Ist Nanotechnologie moralisch korrekt?

Scheinbar nicht. Allem Anschein nach ist die Nanotechnologie gar ein Werkzeug des Teufels. Mancherorts bloss etwas nicht wünschenswertes.

In a sample of 1,015 adult Americans, only 29.5 percent of respondents agreed that nanotechnology was morally acceptable. (54% in the UK, 62% in Germany, 72% in France).1

Ich bin so zynisch, dass ich nicht einmal überrascht bin. Nanotechnologie ist leider sehr kontrovers. Genau wie Gentech, hochauflösende TV-Geräte, Lachsbrötchen und Fortschritt im Allgemeinen. Über den Daumen geschlagen gibt es drei Gründe, wieso jemand gegen technischen, medizinischen, aber wissenschaftlichen Fortschritt im Allgemeinen ist:

Die Forschung ist schon viel zu weit gegangen.

Ach ja, dies glauben und derweil für sauberere Motoren kämpfen? Und nein, ich werde den krebskranken Kindern sicherlich nicht sagen, dass wir ihnen nicht helfen können, weil der medizinische Fortschritt moralisch falsch sei. Macht ihr das, ich besitze die nötige Grausamkeit nicht.

Wir dürfen nicht Gott spielen.

Gott hat uns ein Hirn und Hände gegeben. Allerdings dürfen wir diese biologischen Werkzeuge nicht benützen. Nicht einmal, um Leid zu verhindern. Denn wir dürfen ja nicht Gott spielen. Gott allein entscheidet über Leben und Tod, deshalb lassen wir jetzt alle Hospitalisierten schön verrecken.

Ich fürchte mich bloss vor dem Neuen und dem Unbekannten. Ich kann dies jedoch nicht zugeben, sondern suche Gründe, wieso ich derart Angst habe. Da alle Fakten gegen meine Überzeugung sprechen, muss ich eines der obigen Argumente zücken oder mich in philosophisches Geschwafel über die Immoralität und Unnatürlichkeit von zivilisatorischen Errungenschaften stürzen. Das Duschklo möchte ich aber trotzdem nicht missen.

Gläubige können ganz schön scheinheilig sein, nicht?

tiny frog - Is nanotechnology morally acceptable?

  1. sciencedaily - Religion Colors Americans’ Views Of Nanotechnology []






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8 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiNext Generation - Ist Nanotechnologie moralisch korrekt?Publiziert am 22. February 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Andreas Kyriacou

    Das Unerträgliche an der Studie scheint mir weniger ihr Resultat als ihre absolut idiotische Fragestellung.

    Auch wenn bei den Amis wahrscheinlich deutlich mehr Leute “Nein” sagten, weil Technologie irgendwie der göttlichen Schöpfung ins Handwerk zu pfuschen droht, ist das Ergebnis kaum ernsthaft zu interpretieren. Es fängt schon damit an, dass es wohl Nuancen gibt zwischen dem, was auf englisch unter moral und was auf deutsch unter moralisch verstanden wird.

    Der Ansatz, eine Einschätzung der Nanotechnologie auf eine einzige Ja/Nein-Frage zu reduzieren, ist ohnehin hirnrissig, als Massstab dann ausgerechnet “moralische Akzeptanzfähigkeit” zu nehmen, vollends jenseits. Wenn man der Meinung ist, dass es Technologiefolgeabschätzungen braucht und Veranstaltungen wie diese hier, z.B. weil man noch kaum weiss, wie sich Nanopartikel in den Atemwegen auswirken können (s. dazu Folien eines DuPont-Forschers), soll man dann auf die offenbar einzige Chance zur Stellungnahme “Ja” oder “Nein” antworten?

    Die “Studie” kann man aus methodischen Gründen spülen. Sich an ihren Resultaten zu ereifern lohnt sich deshalb schlicht nicht.

  3. Sam

    “Gläubige können ganz schön scheinheilig sein, nicht?”

    Können. Ja. Sehr wohl.

  4. Benjamin B.

    Andreas, klar ist die Fragestellung absolut idiotisch, gerade deswegen ist es ja beängstigend, wie viele Leute mit Nein geantwortet haben.
    Das deutet daraufhin, dass wenig Leute erstens wissen, was Nanotechnologie überhaupt ist und zweitens in dieser Frage nicht differenzieren können.
    Ich kann zudem aus Erfahrung sagen, dass es Personen gibt, die Grundsätzlich gegen Nanotech sind. Natürlich weil sie keine Ahnung davon haben, aber auch wegen irgendwelcher religiös-moralisch-ethischen Vorbehalte.

    Der Unterschied ist, dass du die Nanotechnologie ohne Vorbehalte, aber dennoch kritisch und vor allem all ihre Aspekte betrachtest. Viele tun das nicht, und genau dies zeigt diese Umfrage eben auf.

  5. Thinkabout

    Ich bin wie Andreas der Meinung, dass das Thema Nanotechnologie noch viel zu wenig erforscht ist, um es schon auf die Ebene einer Grundsatzmoralfrage “technologischer Fortschritt ja oder nein” zu zerren. Die wissenschaftlichen Meinungen dazu sind noch äusserst konvers. Also kann ich die Skepsis sehr gut verstehen - wie bei Gentech auch. Und das schreibt hier einer, der Produkte seiner Firma vertreiben kann, die in Ausrüstungselementen Nanotechnologie mit (noch) technischem Vorsprung enthalten.

  6. Benjamin B.

    Thinkabout,

    Skepsis ist stets ein guter Ratgeber. Ich finde bloss, wenn man eine neue Technologie von vornherein ablehnt, nur weil sie unerforscht ist, verbaut man sich seine eigene Zukunft. (Gut, es kommt natürlich darauf an, wie man oben genannte “Studie” interpretiert. Du siehst eher Skepsis dahinter, ich eher eine grundlegende Ablehnung von Nanotechnologie.)
    Ich wünschte mir einfach etwas mehr Aufgeschlossenheit gegenüber zukunftsweisenden Technologien, und weniger religiös, grün oder sonstwie ideologisch begründete Borniertheit.

  7. Thinkabout

    Benjamin,
    da kann ich Dich beruhigen. Das wirtschaftliche Interesse an der Nano-Technologie wird sich in Sachen Forschung nicht von welcher Skepsis auch immer bremsen lassen. Sofern denn das eine Beruhigung darstellt…

  8. Benjamin B.

    Thinkabout,
    das ist auch gut so. Doch um Forschung betreiben zu können, muss die Gesetzeslage auch stimmen. Und wenn die Stimmung im Volk kippt, gibt’s schnell mal ein Verbot von Nanotech, Gentech etc.




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