Linke Obsessionen, rechte Freak-Shows, doch nirgends eine neutrale Tageszeitung

Der Wahlkampf ist im vollen Gange, die Schlachtrosse aus dem Stall geholt und in Interviews und auf Plakaten zu sehen. Das Stakkato der Kriesgtrommeln dröhnt unangenehm laut in meinen Ohren. Hässlichkeiten werden einem von linker wie von rechter Seite ins Ohr gebrüllt. Die Strategen und Taktierer entwerfen grossartige Winkelzüge und verruchte Gegner, die dann mit den modernsten Mitteln des digitalen Wahlkampfs in Grund und Boden gestampft werden. Glücklicherweise bleibt’s nur beim Versuch. Beim gründlich misslungenen.

Im Grossen und Ganzen herrscht Gerechtigkeit zwischen den Parteien, alle haben zwahlreiche Vertriebswege für ihre Propaganda, tun all dies, was sie ihren Gegenspielern vorwerfen, auch selber und keiner Partei gereicht’s zum Vorteil. Die Stimmanteile der Parteien scheinen relativ gleich zu bleiben. Die Änderungen sind jedenfalls nicht gravierend und schon gar nicht bedeutungsschwanger.

Der Herr Winkelried sieht bei den Linken jedoch immer noch eine mediale Übermacht, deren Ende er jedoch frohlockend in kürzester Bälde kommen sieht. Er fordert zudem eine rechte Tageszeitung und ein rechtes Blogwerk. Als Gegenstück zur eher linken Gesamtblogosphäre, die jedoch durchaus zur Geburt von rechtskonservativen Machtblöcken wie PI fähig ist.

Dies alles ist schön und gut und zu denken eines jeden Recht, doch wo bleibt die neutrale Berichterstattung?

Ich bin mir bewusst, dass es eine vollkommen objektive Tageszeitung nie geben wird, eine grösstmögliche Annäherung an dieses Ideal wäre jedoch dennoch möglich und nötig.
Ausser mir scheint jedoch kaum einer dieser Meinung zu sein. Keine Rufe nach Neutralität sind mehr zu hören. Kein Entsezen über die verlorene Objektivität der Medien kann man spüren. Jeder scheint irgendwie glücklich damit zu sein, dass jedes grössere Medium einem politischen Lager zugeordnet werden kann. Zwar macht sich eine Politikverdrossenheit breit, doch damit verbunden ist scheinbar keine Parteilosigkeit.

Schade ist die Voreingenommenheit der Medien so gross. Nur zu gerne würde ich mich jeden Morgen mit auf mich zugeschnittenen vorgefertigten Meinungen beliefern lassen. Gemeinsam mit einem Espresso und einem südfranzösischen Croissant. So als Abo wie schwarze Socken.

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2 Kommentare

  1. Winkelried

    Sehr geehrter Bläsi,

    ich glaube nicht, dass der Herr Winkelried die Wahrheit für sich gepachtet hat. Die Wahrheit ist nunmal das Geschäft der Theologie und nicht das der Politik. Bei der Politik geht es allein um Meinungen. Und Gott bewahre uns vor der richtigen Meinung!
    Dennoch - Winkelried mag es nicht, sich jeden Tag die Welt von Linken erklären zu lassen. Realistischerweise trifft das auch etwa auf 30% der Bevölkerung zu. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieses Segment publizistisch besetzt wird.

    Winkelried

    PS: PI ist nicht mal auf unserer Linkliste.

  2. Benjamin B.

    Sehr geehrter Herr Winkelried,

    es freut mich von ihnen zu hören. Ihre Auffassung, dass es in der Politik um Meinungen geht, teile ich grundsätzlich.
    Ihren Wunsch nach einer rechten Tageszeitung kann ich gut verstehen, und ich bin auch der Meinung, wenn die Linke eine ‘eigene’ Tageszeitung hat, dann steht dies selbstverständlich auch der Rechten zu.
    Dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn eine neutrale Zeitung auf dem Markt erscheinen würde. Meinetwegen eine staubtrockene, in der bloss Fakten gelistet werden. Solang sie nicht mit irgendeiner politischen Rcihtung symapthisiert, gebe ich mich mit allem zufrieden. Doch vom Parteigeplänkel habe ich allmählich genug.

    B. Bläsi

    PS: Ich wollte Sie keineswegs mit PI vergleichen. Falls es den Anschein machte, dann tut es mir leid.
    Ach ja, machen Sie weiter so. Ich sehe es lieber, wenn es zum linken medialen Machtblock einen Gegenblock gibt, als wenn die eine Seite alle Fäden selbst in der Hand hat. Dies gilt für den gegensätzlichen Fall natürlich auch.




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