Mir ist es eigentlich egal, ob in den Beizen geraucht werden darf oder nicht. Grundsätzlich ist es mir egal, wie Privateigentum genutzt wird. Ich bin auch zu faul, um mir zu überlegen, welches Angebot mir fehlt und was ich in Restaurants gerne auf den Speisekarten stehen und in den Geschäften an den Kleiberbügeln hängen sehen möchte. Vermutlich, weil das Angebot bereits heute enorm ist und man den Rest problemlos aus den Staaten oder von China bestellen kann.
Aber bitte, lasst den Eigentümern die Wahl, wie sie ihren Besitz nutzen. Wenn alle Beizer das Rauchen verbieten wollen: Schön. Aber der Staat hat sich in diese Frage nicht einzumischen. Genauso wenig wie er dem Restaurantbesitzer vorschreiben soll, was auf der Speisekarte stehen darf und was nicht.
Basel und Zürich haben nun also das Rauchen in den Restaurants verboten. Ganz anders Nidwalden:
Demnach ist das Rauchen in öffentlich zugänglichen Gebäuden des Kantons, der politischen Gemeinden, der Schulgemeinden und von Anstalten des öffentlichen Rechts künftig generell verboten.
Die Gastwirte sind in der Anordnung eines Rauchverbots jedoch frei. Sie müssen lediglich am Eingang deutlich deklarieren, ob das Rauchen erlaubt oder verboten ist.1
Zu erwarten ist jedoch ein nationales Rauchverbot in den nächsten paar Jahren. Eigentumsrechte zählen hierzulande nicht mehr viel, ausser in Nidwalden.
Sunday, September 28, 2008 at 22:54
Monday, September 29, 2008 at 13:15
Einerseits hast du recht und mir gefällt die Staatsintervention auch nicht. Anderseits könnte man hier in Anbetracht der Zustimmungsquoten von einem ‘Marktversagen’ sprechen, welches gleichzeitig beträchtliche finanzielle Folgen für die öffentliche Hand und die Allgemeinheit hat (Gesundheitskosten). Dies würde wohl selbst aus liberaler Sicht (ausser man nimmt einen extremen Standpunkt ein) eine Intervention (eventuell vorübergehend) rechtfertigen. Es gibt ja auch Hygiene und Gesundheitsvorschriften für Restaurants.
Ich finde die Frage betreffend Rauchverbote nicht so einfach zu beantworten, auch nicht aus liberaler Sicht.
Monday, September 29, 2008 at 19:54
Nennt man es ‘Marktversagen’, wenn die Restaurantbesucher zu bequem oder zu faul sind, ihren Wunsch nach rauchfreien Gaststätten nicht umsetzen?
Über die Gesundheitskosten lässt sich streiten. Ich weiss nicht, ob hierzu Daten vorliegen, aber durch ihre verkürzte Lebensdauer könnten Raucher die Staatskasse sogar entlasten. Jedenfalls im Vergleich zu den Nichtrauchern.
Die Gesundheitsvorschriften sehe ich eher als Versuch, den Informationsnachteil der Konsumenten nicht allzu krass ausfallen zu lassen, oder als Versuch, Vertragsgültigkeit durchzusetzen. Bestelle ich in der Beiz ein Pferdesteak, so bricht der Wirt, resp. der Koch, den Vertrag, wenn er mir ein Rindssteak serviert. Ähnlich sollte sich die Situation bezüglich Rattenkot an meinem Steak präsentieren.
Der Kunde würde diesen Vertragsbruch nicht bemerken. Selbst wenn, könnte er seinen Anspruch schlecht geltend machen. Deshalb erachte ich Hygienevorschriften als sinnvoll.
Bei erlaubtem Rauchen in Restaurants stellt sich für den Gast jedoch keinerlei Informationsnachteil (Und wenn, dann könnte man von den Gaststätten verlangen, dass sie ein Schild an die Tür hängen.) und Vertragsbruch entsteht auch keiner, da, wer in eine Raucherbeiz eintritt, weiss, dass geraucht wird und dies somit stillschweigend akzeptiert.
Ausschlaggebend für meinen Widerstand gegen Rauchverbote ist jedoch meine Auffassung, dass der Staat sich nicht in die Nutzung privater Räume durch private Personen einmischen darf. Es geht mir um die Wahrung der Eigentumsrechte.
Tuesday, September 30, 2008 at 20:46
Hinter der Tatsache dass z.B. in Genf an die 70% ein sehr striktes Rauchverbot an der Urne akzeptierten es aber vorher kaum ein rauchfreies Restaurant gab vermute ich, dass der Markt aus irgend einem Grund nicht spielte. Es ist ein Indiz, ich kann dir das nicht belegen.
Ich glaube auch kaum das netto etwas für die Volkswirtschaft rausspringt (müsste dazu wohl länger recherchieren). Der Renten- und Steuergewinn steht den Gesundheitskosten und den Kosten durch Arbeitsausfall (wenn Krank) entgegen (hier was unüberprüftes). Das müsste man halt mal recherchieren.
Beim Hygieneargument ging es mir darum, dass man staatliche Intervention zugunsten der Gesundheit akzeptiert weil sich das eben schlecht selber reguliert. Da hört die Analogie zugegebnermassen aber schon auf und das mit der Informationsasymetrie kann ich durchaus nachvollziehen.
De Facto hatte ich bisher kaum die Wahl zwischen Raucher und Nichraucherlokalen (zumindest war das so hier in der Westschweiz). Die Wahl bestand nur zwischen Lokal und nicht-Lokal. Da orte ich das Marktversagen. Der Staat mischt sich in so vielen Belangen ein was das Privateigentum betrifft (z.B. Bauvorschriften für Innenräume, Luftschutzkeller etc.) dass ich den Schutz der Gesundheit noch als eines der besseren Argumente empfinde.
Aber wie gesagt, ganz geheuer ist mir die Sache nicht. Ich finde nur, dass die Sachlage nicht so eindeutig ist.
Tuesday, September 30, 2008 at 21:03
Nur ganz kurz (Bin jetzt zu müde, um eine ausführliche Antwort zu schreiben. Gehe morgen auf die anderen Punkte ein.):
Jede staatliche Intervention, jede Vorschrift, jedes Gesetz sollte nie als gegeben betrachtet werden, sondern stets überdacht werden, bevor man es (als sinnvoll) akzeptiert.
Thursday, October 2, 2008 at 22:18
Ali, das Bedürfnis nach rauchfreien Beizen bestreite ich nicht. Ich will bloss nicht, dass man wegen derartigen Bedürfnissen zum Staat rennen kann und der einem dann diese Wünsche erfüllt. Wenn jemand etwas will, dann soll er sich dies aus marktwirtschaftliche Art beschaffen. D.h. Raucherbeizen meiden. Scheinbar waren die Kosten für die meisten Leute zu hoch, ihre Wünsche am Markt durchzusetzen, deshalb verlangten sie den Staat.
Aber ortet man überall ein Marktversagen, wo eine bestimmte Anzahl Leute einen Wunsch hat, dieser aber durch den Markt nicht gestillt wird, müsste ja stets der Staat einspringen. Z.B. könnte man verlangen, dass jeder Wirt ein veganes Menü auf der Speisekarte stehen hat.
Doch dies alles widerspricht dem Grundgedanken der Marktwirtschaft. Dass also die Leute selber für Angebot und Nachfrage sorgen und nicht der Staat Wünsche orten, erfüllen und andere vernachlässigen muss.
Eigentlich bin ich auch bereit, etwas mehr zu zahlen, wenn ich dafür mehr Freiheit kriege. Wobei man durch Senkung der Staatseingriffe wohl auch die Steuern senken könnte. Was bedeutet, dass meine Rechnung immer noch gut ausschaut.
Und viele andere Leute haben nicht die Auswahl zwischen anderen Dingen, die sie gerne haben möchte. Das gehört auch zum Markt. Sonst lebten wir ja im Schlaraffenland. Aber dessen Verwirklichung ist nicht möglich, da die Ressourcen beschränkt sind, die Nachfrage aber viel grösser ist. Wenn das ein Marktversagen ist, dann kann es aber auch kein Staat lösen.