Am 21. Oktober diesen Jahres sind in der Schweiz wieder Parlamentswahlen, National- und Ständeräte befinden sich seit einigen Wochen schon im Wahlkampf. Ein jeder will wiedergewählt werden, andere wollen den Sprung in einen der beiden Räte schaffen, manche haben bereits etliche Versuche hinter sich, andere stehen mit zittrigen Fingern vor ihrem ersten Mal.
Wahlen haben für mich immer etwas positives an sich, an ihnen erkennt man, dass wir hier in einer Demokratie leben und sich doch nicht allzu wenig Leute für die Politik oder zumindest eine Partei engagieren. Zudem hoffe ich immer auf frisches, unverbrauchtes Blut. Es gibt Zeiten, da zweifle ich daran, ob Jungpolitiker für das Parlament überhaupt geeignet sind. Dann frage ich mich immer, ob sich eher Junge oder eher Alte von Dogmasleiten lassen.
Doch wahrscheinlich sind es beide. Die Veteranen, weil sie verbittert und enttäuscht in die Welt schauen und Zuflucht in einer Ideologie suchen, die ihnen zudem eine Schlachtplatte möglicher Gegner auf den Tisch stellt. Die Frischlinge, weil ihr Blut noch kocht und sie sich mit vollem Elan in die Politik stürzen, mit starken Überzeugungen und mächtigen Feindesbildern in der Rückhand.
Man kann wohl sagen, ich sei kein Freund von Parteien, umso positiver empfinde ich das Mehrparteiensystem in unserer Regierung. Kompromisse lösen zwar die meisten Probleme nicht, doch läuft man so nicht Gefahr, dass in der nächsten Regierungsperiode - wenn die Regierunsgpartei und die Opposition die Plätze getauscht haben - alle beschlossenen Entscheide und angefangenen Projekte auf den Müll geworfen werden.
Doch dieses Jahr setzt der Schweizer Politk der Wahlkampf erstaunlich stark zu. Kein Wunder, scheinen sich doch in vielen westeuropäischen Staaten die Fronten zwischen Rechts und Links, liberal und konservativ zu verhärten, aber trotzdem überraschend.
Nun, da sich die Parteien Vorwürfe um die Ohren hauen und man sich gerne an einen hässlichen illegalen Hundekampf erinnert fühlt, dreht sich die ganze Schweizer Politik nur noch um Schäfchen-Plakate, GPK-Berichte, angebliche Geheimpläne und Faschismusbeschuldigungen.
In mir macht sich allmählich eine bittere Politkverdrossenheit breit. Schlage ich die Zeitung auf, dann amüsiere ich mich lieber über Vakuum-Bomben und schaue mir unscharfe Fotos von hübschen Starlets an. Selten habe ich Lust, den vierzehnten Artikel über ein Komplott gegen die SVP zu lesen oder die Fratzen irgendwelcher Scheinexperten anzustarren, die mir weismachen wollen, dieser oder jenes sei dies oder das, aber vor allem brandgefährlich.
Ich rechne es allen hoch an, die sich trotzdem mit der Poltik beschäftigen - auch bei mir versiegt das Interesse nie ganz, sondern vollführt aberwitzige Sprünge und Stürze - jedoch kann ich alle bestens verstehen, die genug haben von der Politik und abends lieber an einem Bier nuckeln und Funblogs angucken, als über dieses Vorhaben eines Poltiker oder jenes gesellschaftliche Problem Gedanken zu machen.
bisside liberale - Ethik und “Politikverdrossenheit”
das farliblog - Politischer Blog-Karneval: Bequemlichkeit oder Resignation - Woher kommt die Politikverdrossenheit in Deutschland?
ordnungspolitischer blog - Was gegen Politikverdrossenheit hilft
unterneuntupfig - Politikverdrossenheit : unser Beitrag zum Politik-Blogkarneval
wikipedia.de - Politkverdrossenheit
Friday, September 21, 2007 at 10:44
Sascha Settegast hat zu dem Thema einen sehr interessanten Aufsatz geschrieben (ursprünglich für das Objectivist Academic Center geschrieben, wo er derzeit studiert).
http://heroicdreams.wordpress.com/2007/06/08/to-get-life-back-into-politics-take-politics-out-of-life/
Wednesday, February 6, 2008 at 20:49
Politikverdrossenheit ist wirklich ein immer größer werdendes Problem. Einen Ausweg ist das Konzept der “Global Voter”. Ich habe darüber einen Blogbeitrag geschrieben.
Hier der Link: http://tinyurl.com/2sozcn
Wednesday, February 6, 2008 at 23:36
@Roland:
Interessantes Konzept, doch Leute, die auf die Uni gehen oder sich sozial engagieren, haben nicht zwingend mehr Ahnung von Politik als die anderen. Zudem scheinen Alte aufgrund des Sich-Erarbeiten-Müssen der Stimmen mehr Einfluss zu haben als Junge. Fatal für einen Staat, meines Erachtens. Des weiteren können sich Staats- und Verfassungsfeinde ebenfalls einen erhöhten Einfluss verdienen. Das wäre dann etwas kontraproduktiv.
Tja, entweder präsentiert mir jemand eine Lösung dieser Probleme, oder ich schmetterte die Idee schon in der Grundform ab.