Auf Stimmenfang mit 5 Minuten Stromunterbruch

Vorgestern, also samstagabends, gingen in tausenden Haushalten pünktlich um acht die Lichter aus. Ein Zeichen gegen die Klimaerwärmung war es. Pardon, sollte es werden. Strom wurde so wenig gespart, dass es in Deutschland nicht einmal zu einem Blackout kam. Ach, wie hätte ich frohlockt, wenn doch. Wie hätte ich mich an den sich verhaspelnden Fratzen der Grünen ergötzt, wenn jemandem eingefallen wäre, die Hintermänner des Stromausfalls zu befragen. Na ja, ich träume, gefragt hätte sowieso niemand. Der Ökologismus hat seine Wurzeln schon zu tief in die Mainstream-Medien gebohrt. Und welcher rechtschaffene Mann liest denn heutzutage noch jene kleinen feinen digitalen Magazine, die man gemeinhin Blogs nennt?

Nebst einem Anzeichen für die Klimahysterie war die Lichtaus!-Aktion brilliante PR für die Initianten. In welch gutem Licht nun die Boulevardblätter stehen, und erst recht die klimagipfeljettenden Umweltorganisationen, nicht zu vergessen der Linken liebstes Hippie-Kind: Google. Erst recht die Politiker, die sich gegenseitig mit Lob überschütten für einen so grossartigen wie lobenswerten Einfall. Und ganz nebenbei Wählerstimmen einsacken wie Kieselsteine. Heuchelei gemischt mit Alarmismus und Aktionismus schlägt sich äusserst positiv in den persönlichen Statistiken nieder.

Ein Lächeln würde nun mein Gesicht zieren, könnte ich die Zeitungsartikel über das geringe Interesse der Bevölkerung an jener ominös-obskuren Aktion im Wissen lesen, dass die Leute bewusst das Licht nicht ausgemacht haben. Sie haben sich nicht gewehrt gegen die Gutmenschen und Klimahysteriker, sie wollten kein Zeichen setzen gegen die Verteufelung der westlichen Lebensart und der Vergötterung konfuser algore’scher Hassprediger. Es war ihnen schlicht egal, wer da nun was macht oder lässt.

Ach, wie mir diese Selbstgerechtigkeit verhasst ist, die morgen wieder literweise aus Schlagzeilen und Leserstimmen tropfen wird. Dieser drängende Realitätsverlust, der sich mit bitterem Selbstlob und mentaler Faulheit vermischt. Ja, ich sehe sie schon vor mir, diese Leute, die stolz erklären, wie sie sich am Samstag nach linker Art für das Klima angestrengt hätten - was das auch immer heissen soll, die Erde hatte immer schon ein Klima, ein stetig schwankendes noch dazu - und zwei Sätze später stolz verkünden, dass sie sich in den diesjährigen Weihnachtsferien endlich mal einen Flug nach Marrakesch leisten können.

a south park republican - 5 Minuten gegen Global Warming
antibuerokratieteam.net - Lasst uns das Licht löschen
antibuerokratieteam.net - Licht Schlag am 8. Dezember!
blogik - Kein Licht aufgegangen
der dissident - «Licht aus!» als Dekadenzerscheinung
ex-blond - Krieg der Lichter
endl - Nichts zu sehen?
gegenstimme - Blauer Planet in grünen Fesseln — Was ist bedroht: Klima oder Freiheit?
gegenstimme - Licht aus! — Spot an!
gegenstimme - Wider Dunkeldeutschland
sajonara - Licht aus für Klimaschutz: Glückwunsch an google
tagesanzeiger - Lichter gelöscht







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5 Kommentare

  1. theddy

    Wäre schon interessant zu wissen, wer denn an “Realitätsverlust” leidet… Diese Hasstirade ist jedenfalls auch ziemlich abwegig.

    Aber zum Glück gibts ja Feindbilder - und wo es keine gibt, schafft man sie sich halt - genau nach dem selben populistischen Muster. Ist ja oft so - Vorwürfe sind oft eigentlich nur ein Blick in den Spiegel.

    Mein Beitrag dazu: http://www.blogkom.net/wp/?p=577

  2. Benjamin B.

    Ich darf dich zitieren: “Es ging vielmehr um einen symbolischen Beitrag, um die Bewusstmachung der Problematik der Klimaerwärmung – “nur” das.”

    Siehst du jetzt meinen Standpunkt? Für dich bedeutet eine Klimaänderung eine Katastrophe, für mich ist sie zuerst einmal eine blosse Veränderung der Umweltbedingungen, ein Wechsel mit dem eine so hoch entwickelte Gesellschaft wie die unsere umgehen können sollte.

    Das ist meine vorrangige Kritik an den Klimahysterikern, dass sie das Grauen sehen, wo gar keines ist.

    (Wie beugsam die Wahrnehmung der Realität ist, darf ich dir übrigens daran zeigen, dass du einen Text als Hasstirade empfindest, den andere als ironischen Kommentar bezeichnen würden.)

    Salve.

  3. Endl.de | Zielpublikum Weblog

    links from Technorati: »Was sind eigentlich brisante Blog-Einträge?« von Endl.de | Zielpublikum Weblog links for 2007-12-06: »Was sind eigentlich brisante Blog-Einträge?« von Endl.de | Zielpublikum Weblog Nichts zu sehen?: »Populismus« vonAuf Stimmenfang mit 5 Minuten Stromunterbruch | DER MISANTHROPDer Google-PageRank-Kater: »Wie reagiert Google« von nofollow? | Endl.de | Zielpublikum Weblog Googles Crusade: »Wie reagiert Google« von nofollow? | Endl.de | Zielpublikum Weblog

  4. theddy

    Wo habe ich geschrieben, dass die Klimaveränderung “eine Katastrophe sei?”

    Zunehmende Überschwemmungen und Felsstürze, Abschmelzen von Gletschern und Probleme mit dem Permafrost sind ja dann wahrscheinlich nur Phantasien… Und der Einfluss des Menschen auf die “veränderten Umweltbedingungen” sind dann wohl auch so Phantasien.

    Wer von diesen zunehmenden Naturkatastrophen betroffen ist, sieht durchaus “das Grauen”.

    Und letzte Bemerkung: Ironie ist etwas anderes. Oder meinst du Ironie im Sinne, dass man genau das Gegenteil von dem sagt, was man meint…

  5. Benjamin B.

    Man hört’s durch die Zeilen hindurchklingen, aber wenn ich mich irren sollte, dann sag’s.

    Ich sage nicht, dass die Klimaänderung nicht stattfindet, ich sage auch nicht, dass keine beeindruckende Korrelation zwischen der Menge CO2 in der Atmosphäre und der durchschnittlichen Temperatur besteht. Doch das ist es dann. ‘Naturkatatrophen’ sind Teil der Menschheitsgeschichte. Eine Klimaänderung kann bloss die Häufigkeit von solchen Extremereignissen erhöhen. Doch in einem engen Tal direkt an einem Rutschhang zu wohnen, war immer schon töricht, nicht erst seit Al Gore. Die Gefährdungsgebiete kenne wir schon lange, doch weder unternimmt man etwas gegen die konkrete Gefahr, noch können sich die Leute dazu durchringen, von dort wegzuziehen. Got it?

    Wir müssen uns den Veränderungen stellen, denn die kommen früher oder später sowieso. Vielleicht sollten wir uns selbst etwas mehr vertrauen, denn die Menschheit als solche hat schon weit mehr durchgemacht. Ich will einfach sagen: Die Klimaerwärmung mag zu einem Problem werden. Vielleicht. Doch wir haben weitaus dringendere Probleme…

    Und wie gesagt: Der eine versteht unter Ironie dies, der andere das.




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