so gesehen müsstest du ja auch hinterfragen, wieso ich gerade eine Weste und keinen Kapuzenpulli anhabe. Für eine Schulpolitik ist dies aber unerheblich, vorausgesetzt natürlich, das Kreuz wird nicht Thema des Unterrichts.
@Benjamin:
Stimmt, die indoktrinierenden Antworten sind die einzige Gefahr. Neigt ein Lehrer jedoch dazu, religiös-bekehrende Antworten zu geben, wird er das sowieso tun - egal ob er ein Kreuz umhängen hat oder nicht. Es liegt also an der Schulleitung darauf zu schauen, dass so etwas nicht passiert - und Prävention diesbezüglich geschieht anders als durch das einschränkende Verbot in der Aussehenswahl der Lehrkraft.
Bei der anderen Frage stimme ich dir so gesehen zu. Kann auch sein, dass ich das falsch verstanden habe.
Jedenfalls: Ja, volle Freiheit für private Schulen, bei staatlichen Schulen lässt sich so eine Bestimmung aber überlegen.
Friday, October 17, 2008 at 14:11
@Benjamin
ja das ist eigentlich auch nicht die Aufgabe der Schulen. Stimmt.
Und das Noten System an sich ist noch weniger fuer solche Auswahlprozesse geeignet.
Aber es wird ja dafuer verwendet!
Jeder hat wohl einmal das Problem gehabt einfach einen schweren Lehrer zu haben der Noten hart verteilt.
Ja ich sehe worauf du hinauswillst.
Die Freie Schulform sollte sich (meiner Meinung nach) dann auch weniger auf Noten konzentrieren sondern den Schuelern wirklich etwas beibrigen
(hoert sich villeicht komisch an) aber ich meine die meisten Schueler gehen nur in die Schule wegen Noten und diese zaehlen ja auch bei einer Bewerbung.
Eigentlich sollte das Wissen zaehlen.
Wenn man zum Beispiel (in USA) ein Collaege Abschluss hat und ein Produktionsmanager ist aber kaum Arbeiterfahrung hat bekommt man das selbe Geld wie eine andere Person die kein Collaege hat aber schon viele Jahre Arbeiterfahrung. Welche also besser ist.
Lange Rede kurzer Sinn:
Meistens werden Leute nach Noten bewertet nicht nach ihrem Wissen oder Faehigkeiten.
Nur ich hab selber auch keien Ahnung wie man das aendern kann.
Nur wuerde es warscheinlich teuer.
Wednesday, October 22, 2008 at 12:57
@Mathias: Gut, stimmt, wer diese Neigung zur Indoktrination hat, den werden säkulare Kleider auch nicht zur Räson bringen.
Wednesday, October 22, 2008 at 13:00
@Michael: Genau. Zeugnisse und Noten werden überbewertete. Es ist zwar viel schwieriger, als Auswahlkriterium tatsächliche Fähigkeiten zu nehmen, allerdings kann man sich so sicher sein, dass man denjenigen bekommt, den man auch braucht und nicht einen, der ihm wohlgesinnte Lehrer hatte.
Nun, vielleicht wäre “hire and fire” eine Antwort. So kann man testen, ob der Jobbewerber tatsächlich die Fähigkeiten hat, die sein Zeugnis bescheinigen. Wenn nicht, dann kommt der nächste Bewerber zum Zug.