Eine Frage, die mir immer wieder - aber besonders um den 11. September herum - durch den Kopf geht, lautet: Wie kommt es, dass der Zusammenhang zwischen 9/11 und der Religion negiert, ja gar offen populistisch geleugnet wird?
Die Ideologie von al-Kaida betrachten sie demzufolge als Epiphänomen – als sekundären Effekt. Sie ist die dunkle Ausgeburt der Globalisierung. Sie ist die Mimesis der Moderne: dezentralisiert, privatisiert, outgesourct und vernetzt.1
Der islamische Jihad sei also eine Reaktion auf das globale Dorf und nicht vom Islam durchdrungen und von ihm inspiriert.
Wer das Appeasement liebt, selber religiös ist und mit anitkapitalistischen Bewegungen liebäugelt, dem gefällt diese Überzeugung so sehr, dass man den Schuldigen nicht mehr im Islam - und bei Chavez (die Messiasfigur für den modernen Sozialisten) Herzbruder Ahmadinejad - suchen muss, sondern ihn bei Nestlé, Coca Cola und den Hedge-Funds findet.
Dies ist nicht nur schlicht falsch, sondern eine brandgefährliche Idee, die den Sozialismus mitten in unsere Gesellschaft zurück bringt und der Marktwirtschaft das Genick brechen will.
Doch was habe ich den Religionsapologeten entgegen zu setzen?
Nicht bloss theokratische Substaaten, die Scharia, Hamas-TV und Reden über Reden von Islamisten, sondern auch den Koran. Der nicht mit Humanismus gesegnete findet darin Hass, Krieg und Blut und die klare Botschaft, dass alle Ungläubigen zu töten oder mindestens aber zu konvertieren seien. Nein, selbst wenn man versucht, diese äusserst brutalen Passagen metaphorisch und schönfärberisch zu interpretieren, dann ergibt sich immer noch ein Bild des Grauens. Moderne Theologen versuchen dann immer, jene Passagen (die zwar praktisch auf jeder Seite des Korans zu finden sind, aber das nur als Nebenanmerkung) auf der Basis ihrer eigenen Studien (Bei denen sie Märchen herbeiziehen, um andere Märchen zu interpretieren, was de facto dazu führt, dass der bei Westlern unbewusst humanistische Verstand alle schlimmen Stellen der heiligen Bücher ignoriert und die guten mit Leuchtstift markiert.) zu streichen. Dies wiederum ist nichts anderes als völlig willkürliche Rosinenpickerei. Was einem gefällt, das kommt ins Töpfchen, alles andere ins Kröpfchen. Kriterium dabei: Subjektivität.
Doch wie geht man mit jenen um, die Religion und Glauben immer noch für unverzichtbar für das menschliche Zusammenleben halten?
Man nimmt sie mit in amerikanische Hell Houses, lässt sie mit dem Papst und dem Dalai Lama sprechen, lässt sie an den Kulthandlungen der Indios teilhaben, erzählt ihnen etwas von den Ursprüngen des Antisemitismus und des Rassismus, kauft ihnen eine Burka, befragt sie über aztekische Menschenopfer und christliche Hexen- und Judenjagden und afrikanische Albinojagden, zeigt ihnen ein paar Zahlen über Masernkranke, bringt ihnen Astronomie bei, lässt sie in den heiligen Büchern lesen, bringt sie in Kontakt mit Missionaren und Jihadisten…
Wenn man den Weg der Vernunft, des rationalen, auf Fakten gestützten Handelns verlassen hat, treibt man schon im Mahlstrom. Es bleiben dann wenige Möglichkeiten, wie man entscheiden kann, was man glauben will, resp. welcher Glauben nun wahr ist. Meist greifen die Gläubigen dann auf die Vernunft zurück, was aber zu grosser Inkonsistenz in ihrem eigenen Denken führt. Wenn man sich selber die Grundlage entzieht, aufgrund der man entscheiden kann, wem zu glauben ist (Der Naturalist glaubt einzig jene Aussagen, die sich auf wissenschaftlich gesicherte Fakten stützen.) , dann kann man schnell einen Fehlgriff tun und sich in die Hände von Verschwörungstheoretikern oder antihumanistischen Populisten begeben. Religion zersetzt somit die Vernunft und damit die einzig richtige Entscheidungsgrundlade. Sie pervertiert den Verstand und macht aus nüchternen Menschen Traumtänzer mit einem Fleischermesser in der Hand.
Monday, September 22, 2008 at 5:05
Monday, September 22, 2008 at 8:13
[...] Religion pervetiert den Verstand [...]
Monday, September 22, 2008 at 9:17
Nein, nicht die Religion ist es, es sind die Fanatiker. Fanatiker, wenn es um freie Wirtschaft geht. Fanatiker wenn es um Tempolimiten auf Autobahnen geht. Fanatiker sind es, die Rechts und Links beherrschen. Fanatiker, die Religionen pervertieren. Fanatiker, die Freiheiten ausnutzen um Grenzen zu schaffen.
Nicht die Waffe ist schlecht, nicht der Hunde ist schlecht, nicht die Religion, die Marktwirtschaft oder der Sozialismus sind schlecht. Es sind die Menschen, die das System ausnutzen, für die eigenen Ziele korrumpieren.
Tuesday, September 23, 2008 at 18:13
Jedes System hat jedoch bestimmte inhärente Grundlagen. Ich behaupte also nun, es sei der Religion inhärent, Leichtgläubigkeit zu fördern. (Es geht mir also nicht um Gute und Böse, sondern um diese eine Eigenschaft der Religion.)
Du sagst nun also, wer einer Religion angehört, glaubt zwar zwingend an irgendwelche unbewiesenen bis hirnrissigen Dinge, aber das macht diese Person noch lange nicht leichtgläubig oder verführt ihn dazu, unbewiesene Dinge zu glauben?
Wednesday, September 24, 2008 at 6:15
Glauben heisst nicht beweisen. Wenn ich etwas beweisen kann, brauche ich nicht mehr den Glauben daran. Genau das ist die Herausforderung an einen Gläubigen.
Leichtgläubigkeit gibt es sicherlich, doch Religion verführt nicht dazu. Leichtgläubigkeit ist eine Charaktereigenschaft, die einem Menschen inne ist oder nicht.
Saturday, September 27, 2008 at 13:11
Du unterscheidest also Glauben und Leichtgläubigkeit? Doch wo liegt dieser Unterschied?
Saturday, September 27, 2008 at 15:32
In Dir, in mir, in uns allen. Ich würde es Charakter nennen, geboren aus Erziehung und Einfluss in Kindes- und Jugendjahren.
Sonst wäre Politik doch auch eine Religion, oder nicht?
Saturday, September 27, 2008 at 22:10
Ich sehe. Vermutlich falsche Terminologie meinerseits. Mit Leichtgläubigkeit meinte ich hier nicht die Naivität des Alltags, die nicht zwischen Ironie und Wahrheit unterscheiden kann. Auch nicht den Glauben des Alltags. Resp. das Vertrauen, das der andere dich nicht belügt.
Ich meinte der Glaube an Metaphysisches. Dass einer Person eher an ein bestimmtes metaphyisches Ding glaubt, wenn sie schon an ein anderes glaubt.