Gottesverleugnung ist nicht der Lebensinhalt eines Atheisten

Yeah, fuck it…

Weder definiert sich der Atheist über seinen fehlenden Glauben an irgendwelche Götter, noch will er die westliche Kultur zerstören. Wie könnte er auch, er ist schliesslich ein Produkt dieser Kultur, unserer, die im Christentum wurzelt und dann über die Industrielle Revolution, die Aufklärung und den Humanismus in einundzwanzigste Jahrhundert mündete.

Wir sind Rationalisten, Materialisten, gottlose Liberale, die weder an fliegende Rentiere, noch an Kobolde, noch an bärtige Männer im Himmel noch an undefinierte substanzlose, doch irgendwie mit uns interagierende Wesen glauben. Wir stellen ein furchterregend kleinen Teil der Bevölkerung selbst der Schweiz dar. Dies müsste uns Angst machen, die grosse Menge der Leute glaubt lieber den verführerischen Worten irgendwelcher Quacksalber, als sich auf Beweise, auf Fakten zu stützen. Ja, wann habt ihr das letzte Mal euren Verstand gebraucht? Kritisch? Und das nicht, um Tatsachen so umzudeuten, dass sie in euer Weltbild passen?

Ich bin betrübt, zutiefst, und dies zu Recht. Der Atheist will unsere Kultur nicht überwinden, er will bloss eine säkulare Gesellschaft, ein laizistischer Staat und Bürger, die kritisch und rational denken, und das nicht bloss sechs Tage die Woche, um dann am siebten in Ekstase zu verfallen, wenn irgendein Weissbekragter aus einem Märchenbuch vorliest. Damn, welche High-Gefühle müssen diese Leute bekommen, wenn sie erst Grimm’s Märchen entdecken?

Der neue Atheist streut bloss ein paar Körner Salz in jene schwärenden Wunden, die das Antlitz der Menschheit seit Urzeiten verunstalten. Religion hat abgrundtief schwarze Seiten, dass sie auch ein paar gute hat, verleugnen wir nicht. Doch wollen wir die Kosten der Religionen, aber auch der Massenesoterik wirklich tragen, bloss weil sie ein paar Leuten Sicherheit vermitteln? (Nicht zu vergessen das schwarz-weisse Weltbild, das gratis dazu geliefert wird.)

der verwerter - Die reaktionären Atheisten







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6 Kommentare

  1. fabe

    Wir stellen ein furchterregend kleinen Teil der Bevölkerung selbst der Schweiz dar. Dies müsste uns Angst machen,

    das tut es allerdings. aber es hilft ja nichts.

  2. Benjamin B.

    Es hilft nicht, weil es bloss uns Atheisten Angst macht. Der Rest der Welt ist wohl froh, dass wir nur so wenige sind. Leider.

  3. plasmaoxyd

    Du wirst nicht glauben, wieviele rational denkende Gläubige es gibt. Zumindest denken diese rational bis zu einem bestimmten Punkt, an dem man auch mit Rationalität nicht weiterkommt.
    Ich glaube, wir brauchen uns gegenseitig, Atheisten und Gläubige (und natürlich die vielen Sub-Kategorien, die man sonst noch so definiert). Man kann es doch als eine Art Gleichgewicht sehen. Rationalität und Religiösität können sich auch prima ergänzen. :)

  4. Benjamin B.

    Hm, kann es denn sein, dass ich wirklich wieder die urmenschliche Eigenschaft der Inkonsequenz vergessen habe?

    Nun, ich frage mich einfach, wie ernst ich die Rationalität von manchen Leuten nehmen kann, die in bestimmten Angelegenheiten zwar einen äusserst nüchternen Eindruck machen, in anderen hingegen jegliche Vernunft verlieren.

    Magst du deinen Satz “Ich glaube, wir brauchen uns gegenseitig, Atheisten und Gläubige” etwas näher erläutern?

  5. plasmaoxyd

    Wenn man es oberflächlich betrachtet könnte man sagen: Jede Seite braucht ihre Feindbilder. *grins*
    Wenn eine Seite der Waage fehlt, dann kippt das Gleichgewicht und die Pluralität an philosophischen Ideen würde sich stark reduzieren.
    Man inspiriert sich gegenseitig immer wieder gut, finde ich zumindest.

    Wäre es denn deiner Meinung nach also inkonsequent als Leistungskurse in der Oberstufe Religion und Physik zu wählen? ;)

  6. Benjamin B.

    Gut ja, die philosophische Beschäftigung mit Gott und Metaphysik und dergleichen kann durchaus inspirierend sein, blinde Sektierer hingegen nicht.

    Nun, kommt darauf an, weshalb man Religion als Leistungskurs wählt. Und vor allem, wie der Kurs gestaltet wird - gut, das ist dann von der Lehrperson abhängig, ich weiss.
    Religion und Physik gehen einzig dann zusammen, wenn man Religion als beschreibendes Fach betrachtet. Um sich zu informieren, welche Religionen es so gibt und wie diese gestaltet sind, welches ihre Gründungsväter sind, wie die Religion den Alltag beeinflusst und welche Rolle die heiligen Schriften zählen, dazu braucht man ja selbst nicht gottesfürchtig zu sein. Eine gewisse Kenntnis auch über fremde Religionen zähle ich sowieso zur Allgemeinbildung.
    Allerdings sollte der Lehrer davon absehen, den Kindern zu erzählen, dass Jesus wirklich über jenen See spaziert ist.
    Einzig in der Philosophie darf etwas spekuliert werden, obwohl dort häufig auch indoktriniert wird, alle anderen Fächer müssen sich an die Fakten halten, sonst gehören sie an die Schule.

    Ach nein, schon wieder abgeschweift.
    Also, wenn du Religion wählst, um dich zu informieren, was diese Islamisten denn nun predigen, dann ist dies mit Physik als zweites Fach vereinbar, der Glaube an Intelligent Design ist es jedoch nicht.

    ;-)




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