Paternalistischer Vorzeigestaat Schweiz

Die Freiheit der andern ist unbeliebt.

In der Schweiz nimmt man Anlauf, den Buchhändlern die Freiheit zu nehmen, selbst die Verkaufspreise zu bestimmen1, den Autofahrern die Freiheit zu nehmen, selbst zu wählen ob sie ein grosses oder kleines Auto fahren wollen2 und den Wirten die Freiheit zu nehmen, selbst zu bestimmen, ob in ihrer Beiz geraucht werden darf oder nicht3.

Geht das so weiter, haben wir bald noch eine Fettsteuer, Prohibition (Ausgenommen Messwein und Absinth.), Ausgangssperren, Verbote von OpenAirs, Bettelverbote, Videospielverbote, Pornographieverbote, Blasphemieverbote, weitgreifende staatliche Zensur etc. Dafür wird die Schweiz überrannt werden von Leuten, die gerne ihre persönliche Verantwortung an den Staat delegieren.

Um die ideologisch ersinnten Verbote auch dem kiffenden, Offroader fahrenden, billige Bücher haben wollende und in Beizen gerne rauchenden Volk schmackhaft zu machen, muss pro Verbot mindestens ein Schreckgespenst aus der Versenkung geholt werden. Zigarettenrauch wäre das eine, Buchhändlersterben ein weiteres, Kindstod durch Geländewagen und CO2 die anderen. Und das Volk fürchtet diese Geister wie der Teufel das Weihwasser. Leider sind Geister imaginär, ähnlich wie die Schweizer Schreckgespenster. In ihnen steckt zwar ein Körnchen Wahrheit, doch meist wird masslos übertrieben.

Es steht leider zu befürchten, dass der Paternalismus in der Schweiz in der nächsten Zeit an Gewicht zulegen wird. Die Weichen sind gestellt. Die Ideale der Freiheit und der Eigenverantwortung werden das Klo hinuntergespült und der Staat wird sich mehr und mehr in das Privatleben der Leute einmischen. (Bestimmte mediale Inhalte werden stark unter Beschuss geraten, seien sie gewalttätiger, antireligiöser, staatskritischer oder sexueller Natur. Dazu könnten strikte Ernährungsvorschriften erlassen und auch staatliche Eingriffe in Freizeitaktivitäten salonfähig werden.)

  1. tagi - Zurück zur Buchpreisbindung []
  2. tagi - Verbot von schmutzigen Autos gefordert []
  3. tagi - Immer mehr fordern Rauchverbote []






Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)
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4 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiPaternalistischer Vorzeigestaat SchweizPubliziert am 25. August 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. dvizard

    Das Schlimme ist ja gerade, dass jeder zu vielen Mehrheiten gehört, aber immer auch zu einigen Minderheiten - und der vertragsphilosophische Sinn der Freiheit (unter anderem) gerade der ist, dass man jeweils anderen Minderheiten ihre Freiheit lässt, aber dafür im Gegenzug die Freiheit beanspruchen darf, wo man selber in der Minderheit ist. Was momentan passiert, ist, dass Punkt für Punkt in einem Thema nach dem anderen die jeweilige Mehrheit ihre Meinung zum Gesetz macht.

    Der auf dem Land lebende Familienvater, der heute mit der Mehrheit gegen Botellons wettert, und mit der Mehrheit das Rauchen am liebsten abschaffen würde, wird sich noch freuen, wenn er seinen Offroader abgeben muss, weil er einer der Wenigen ist, die sich aus irgendeinem Grund ein solches Gefährt gekauft haben, und in der Abstimmung in der Minderheit sind. Und der junge Umweltschützer, der am Tag Unterschriften für die Offroaderinitiative sammelt und wohl - wie fast alle - nie einen Offroader gefahren ist und sich keine sinnvolle Verwendung dafür vorstellen kann, macht sich am Abend strafbar, weil er gerne nach der Arbeit einen Joint raucht, aber dort wiederum die Minderheit vertritt.

    Was fällt auf? Es ist einfach, Sachen verbieten zu wollen, die einen nur marginal betreffen. Sind die eigentlich Betroffenen eine klare Minderheit, versagt die Demokratie beim Schutz der Freiheit.

    Unsere Gesellschaft läuft geradeaus auf einen Zustand zu, den niemand sich wünscht, aber den Weg finden alle super.

  3. Benjamin B.

    Beim vertragsphilosophischen Sinn der Freiheit muss ich passen. Dieser Ausdruck ist mir noch nie begegnet. Aber glücklicherweise erklärst du’s. Drittens bin ich damit vollkommen einverstanden.

  4. Licht! In der Nacht! Im Himmel! | DER MISANTHROP

    [...] ich sie nicht. Himmelslichter - Lichtverschmutzung 2.0 - der Horror geht weiter [↩]Quelle: Kommentar bei meinem Beitrag Paternalistischer Vorzeigestaat Schweiz [↩] « Sterbehilfe This [...]




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